Essen und Trinken

Back to the roots Höhle und Hochhaus

Gewürz kommt von Wurzeln. Als Heidi noch in der Höhle lebte, wuchsen wild dahinter schon Meerrettich, Sellerie und andere wohlschmeckende und gesunde Wurzeln. Sie brauchten nur ausgegraben zu werden und schmeckten vorzüglich zu Mammut am Spieß. Sie halfen verdauen und machten Appetit. Es blieb nicht bei den Wurzeln. Bereits bei den steinzeitlichen Jägern und Sammlern kamen Beeren und Früchte, verschiedene Baumrinden, Samen und Gräser hinzu.

Thymian, Sesam und Kardamom finden sich schon auf Tafeln mit babylonischer Keilschrift. Auch im wörtlichen Sinne wurden Gewürze mit Gold aufgewogen, und so wurde Gewürz zum Statussymbol. Römische Legionäre rieben sich nach getaner Arbeit am ganzen Körper mit wohlriechenden Gewürzen ein. War sicher mehr als nötig! Außerdem wurden Unmengen an Gewürzen verbrannt, damit es "durch den Rauch" duftet: "per fumum". Daran erinnert noch heute unser Parfüm.

Nicht nur der Handel, auch Kreuzzüge und Eroberungskriege brachten scharfe, aromatische und intensiv schmeckende Gewürze an Heidis heimischen Herd ? allerdings konnten sich das wieder nur die Reichen leisten. Ein Pfund Safran kostete so viel wie ein Pferd (ist heute noch eines der teuersten Gewürze), eine Handvoll Muskatnüsse wog drei Schafe auf. Scharf gewürzte Speisen machen mächtig Durst ? und so hat vermutlich das Brauereigewerbe seinen Aufstieg dem Gewürzverbrauch in Europa zu verdanken.

Echte Könner im Würzen waren die Mönche im Mittelalter, wuchsen doch gar viele gute Kräutlein in ihren großen Klostergärten. Mönche schätzten gute Kost ? irgendwie mussten ja die strengen Fastenzeiten ausgeglichen werden. Wenn wir auch heute keine Salate mehr aus der essbaren Wurzel der Glockenblume zaubern - Löwenzahn oder Sauerampfer haben schon vor geraumer Zeit ihre Renaissance erfahren. Und wer von uns weiß nicht, dass Pfefferminztee bei Magenverstimmung hilft und Fencheltee beruhigt? Das dürfte Grundwissen sein.

Aber Gewürzkräuter können viel, viel mehr: Pfefferminzöl tut müden Füßen gut und "versorgt" sie mit angenehmem Duft (Denken Sie an die römischen Legionäre!). Gemischt mit Mandelöl schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Füße riechen gut, und die Haut wird weich. Thymiantee hilft gegen Husten, Löwenzahntee baut Blähungen ab. Lavendel ist gut fürs Damen-Schaumbad und Dill-Absud als Aftershave ist billiger als Hugo Boss. Spülungen mit Kamillenblüten machen blondes (natürlich nur naturblondes) Haar noch leuchtender, und eine Rosmarin-Kur wirkt fettigem Haar entgegen. Auch Verbenen und Petersilie sind gut für Haar und Kopfhaut, beide regen die Durchblutung an.

Sogar ein Pilz zählt zu den Gewürzen: Den Mousseron, auch Knoblauchschwindling genannt, findet man allerdings nur mit viel Glück. Zu den fast vergessenen Gewürzpflanzen zählen Tripmadam und Pimpinelle, sie sind heutzutage wohl eher Gegenstand in Quizrunden.

Aber kehren wir zum Essen zurück. Eines der beliebtesten Gewürze - auch in unseren Breiten - ist Curry. Man denke nur an die Curry-Wurst, nach der es zum Beispiel hier in Berlin an fast jeder Straßenecke riecht.

Doch Curry wächst nirgendwo. Es gibt weder einen Curry-Baum noch eine Curry-Wurzel. Curry ist ein Phantasie-Gewürz, eine segensreiche Erfindung indischer Köche. Es gibt kein Standardrezept für eine Curry-Mischung, alles hängt von Geschmack, Verwendungszweck und Einfallsreichtum ab. Bis zu 30 Zutaten kann ein Curry durchaus haben: Pfeffer, Chili, Kardamom, Zimt, Nelken, Muskat, Lorbeer, Piment, Koriander, Ingwer, Kreuzkümmel, Koriander, Bockshornklee, Kurkuma - Kurkuma, auch Gelbwurz genannt, dürfte in jedem Curry sein. Es verleiht dem Gewürz die satte gelb-braune Farbe.

Curry-Gewürz passt zu Fleisch, Fisch, Gemüse, Salaten und Suppen, Käse und Reis. Man sollte vorsichtig damit umgehen, damit die Speise nicht überwürzt wird. Einen leckeren Ausblick auf den kommenden Sommer gibt uns die heutige Zucchini-Curry-Suppe:

Zutaten für 4 Personen:

1 kg kleine Zucchini
350 g Kartoffeln
1 mittelgroße Zwiebel, gewürfelt
1 Zehe Knoblauch, fein gehackt oder gepresst
2 EL Currypulver
1 EL Butter
3 EL Olivenöl
1 l Gemüse- oder Hühner-Brühe
Salz, Pfeffer
Croutons

Zubereitung:

Zucchini säubern, Enden abschneiden und längs halbieren. In 1 cm dicke Scheiben schneiden. Kartoffeln schälen und in kleine Würfel schneiden. Öl und Butter in einem großen Topf erhitzen, Zwiebel, Knoblauch und Curry hinzugeben und unter Rühren anbraten. Nicht dunkel werden lassen!

Kartoffelwürfel und Brühe hinzufügen. Alles mit Salz und frisch gemahlenem Pfeffer abschmecken und eine Viertelstunde leicht kochen lassen. Dann die Zucchini-Scheiben zufügen und wiederum eine Viertelstunde köcheln lassen.

Vom Herd nehmen und mit dem Mixstab alles pürieren. Vor dem Servieren auf jeden Teller in die Mitte der Suppe eine Handvoll Croutons geben.

Für die Croutons von 4 Scheiben Weißbrot (am besten in Kastenform oder Toastbrot) die Rinde abschneiden und in 1 cm große Würfel schneiden. In heißem Öl in der Pfanne von allen Seiten bräunen. In einer Schüssel 1 TL Curry, je eine Prise Pfeffer, Muskat und Kardamom verrühren und alles unter die Croutons in der Pfanne rühren. Die Pfanne vom Herd nehmen, Croutons auf Küchenkrepp trocknen lassen.

Guten Appetit wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de