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Schätzing, der alte Spaceboy Frank, David und die Allerweltsjugendlichen

25.01.2026, 12:20 Uhr dff697a9-ec36-4d60-a8dd-b9e0363450ecVon Sabine Oelmann
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Schätzing liest nicht einfach nur, er tritt auf. Das ist ein gutes Erlebnis. (Foto: picture alliance / SZ Photo)

Frank Schätzing hat ein Buch geschrieben, in dem er sein Leben an dem des Über-Stars David Bowie entlanghangelt. Es heißt "Spaceboy - Über David Bowie. Über mich." Es liest sich gut. Ein weiteres Plus: Dieser Text ist komplett Trump-frei.

Ich sag' mal so - ich war bei einer Lesung, bei der Frank Schätzing unter vielen, sehr viel jüngeren Menschen aufgetreten ist. Ja, er ist aufgetreten, er hat nicht einfach nur vorgelesen. Und das ist auch gut so. Denn das eine ist, ein Buch zu schreiben, das andere ist, es der Welt zu zeigen, es zu präsentieren.

So, wie Schätzing das Buch bei dieser Lesung unter vielen an die Leute gebracht hat, hat mir das sehr gefallen. So sehr, dass ich gar nicht drauf geachtet habe, ob mir das Buch an sich wirklich gefallen hat. Ich habe es jedenfalls gekauft. Ich habe es signieren lassen, Schätzing war sehr freundlich und zugewandt. Leider habe ich das Buch verschenkt. Aber vorher gelesen. Und was ich da feststellen konnte: Es ist gut geschrieben. Egal, was andere sagen.

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David Bowie 1966 - kann man hier bereits erkennen, dass er mehr ist als ein Allerweltsjugendlicher? (Foto: Cyrus Andrews/Michael Ochs Archives/Getty Images)

Ein Kollege der "taz" zum Beispiel, der findet Schätzings Paralleluniversum - "hier er selbst, der Kölner Vorstadtspross, kleinjungenhaft, Rotbäckchen-fickerig", wie der Autor schreibt, dort der coole David Bowie, "der Londoner Suburban Boy" - peinlich. Er kritisiert, dass Schätzing suggeriere, er sei noch immer, trotz Millionen verkaufter Bücher, der "fiese Möpp vom kölsche Klüngel", einer, der sich nie von Träumen abhalten ließ. Dessen Träume, laut Schätzing, auch noch wahr wurden. Was jedoch ist falsch daran, frage ich mich?

Denn Bowie, der auch Millionen, sicher mehr als Schätzing, verdient hat, spricht der Rezensent das Träumen nicht ab, fragt gar: "Tröstet dergleichen (also Schätzings Buch, Anm. d. Red.) jene Leserinnen und Leser, deren Träume scheiterten?"

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Sorry, seit wann sind denn andere für meine persönlichen Träume verantwortlich? Jeder träumt allein, dementsprechend verwirkliche ich meine Träume auch. Oder nicht. Aber mit allem - ich spreche nur für mich - hat weder Frank Schätzing noch David Bowie zu tun, ob die Träume nun wahr werden oder nicht.

Auch du, mein Sohn Brutus

Und ich mag mich auch nicht lustig machen über Schätzing, weil er, wie bereits viele vor ihm, Bowies Lebensweg nachgezeichnet, verwoben hat, mit seinen eigenen Erlebnissen als Heranwachsender und als Mensch. Kann man machen, muss man ja nicht lesen. Der Autor schreibt fürderhin, Schätzing spreche nur über sich, "... um die immense Wirkung von Bowie auf einen Allerweltsjugendlichen zu demonstrieren". Ja, heiliger Bimbam, wer bitte ist und war denn kein Allerweltsjugendlicher im Vergleich zu Bowie? John Lennon vielleicht, der Dalai Lama oder Madonna. Aber sonst sind doch 95 Prozent äußerst "allerweltsjugendlich", auch du mein Sohn Brutus! Schätzing hat dieses Bowie-Ding wirklich gelebt und ernst gemeint, wie folgender Instagram-Post aus dem letzten Jahr zeigt:

Ich will Schätzing gar nicht über den grünen Klee loben, ich will nur sagen, kann man gut lesen, wie die anderen, äußerst erfolgreichen Bücher Schätzings. Er hat einen eher zurückhaltenden Humor, eine feine Ironie, es liest sich flott, man lernt hier und da auch was, also, wenn man jetzt nicht Davidbowieologie studiert hat, meine ich. Und andere Rezensenten (wie "dunkelrot.de") haben ja auch noch eine Meinung: "Ein pulsierendes Echo aus Glam, Rauch, Neonlicht, und Weltraumstaub" sei "Spaceboy". Und ergänzt, dass Schätzing über den Moment schreibt, an dem "Kunst manchmal der einzige Ort ist, an dem man überleben kann". Das klingt wie Poesie!

Seit zehn Jahren ist Bowie mittlerweile tot, und man fragt sich, ob sein Tod, sein "Nicht mehr Dasein", irgendwie mit dem kontinuierlichen Abstieg der Welt, wie wir sie einmal kannten, direkt zusammenhängt. Schätzing sagte im Interview mit "Galore", David Bowie sei sein Lichtstrahl in der Dunkelheit gewesen. Es gibt weiß Gott Schlimmeres, oder Profaneres, an dem man sich festhalten könnte.

Wir sind uns sicher einig, dass Bowie auch zehn Jahre nach seinem Tod noch immensen Einfluss auf Künstler und Fans hat. Dass er einer war, der Dinge gesehen oder geahnt hat, an die die anderen noch nicht dachten. Wir wissen das jetzt, zehn Jahre später, und wir stellen uns vielleicht vor, dass er, aus den Sternen heraus, noch immer über uns wacht. Das wäre tröstlich.

Und vielleicht ist es eben immer noch Bowie, der heutigen "Allerweltsjugendlichen" auf die Sprünge hilft. Oder eben Schätzings "Spaceboy". Um vieles besser auf jeden Fall, als sich im Wachstum und auf dem Weg zum Erwachsensein nur auf Dschungelstars, die Kardashians oder tendenziöse TikToker zu beziehen.

Quelle: ntv.de

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