Kino

Was für ein "Inferno" Als wäre Tom Hanks James Bond

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Ständig auf der Suche - und auf der Flucht: Robert Langdon (Tom Hanks) und Sienna Brooks (Felicity Jones) in "Inferno".

(Foto: Sony Pictures Releasing GmbH)

Was man als "Symbologe" nicht so alles erlebt: Nach der Suche nach dem Heiligen Gral und dem Kampf gegen die Illuminaten muss Robert Langdon jetzt nur mal kurz die Welt retten. Mit anderen Worten: Es gibt eine neue Dan-Brown-Verfilmung.

Dass manche Figuren in Filmen und Geschichten scheinbar an einem 08/15-Tag mehr erleben als der Normalbürger in seinem ganzen Leben, wissen wir spätestens seit den Fünf Freunden und den Drei Fragezeichen. Auch Harvard-Professor Robert Langdon - aus der Feder von Bestsellerautor Dan Brown - reiht sich in die Riege der Fantasiegestalten ein, die anscheinend nahezu tagtäglich in ein neues Abenteuer stolpern. Das bringt wohl der Beruf als "Symbologe" einfach so mit sich.

So bekam es Langdon in "The Da Vinci Code - Sakrileg" bereits mit den Hardcore-Katholiken vom Opus Dei ebenso zu tun wie mit der ominösen Bruderschaft Prieuré de Sion. Von der Suche nach dem Heiligen Gral mal ganz zu schweigen. In "Illuminati" tauchte er nicht nur in die Welt des berühmt-berüchtigten Geheimbunds der Illuminaten ab, er jagte auch der ersten jemals erzeugten Antimaterie hinterher. Und in "Das verlorene Symbol" kam er doch glatt mit den Freimaurer-Mythen ins Gehege. Das allerdings bislang nur auf dem Papier - Browns dritter Mystery-Roman um Pfiffikus Langdon wurde bislang noch nicht auf die Leinwand gebracht. Man habe noch keinen passenden Zugang dafür gefunden, begründet dies Regisseur Ron Howard.

Das typische Verwirrspiel

Stattdessen kommt nun die vierte Langdon-Erzählung als drittes ins Kino: "Inferno". Nicht nur Howard nahm wie schon bei den beiden ersten Streifen wieder im Regiestuhl Platz, auch Tom Hanks schlüpfte für den Film zum dritten Mal in die Rolle des Harvard-Professors. Und natürlich widerfährt Langdon auch diesmal schier Unglaubliches. Das fängt schon nach seinem Erwachen in einem Krankenhaus in Florenz an.

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Schließlich kann er sich an nichts erinnern. Nicht daran, weshalb er sich überhaupt in Florenz befindet. Nicht daran, weshalb er eine Kopfwunde hat. Nicht daran, wie er ins Krankenbett gelangt ist. Klar scheint nur: Es trachtet ihm jemand nach dem Leben. Gut, dass ihm Ärztin Sienna Brooks (Felicity Jones) zur Seite steht und erst einmal zur Flucht verhilft.

Was folgt, ist das typische Verwirrspiel der Marke Dan Brown um mythologisch aufgeladene Reliquien, Gemälde, Schriften und Artefakte. Von der Totenmaske des Mittelalterdichters Dante Alighieri über dessen "Göttliche Komödie" bis hin zur Zeichnung, mit der der Renaissancemaler Sandro Botticelli Dantes Vorstellung von der Hölle dereinst illustrierte - all das sind Puzzleteile, die zur Lösung eines großen Rätsels beitragen sollen. Und dringend müssen. Schließlich führen die Antworten auf all die Fragen zu einem Behälter mit einem tödlichen Virus, der alsbald die halbe Menschheit ausrotten könnte. Das jedenfalls hat sich der selbsternannte Visionär Bertrand Zobrist (Ben Foster) zum Ziel gesetzt, um so der Überbevölkerung der Welt entgegenzutreten.

Ein Hauch 007

Doch "Inferno" wartet auch darüber hinaus mit jeder Menge Irrungen, Wirrungen und überraschenden Wendungen auf. Wer ist gut und wer ist böse? Auch dieses Rätsel gilt es für Langdon zu knacken, während sich Christoph Bruder (Omar Sy) und Elizabeth Sinskey (Sidse Babett Knudsen) von der Weltgesundheitsorganisation an seine Fersen geheftet haben und sein Gedächtnis nur allmählich widerkehrt.

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Autor Dan Brown sah auch mal am Set vorbei.

(Foto: Sony Pictures Releasing GmbH)

Mit "Inferno" stößt die Reihe der Dan-Brown-Verfilmungen ins Feld der Action-Film-Serien à la "Mission Impossible", "Jason Bourne" oder "Stirb langsam" vor. Beinahe weht durch den Streifen mit seinen zahlreichen verschiedenen Schauplätzen, dem Oberbösen und keiner geringeren Mission, als mal eben nur die Welt zu retten, ein Hauch "James Bond". Dass sich der mittlerweile 60-jährige Hanks noch für die Rolle des Geheimagenten im Dienste Ihrer Majestät bewerben will, ist allerdings unwahrscheinlich. Eher wäre der Film eine Bond-Girl-Referenz für die unter anderem aus "The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro" bekannte Jones oder ein 007-Türöffner für den als Pfleger Driss in "Ziemlich beste Freunde" weltberühmt gewordenen Sy - in welcher Rolle auch immer.

Blockbuster trotz Genörgel

Doch erst einmal müssen Hanks und Co durch das Genörgel unzufriedener Zuschauer, von denen es bei "Inferno" wie schon bei "The Da Vinci Code - Sakrileg" und "Illuminati" ganz sicher wieder zwei Gruppen geben wird. Zum einen die Roman-Puristen - der Film weicht teilweise deutlich von der literarischen Vorlage ab. Zum anderen die professionellen Kritiker. Die ließen vielfach schon an den ersten beiden Brown-Verfilmungen kein gutes Haar. Und wer sich an einigen Logik-Lücken, manchem Holpern in der Handlung und gelegentlichen Schwierigkeiten, all die Geschichtsbezüge auf die Schnelle in Gänze zu erfassen, aufhängt, wird auch an "Inferno" viel zu meckern haben.

Das Kinopublikum indes ließ sich in der Vergangenheit davon nicht beirren - "The Da Vinci Code - Sakrileg" und "Illuminati" waren riesige Blockbuster. Und tatsächlich: Wer das Geschehen auf der Leinwand nicht allzu sehr hinterfragt und Browns Verschwörungsgespinste nicht über die Gebühr ernst nimmt, wird sich am Ende auch bei "Inferno" gut unterhalten fühlen. Erst recht, da der Streifen bei der Inszenierung im Vergleich zu seinen beiden Vorgängern nochmal einen ordentlichen Gang zulegt. Und noch eine gute Nachricht gibt es: Die Kirche, die sich über die angeblichen Geschichtsklitterungen in den bisherigen Brown-Streifen kräftig echauffierte, wird diesmal kaum etwas auszusetzen haben. Schließlich geht es diesmal im Kern nicht um den Gral, Opus Dei oder den Vatikan, sondern um ein ganz und gar irdisches Thema: Terror und die Rettung der Welt vor ihm.

"Inferno" läuft ab dem 13. Oktober in den deutschen Kinos

Quelle: ntv.de