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"Der große Sommer" Ewald Arenz' ultimatives Ferienbuch

Eine Frau taucht in einem Stuttgarter Schwimmbad ins Becken ein. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

Eine Liebe, die auf dem Sprungturm beginnt, ist nicht unbedingt zum Untergehen verurteilt.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild)

Wer ein Buch für die Sommerferien sucht, hat es jetzt gut, denn die folgenden Zeilen verraten, welches Buch das sein könnte. Das ist das Gute. Das Schlechte? Das Buch ist irgendwann zu Ende, wie alle Bücher. Bei diesem ist es besonders schade.

Da ist dem Ewald Arenz ein ganz großes Stück Literatur gelungen, das sich so leicht liest, als wäre man selbst noch in dem Alter seiner Protagonisten. Irgendwas zwischen 15 und 17, die Sommerferien erscheinen einem unendlich lang - wenn sie vor einem liegen - und ständig verändert sich etwas, ohne dass man es wirklich will oder beeinflussen kann. So geht es auch Frieder. Der Ärmste muss allerdings ein paar Prüfungen nachholen, wenn er versetzt werden möchte, und das will er. Deswegen muss er lernen. Seine chaotische Familie verreist ohne ihn.

Zurück bleibt er aber nicht allein – er zieht bei seinen Großeltern ein. Das bereitet ihm anfänglich keine allzu große Begeisterung, was sich im Laufe des Sommers – Sie ahnen es – aber ändern soll, denn er zieht zu einer Großmutter, wie man sie sich nicht besser und interessanter wünschen kann, und einem Großvater, nun, den man sich auch besser nicht wünschen könnte. Aber das erfährt Frieder erst viel später, am Ende dieses Sommers, in dem er sich zum ersten Mal richtig verliebt und diese Liebe mit Beate, dem Mädchen aus dem Schwimmbad, auch erlebt.

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Das ist der Sommer - er muss in den 70er-Jahren spielen, denn Arenz wurde 1965 geboren und sagt selbst, dass dies "tatsächlich ein sehr autobiografischer Roman ist, verwoben mit viel Erdichtetem" - der ihm klarmacht, dass die innige Beziehung zu seiner Schwester Alma ihm nicht von jedem gegönnt wird und dass Freundschaft, wie die zu Johann, seinem besten Kumpel, sich nicht in den guten Zeiten beweist. Das ist der Sommer, der ihn vielerlei Hinsicht zum Mann macht.

Warmer Kakao und eine kühle Hand

Man könnte "Der große Sommer" in einem Rutsch durchlesen, an einem Nachmittag im Schwimmbad, oder in der Hängematte im Schatten, aber man sollte sich nicht so beeilen. Zu schön ist beschrieben, wie ein junger Mann den Geheimnissen seiner Großeltern auf die Spur kommt, und wie viel sie mit ihm zu tun haben. Zu sehr kann man in eigene Erinnerungen abschweifen an die Momente, in denen man an seinen Freunden gezweifelt und sich von der ganzen Welt unverstanden gefühlt hat. Wo einem ein warmer Kakao und die kühle Hand der Oma auf der Stirn an einem regnerischen Sommerabend doch noch den Tag gerettet haben. Und den Verstand.

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Arenz erzählt mit so viel Gespür und Liebe für seine Figuren, dass man sich an manchen Stellen kaum einkriegen kann vor Glück, so etwas lesen zu dürfen. Er rührt, bringt den Lesenden zum Lächeln, und hat genau das Gespür dafür, wie viel Mysterium dem Ganzen guttut. Und was noch aufgeklärt werden muss – am Ende, wenn sich der erwachsene Ich-Erzähler, der ab und zu in diesen wunderbaren 317 Seiten vorkommt, auf dem Friedhof seiner Heimatstadt auf die Suche nach einem bestimmten Grab macht.

Dieser Sommer hat Frieder für immer geprägt - das Gleiche kann diesem Buch gelingen, wenn man sich darauf einlässt. Und das sollte man.

Quelle: ntv.de

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