Kino

"Iron Man 3" ist ein Highlight des Superhelden-Kinos Anzüge machen keine Menschen

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Ein Mann und sein Anzug: Tony Stark hadert mit seiner Rolle als "Iron Man".

(Foto: TM & © 2013 Marvel & Subs.)

Armer Iron Man: Die Freundin will mehr Aufmerksamkeit und die Bösewichter stänkern. Da kommt es ganz gelegen, wenn man mal richtig auf die Fresse kriegt. "Iron Man 3" ist fulminantes Kino, weil der Mensch hinter der Maske gezeigt wird.

Laut Bertolt Brecht kommen nach den Mühen der Gebirge die Mühen der Ebenen. Was also tun, wenn man gerade noch die Menschheit vor der Invasion von Außerirdischen gerettet hat und nun zu Hause sitzt, im Alltagstrott gefangen? Was anstellen, wenn die überwältigenden Bilder von der Weltenrettung noch durch den Kopf schwirren, aber die Freundin nach mehr Aufmerksamkeit verlangt?

Was ist da los bei "Iron Man", der in (schlechtem) 3D in sein drittes  Soloabenteuer startet? Da sitzt der Mann hinter dem Helden, To ny Stark (Robert Downey Jr.), in seinem Labor und bastelt an neuen Versionen seines Anzugs. Er hadert mit seinem Schicksal: Für Stark, den Playboy und reichen Erben eines Rüstungskonzerns, sind seine Heldentaten ja immer auch ein Egotrip, ein hedonistisches Vergnügen. Und dann traf er in "The Avengers", der im vergangenen Jahr den Kinosommer beherrschte, auf andere Superhelden, auf Thor und Hulk, Black Widow und Captain America. Nun hat er Probleme, die Ereignisse zu verarbeiten. Hinzu kommt, dass inzwischen alle Welt weiß, wer sich hinter "Iron Man" versteckt.

Ins Herz getroffen

Tony Stark geht es also schlecht, er schottet sich ab. Was um ihn herum passiert, interessiert ihn herzlich wenig. Das gilt sowohl für seine Freundin Pepper Pots (Gwyneth Paltrow) als auch für die mysteriösen Anschläge, die der Terrorist Mandarin (herrlich skurril: Ben Kingsley) erst im Nahen Osten, dann in den USA verübt. Erst als sein Leibwächter und Freund Happy Hogan (Jon Favreau) bei einem dieser Attentate schwer verletzt wird, reagiert Stark: Er fordert den Mandarin heraus.

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Der Mandarin scheint ein ganz gerissener Bursche zu sein.

(Foto: TM & © 2013 Marvel & Subs.)

Das ist die andere Seite der Medaille: Für Superhelden gibt es keine Ebenen. Da sind nur Berge. "Iron Man 3", der dritte Teil des Franchise und der vierte mit Robert Downey Jr. als Tony Stark, ist nun zu einem großen Gipfel geworden, einem Highlight des Superhelden-Kinos. Sowohl was den Spaßfaktor des Films betrifft, als auch was die Auseinandersetzung von Tony Stark mit seinem Alter Ego angeht.

Denn der Mandarin, diese Gestalt im Look von Osama bin Laden, reagiert tatsächlich auf Starks Herausforderung. Dessen Haus und Laboratorium werden in Schutt und Asche gebombt. Der Held ist getroffen - mitten im Zentrum seines Superheldenuniversums, mitten ins Herz. Selten waren die "Iron Man"-Filme besser als in dem Moment, in dem das Haus von Tony Stark zur Zielscheibe geworden ist und der sonst so süffisante Erfinder so viel verliert. Er muss von vorn anfangen. Der Gipfel wartet.

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Undurchschaubar ist der Geschäftsmann Aldrich Killian.

(Foto: TM & © 2013 Marvel & Subs.)

Sturz und Wiederauferstehung sind ein altes Sujet, auch im Genre der Comic-Superhelden. Das war zuletzt in "The Dark Knight Rises" zu sehen, dem Abschluss von Christopher Nolans grandioser "Batman"-Trilogie. Parallelen zum dritten "Iron Man"-Film sind durchaus vorhanden. Da wäre natürlich die Schwäche des Superhelden, der sich wieder nach vorn arbeiten muss. Da wäre Batmans Gehilfe Robin, der irgendwie eine Entsprechung findet in Colonel James Rhodes (Don Cheadle), der als "Iron Patriot" hier wieder den Sidekick des Helden abliefert. Und da wäre ein Gegner, der nicht mit offenem Visier kämpft. Bei "Iron Man" erscheint er in Gestalt von Aldrich Killian (großartig: Guy Pearce), der statt Ra’s al Ghuls "Gesellschaft der Schatten" genmanipulierte Kämpfer ins Rennen schickt.

Zurück zu den Wurzeln

Marvels Cinematic Universe

Mit "Iron Man 3" beginnt die zweite Phase der von Marvel produzierten Comicverfilmungen um die "Avengers", die unter dem Sammelbegriff "Marvel Cinematic Universe" laufen. Es folgen "Thor - The Dark Kingdom", der im Herbst 2013 startet, "Captain America 2" und die erste Verfilmung von "Guardians of the Galaxy" im Jahr 2014 sowie 2015 als Abschluss "Avengers 2". Der erste Film der dritten Phase ist auch schon angekündigt: "Ant-Man" soll im Herbst 2015 starten.

"Iron Man 3" erfindet das Superhelden-Rad also nicht ganz neu. Und doch überzeugt diese Version des Neuanfangs. Dieser bezieht sich ja auch nicht nur auf Tony Stark. Auch die Regie erlebt einen Wechsel. Statt Jon Favreau, der die beiden ersten Teile zu veritablen Blockbustern machte, übernahm diesmal Shane Black ("Kiss Kiss Bang Bang") das Ruder und schrieb zusammen mit Drew Pearce auch das Drehbuch. Blacks Aufgabe war es, mit dem Film sowohl an den zweiten Teil der "Iron Man"-Reihe anzuknüpfen als auch an den später erschienenen Film "The Avengers". Dank geschickt gesetzter Anspielungen gelingt beides, ohne dass der Zuschauer, der die früheren Filme nicht kennt, in Verwirrung gestürzt wird.

Die Story von "Iron Man 3" verbindet wiederum zwei Handlungsstränge aus dem Comic-Universum des Helden. Einerseits wird der Gegenspieler "Mandarin", der erstmals 1964 erschien, reaktiviert. Andererseits dient die sechsteilige Iron-Man-Geschichte "Extremis" von 2005/06 als Grundlage. Sie thematisiert die biologische Stärkung von Menschen mittels Genmanipulation. Es entstehen Menschen, die innerlich glühen und im Extremfall explodieren. Stark ist daran nicht ganz unschuldig - auch er hatte sich einst an der Entwicklung beteiligt. "Wir erschaffen unsere eigenen Dämonen", sagt er an einer Stelle. Das trifft nun für beide Seiten zu: Wo "Iron Man" auf Technisierung und Computer setzt, ist es hier die Decodierung der DNA, die Superkräfte verleihen soll. Hochtechnisierte Anzüge gegen biologische Manipulationen - immerhin zwei vieldiskutierte Aspekte moderner Kriegsführung - treten gegeneinander an.

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Zurück zu den Wurzeln. Mehr als eine Werkstatt braucht Tony Stark ja nicht, um die Welt zu retten.

(Foto: TM & © 2013 Marvel & Subs.)

Ausgerechnet in diesem übermenschlichen Zweikampf besticht "Iron Man 3" dadurch, dass er seinen Helden zurück zu den Wurzeln führt. "Iron Man" tritt als Figur in den Hintergrund, Tony Stark, der Mann hinter der Maske, erhält wieder mehr Raum. Der Film thematisiert die Bürde des Anzugs, die Bürde des Superhelden, der in der Öffentlichkeit steht. Tony Stark kann nicht mehr ohne seine Anzüge, sie werden für ihn zu einer Droge, die Macht und Kraft verleiht. Erst in der Niederlage findet Tony Stark wieder zu sich selbst zurück, er wird vom Übermenschen wieder zum Menschen. Erst dann kann er sich jenen Gegnern stellen, für die es aufgrund ihrer veränderten DNA dieses Zurück nicht geben kann.

Da kämpfen Menschen

Das Hadern mit den Anzügen zeigt sich natürlich auch in den Action-Szenen: Die Rüstungen müssen allerhand aushalten. Sie werden durch Mauern geschleudert, mit Stahlträgern und anderen harten Materialien konfrontiert und sonstigen Belastungsproben ausgesetzt. So explosiv die Action von "Iron Man 3" immer wieder ist - ihre größten Momente hat sie, wenn Anzug und Träger auseinandergerissen werden, wenn Tony Stark aus seiner Hülle tritt, sie nicht als Teil seines Selbst begreift, sondern als Hilfsmittel. Statt hochgerüsteter Technik-Monster stehen sich wieder menschliche Wesen gegenüber - und gehen sich wortwörtlich an die Kehlen. Dem Film tut das sehr gut.

Dass der Film dabei seinen Witz nicht verliert, liegt natürlich am Hauptdarsteller. Wie schon in den vorangegangenen Filmen füllt auch diesmal Robert Downey Jr. die charmant-protzige Figur des Tony Stark gekonnt mit Leben. Schade, dass sich vor allem im viel zu lang geratenen ersten Teil des Films viele Witze als Rohrkrepierer erweisen und zu oft auf unnötigen Slapstick gesetzt wird. Erst spät nimmt der Streifen an Fahrt auf. Dann aber zünden auch wieder die Gags. Das gilt vor allem für die Szenen mit dem jungen Helfer, den er in seiner schwärzesten Stunde trifft, aber auch für sein Hadern mit der Anzugtechnik und die Gespräche mit seinem Superhirn Jarvis.

Enttäuschend ist dagegen die 3D-Technik des Films. Die Tricks wirken viel zu oft unausgereift, teils arg verschwommen. Man wird das Gefühl nicht los, dass hier auf einer Welle mitgeschwommen wird, ohne dass die Technik auch dramaturgisch zu ihrem Recht kommt. Das ist die große Enttäuschung dieses Films. Denn ansonsten ist "Iron Man 3" eine sehr gelungene Fortsetzung der Reihe, die - so bizarr das bei einem Superheldenfilm klingt - ausgerechnet mit Menschlichkeit punktet. Auch das hat der Film letztlich mit "The Dark Knight Rises" gemein. Ob auch hier der dritte Teil der Reihe einen Abschluss bildet, muss man allerdings abwarten. Fest steht: Tony Starks Kollegen aus Marvels Cinematic Universe (siehe Box), seine Mitstreiter aus "The Avengers" müssen ordentlich zulegen, wenn sie dem Mann mit dem Anzug künftig das Wasser reichen wollen.

"Iron Man 3" startet am 1. Mai in 3D und 2D in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de