Essen und Trinken

Von Dichtern umschwärmt Heißgeliebte Pellka

Die Pellkartoffel sollte eigentlich der Favorit unter den verschiedenen Zubereitungsarten für die "Erdäpfel" sein, weil sie neben dem vortrefflichen Eigengeschmack guter Kartoffelsorten wichtige wirtschaftliche und ernährungswissenschaftliche Vorteile bietet: Sie trägt nicht den Makel eines oft bis zu 25 Prozent ausmachenden Schälverlustes, sondern bringt dafür auch noch die die hochwertigen Nährstoffe der Knolle sicher auf den Teller.

Am besten ist es, man setzt die schön sauber geschrubbte "Pellka" mit wenig Wasser an; sie sollte mehr gedämpft als gekocht werden. Siebe oder Drahteinsätze, auf die man die Kartoffeln legt, ermöglichen das. Wenn zum Schluss das Kochwasser völlig verdunstet, können die Kartoffeln schön ausdämpfen. Kocht man sie im Wasser (mit kaltem Wasser aufsetzen), muss der Topf nach dem Abgießen mit den Kartoffeln und ohne Deckel noch einmal zum Abdämpfen auf den Herd gestellt werden.

Wichtig ist auch, dass man der Kartoffel etwas hilft, Dampf abzulassen. Das geht schnell: Wenn man nämlich vor Ende der Kochzeit mit dem Küchenmesser in die Kartoffeln piekt, um zu sehen, ob sie gar sind, ist der "Schlafrock" schon gelüftet und Hilfe geleistet. Manche Hausfrauen schälen auch an der rohen Kartoffel einen Ring ab, um das Aufplatzen zu erleichtern.

Ob man dem Wasser vor dem Kochen nur Salz oder auch einen Teelöffel Kümmel zusetzt, ist Geschmackssache. Koch- bzw. Dämpfzeit ist etwa 20 bis 30 Minuten. Die Kartoffeln sollten heiß gepellt werden.

Apropos "Schlafrock": Offenbar nur im Deutschen hat die leckere Knolle in der Schale einen so profanen Namen wie Pellkartoffel. Es gibt auch die Begriffe "Geschwellte" und "Quellmänner". Franzosen und Italiener dagegen benutzen weitaus poetischere Bezeichnungen: Während die einen "pommes de terre en robe de chambre" (Kartoffeln im Schlafrock) sagen, verspeisen die anderen mit Vorliebe "patata in camicia" (Kartoffeln im Hemd).

Zu unserer Ehrenrettung sei gesagt, dass es dafür Lobgesänge deutscher Poeten auf die Pellkartoffel gibt, zum Beispiel die "Abschiedsworte an Pellka" von Joachim Ringelnatz:

Jetzt schlägt deine schlimmste Stunde,
Du Ungleichrunde,
Du Ausgekochte, Du Zeitgeschälte,
Du Vielgequälte,
Du Gipfel meines Entzückens.
Jetzt kommt der Moment des Zerdrückens
Mit der Gabel! Sei stark!
Ich will auch Butter und Salz und Quark
Oder Kümmel, auch Leberwurst in dich stampfen.
Musst nicht so ängstlich dampfen.
Ich möchte dich doch noch einmal erfreun.
Soll ich auch Schnittlauch über dich streun?
Oder ist dir nach Hering zumut?
Du bist ein so rührend junges Blut.
Deshalb schmeckst du besonders gut.
Wenn das auch egoistisch klingt,
So tröste dich damit, du wundervolle
Pellka, dass du eine Edelknolle
warst und dass ein Kenner dich verschlingt.

Eines der beliebtesten und einfachen Gerichte in der Region Berlin-Brandenburg ist Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl. Dieses Gericht galt übrigens als das Lieblingsmahl von Heinrich Zille.

Zutaten:
1 kg fest kochende Kartoffeln (am besten schmecken natürlich "neue"), reichen für 2 Personen
Salz und evtl. 1 TL Kümmel
800 g Quark
1 große Zwiebel in feinen Würfeln
1 Bd. gehackte Petersilie
1 Bd. fein geschnittenen Schnittlauch
Salz, Pfeffer
Leinöl nach Geschmack: Ich brauche immer viel davon (sehr gesund, natürlich kalt gepresst und am besten frisch aus der Ölmühle)

Zubereitung:
Kartoffeln wie oben beschrieben kochen und in der Schale auf den Tisch bringen (oder auch vorher pellen und in eine vorgewärmte Schüssel geben).

Den Quark (ich benutze Magerstufe, denn es kommt ja noch das Leinöl dazu) wenn nötig mit wenig Milch geschmeidiger machen. Die gehackten Kräuter, die Zwiebelwürfel und etwa 10 EL Leinöl (oder auch mehr) darunter mischen. Den Quark mit Salz und weißem Pfeffer abschmecken.

Ich habe noch einen Geheimtipp von meiner Oma: Sie hat immer noch einen Matjes-Hering oder einen gut gewässerten Salzhering gehäutet, entgrätet, in kleine Würfel geschnitten und unter den Quark gemischt. Skeptikern sei's gesagt: Das schmeckt klasse und man isst leider immer viel zu viel davon!

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de

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