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"Erst Häme, dann Hashtag-Reue"Zu Guttenberg übt scharfe Kritik im Fall Gottschalk

01.12.2025, 13:27 Uhr
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Sind schon länger miteinander bekannt: Karl-Theodor zu Guttenberg (l.) und Thomas Gottschalk. (Foto: picture alliance / dpa)

Er nennt Thomas Gottschalk seinen "Freund". Und als solcher schaltet sich der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nun in die Berichterstattung über den Entertainer ein. Der Gesellschaft wirft er im Umgang mit dem Moderator "Scheinheiligkeit" vor.

Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat angesichts des Bekanntwerdens der Krebserkrankung von Thomas Gottschalk und des vorherigen Spotts über dessen jüngste Auftritte scharfe Gesellschaftskritik geäußert. Gottschalks Causa lege offen, wie sehr die Tugenden Maß und Milde unter Druck geraten seien, schreibt Guttenberg in einem Beitrag im Onlineportal "Linkedin". Der Text ist in der Form eines Briefes an Gottschalk verfasst, den Guttenberg als seinen "Freund" bezeichnet.

Zuerst habe es Häme über die jüngsten Auftritte von Gottschalk gegeben, konstatiert der 53-Jährige. Nach der Veröffentlichung der Krebsdiagnose gebe es hingegen eine "Hashtag-Reue". "Der Takt der Empörung kennt keine Schonfrist mehr; die öffentliche Figur ist nicht erst Mensch und dann Projektionsfläche, sondern umgekehrt", erklärt der Ex-Minister.

Guttenberg stammt wie der Entertainer aus Franken. Gottschalks jüngste Geschichte mit dem viel diskutierten Auftritt bei der Bambi-Verleihung verrate viel über eine Republik, die vergessen habe, etwas auszuhalten, ohne sofort zu richten, erklärt er. "Maß bedeutet, einen misslungenen Auftritt einzuordnen - als Patzer, nicht als Untergang", schreibt Guttenberg. "Milde bedeutet, die Möglichkeit mitzudenken, dass man nicht alle Umstände kennt: Krankheit und biografische Brüche, die gerade nicht ins Rampenlicht gehören."

Kritik an den Medien

Guttenberg formuliert in diesem Zusammenhang auch Kritik am Verhalten der Medien, die oft als Verstärker des Reflexes zur Empörung fungierten und nicht als Korrektiv. "Wer besonders scharf formuliert, gewinnt Reichweite. Mitleid klickt eben schlechter als Häme", erklärt er und schreibt an späterer Stelle: "Vielleicht beginnt Humanität im Digitalzeitalter mit einer radikal unspektakulären Geste: dem nicht abgesendeten Witz, dem abgebrochenen Spott, dem Moment, in dem man sich daran erinnert, dass hinter der Figur eine Seele steckt - verletzlich, sterblich, wie die eigene."

Gottschalk hat in einem Doppel-Interview mit seiner Frau Karina mit der "Bild"-Zeitung seine Krebserkrankung öffentlich gemacht, nachdem er zuletzt bei der Bambi-Verleihung und bei der Vergabe des Medienpreises Romy angeschlagen wirkte. Wie Gottschalk der "Bild" sagte, musste er wegen eines seltenen, bösartigen Tumors bereits zwei Mal operiert werden und nimmt seitdem starke Schmerzmittel. Guttenberg beendet sein Schreiben an den Entertainer mit den Worten: "Lieber Thomas, den Kampf gegen die Scheinheiligkeit hast Du bereits gewonnen. Dir und Karina alles erdenklich Gute."

Quelle: ntv.de, vpr/AFP

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