Bücher

Delfin- oder Esel-Therapie? Die heilende Kraft von Tieren

imago0102636541h.jpg

Auch wenn wir unseren Tieren immer ähnlicher werden - wir lieben sie ohne Wenn und Aber.

(Foto: imago images/Westend61)

"Der Kontakt mit Tieren macht uns gesund", sagen Rainer Wohlfarth und Bettina Mutschler in ihrem Buch "Die Heilkraft der Tiere". Man muss allerdings gar nicht erst krank werden, um sich für ein Tier zu entscheiden, zeigen sie auch. Und sie liefern jede Menge Fakten und Geschichten.

In den letzten Wochen, als die Menschen "der Umstände halber" viel zu Hause waren, haben sie sich mehr als sonst nach einem Tier gesehnt. Meist wird es dann ein Hund oder eine Katze, das liegt nahe für alle, die keinen Bauernhof ihr Eigen nennen. Denn mit einer Katze auf dem Schoß wird es warm und gemütlich, wenn man allein ist, und wer sich schon immer nach mehr Bewegung gesehnt hat, wird früher oder später auf den Hund kommen. Denn mit dem muss man raus, ob es stürmt, schneit oder die Sonne scheint. Das wissen Hundebesitzer zwar auch ohne dass es einen neuen Gesetzentwurf geben muss, der einem vorschreibt, wie oft und wie lange das Tier vor die Tür muss - jeder, der sein Tier liebt, geht natürlich Gassi, spielt, fordert und fördert seinen Liebling.

imago0096530756h.jpg

Manchmal wichtiger als Mama oder Papa: ein tierischer Freund.

(Foto: imago images/Cavan Images)

Aber die Beziehung zwischen Mensch und Tier ist und bleibt eben eine besondere. Hoffen wir, dass die Lage sich auch sehr bald für Schweine ändert, denn ein neuer Bundesratsbeschluss besagt, dass Mutterschweine auch weiterhin (für acht Jahre!!) im sogenannten Kastenstand vor sich hin vegetieren müssen.

Wie man es besser macht mit Tieren, darum geht es im 299 Seiten starken Ratgeber "Die Heilkraft der Tiere". Dort beschreiben Rainer Wohlfahrt und Bettina Mutschler ihre Reise von "ganz normalen Leuten", vom Psychotherapeut und Coach, zu wirklichen Spezialisten. Zu Tierliebhabern. Am Anfang waren Tiere im Leben der beiden Autoren unter anderem Versuchsobjekte während des Studiums, heute geht es dem Duo um die Bindung zwischen Mensch und Tier, um tiergestützte Therapien und um die Ausbildung beider Spezies.

Alles ist mit Tier besser

Ihr Buch beginnt mit einem "etwas anderen Vorwort"und endet ebenfalls mit einem "etwas anderen Schlusswort" - klar also, dass das, was dazwischen passiert, auch nicht der übliche Standard von Tierratgeber bis Eso-Service ist. Hier erzählen zwei Menschen von ihrer Liebe zum Tier, ohne gefühlsduselig oder niedlich zu werden. Es geht um Kameradschaft, ums Trösten und ums Respektieren, es geht aber auch darum, das Tier zu akzeptieren. Nicht etwas aus dem flauschigen Freund zu machen, was er gar nicht sein kann. Nicht blind auf "Mode-Themen"zu vertrauen - genannt sei hier nur die "Delfin-Therapie". Die Autoren wolle Delfinen nicht ihre heilende Wirkung absprechen, verweisen eben aber auch darauf, dass Delfine Tiere sind, die oft nicht artgerecht gehalten werden, die keine Wunder vollbringen können. Und sie raten, sich für Tiere, die einem viel näher sind, nämlich Hund, Pferd oder Esel, zu interessieren.

ANZEIGE
Die Heilkraft der Tiere: Wie der Kontakt mit Tieren uns gesund macht
20,00 €
*Datenschutz

Die Autoren beschäftigen sich damit, wie Tiere als Antidepressivum wirken können, als Helfer bei Demenz, als Unterstützung beim Lernen. Und das alles, ohne je in einen besserwisserischen Ton zu verfallen oder Versprechungen zu machen, die weder Mensch noch Tier weiterbringen würden. Durch lebendig erzählte Beispiele wie dem von Anna, einer 18-Jährigen, die mit 13 den ersten Suizidversuch unternahm, in einer Jugendeinrichtung lebt und sich mit Menschen schwertut, versteht der Leser, worum es Wohlfarth und Mutschler geht. Wie ein Mädchen, das keinen Bock auf weitere Therapien hatte, dann doch auf dem Rücken eines Pferdes landete und nun fast eine Pferdeflüsterin ist, die sich endlich etwas zutraut, ist nur eine der runden, schönen Geschichten, die inspirieren.

Mehr zum Thema

Und dann ist es auch vom Pferd zum Esel nicht mehr weit - dieses störrische Vieh kann einen wirklich an seine Grenzen bringen. Ja, und das ist gut so. Denn da wollen wir eigentlich alle mal hin, an unsere Grenzen. Uns austesten, uns besser kennenlernen. Und am Ende verstehen wir dann auch, dass Esel gar nicht so störrisch sind, sondern nur sehr geduldig. Dass der Esel eine Art Buddha ist und Motivations-Coach.

Wie wichtig doch die Natur ist! Wie sehr es sich lohnt, mit ihr im Einklang zu leben - das und so vieles mehr lernen wir durch "Die Heilkraft der Tiere". Dieses Buch ist für alle, die schon ein Tier haben, eines wollen und auch für Tierhaarallergiker - es geht immer was! Und: Es geht eigentlich immer besser mit einem Tier. Dass Sie jetzt trotzdem nicht auf der Stelle losrennen und einen Hund oder Kanarienvogel aus dem Tierheim retten, sondern erst nach gründlicher Überlegung, versteht sich von selbst. Oder?

Quelle: ntv.de