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1940er- bis 1960er-Jahre im Bild Hamburg - aus Ruinen auferstanden

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Baumwall, "Sammeltaxi-Barkassen" für Dockarbeiter kurz vor dem Auslaufen der zweiten Schicht. (1950)

Deutsche Fotothek/Panfoto

Hamburg lag nach dem Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche. Aber es ist wiederauferstanden - wie, zeigt der Bildband "Hamburg meine Perle" anhand Hunderter großformatiger Fotos aus drei Jahrzehnten. Mit Ruinen, Hafenarbeitern und den Beatles.

Jeder Fan des HSV kennt es und kann es mitsingen, das Lied von Lotto King Karl: "Hamburg, meine Perle ..." Im gleichnamigen Bildband geht es aber nicht um Fußball, sondern um die Stadt, um das nach den immensen Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs auferstandene Hamburg. Im Vorwort heißt es: "Perlen altern nicht. Manchmal büßen sie etwas Glanz ein und bekommen Flecken, aber ihr Alter sieht man ihnen nicht an."

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"Hamburg meine Perle" ist bei Emons erschienen, gebunden mit Schutzumschlag, 320 Seiten, 49,95 Euro.

(Foto: emons)

Der schwere Band enthält rund 300 großformatige, zum Teil unveröffentlichte Fotos aus den Beständen der Deutschen Fotothek und der persönlichen Sammlung des Fotografen Günter Zint. Er war einst Fotograf im legendären "Star Club" und erlebte dort die ersten Auftritte der Beatles. Zudem arbeitete er für "Spiegel", "Stern" und "Konkret" und gründete Ende der Sechzigerjahre die "St.Pauli Nachrichten".

Die Bilder gehen oft über eine ganze Seite oder sogar zwei - das macht sie besonders eindrucksvoll. Der begleitende Text ist knapp gehalten und auf wenige Infos oder Kommentare beschränkt, zusätzlich zu den Bildunterschriften und einem längeren Einführungstext.

Thematisch geordnet

Nur wenige der Fotos sind in Farbe, die meisten schwarz-weiß. Sie zeigen nicht nur die Wiederauferstehung Hamburgs, sondern auch ein Sittenbild der betreffenden Jahrzehnte: Vergnügen, Alltagsleben, Arbeit, Hausbau, Markttreiben - alle Bereiche des Lebens. Dabei sind die Bilder nicht chronologisch geordnet, sondern nach Kapiteln. Deren Themen sind: Wiederaufbau; Elbe und Alster; Politik; Kultur; Stadtansichten; Arbeit; Freizeit und schließlich Hamburg bei Nacht.

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"Gammler", wie es damals abfällig hieß, vor einem Friseur in der Davidstraße.

(Foto: Deutsche Fotothek/Panfoto)

In den Aufnahmen aus den 1940er-Jahren erkennt man, wie schwer Hamburg im Krieg getroffen wurde. Ein Trümmerfeld, mittendrin spielende Kinder. Hunger, Tauschhandel, die Suche nach vermissten Angehörigen. Aber auch: wiederkehrende Normalität, der Aufbau, fröhliche Spaziergänger. Und über allen und allem spielt wie eh und je der "Michel-Türmer" in alle Himmelsrichtungen seine Trompete. Ebenso allgegenwärtig: das Hamburger Schmuddelwetter.

Zeiten des Umbruchs

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1960er-Jahre: Jungen beobachten das Beladen des Frachters "Algier".

(Foto: Deutsche Fotothek/Panfoto)

Zu den Bildern des Wiederaufbaus, des Wiederauferstehens der Elbmetropole gesellen sich in den Fünfziger- und Sechzigerjahren Bilder des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs. Große Demonstrationen - gegen Atomwaffen, gegen Waffentransporte in die USA. Die Mode ändert sich sichtbar. Tragen auf vielen frühen Bildern die Jungs alle noch kurze Hosen und Sandalen, Frauen Röcke oder Kleider und die älteren Herrschaften fast durchgängig Hüte, hält der Rock'n'Roll Einzug. Petticoats, Jeans, Haartolle. Später dann die langen Haare der "Gammler".

Auch viele Prominente sind zu sehen, Hamburger und Hamburg-Besucher: so etwa Marlene Dietrich, Jimi Hendrix, Königin Elizabeth II. und Charles de Gaulle. Und die Beatles und Udo Lindenberg dürfen in einem Buch über Hamburg natürlich nicht fehlen!

In die Rubrik "ausgestorbene Berufe" fiele wohl die sehr schöne Aufnahme von den Straßenbahnschaffnerinnen und auch durch die Stadt laufende Essigflaschen als Werbeaktion sieht man heute eher nicht mehr. Besonders beeindruckend sind aber die Porträts der Hafen- und Werftarbeiter. Erlebbare Geschichte und eine echte Zeitreise.

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