Kino

Ein Film wie aus Mordor Auch Peter Jackson rettet "Mortal Engines" nicht

"Von den Machern von 'Der Herr der Ringe' und 'Der Hobbit'", lautet die Werbung auf dem Kinoplakat zu "Mortal Engines: Krieg der Städte". Doch lassen Sie sich nicht täuschen. Die Filme haben ungefähr so viel gemein wie Mordor mit dem Auenland.

Nun gut, ein bisschen "Der Herr der Ringe"-Feeling kommt auf, als Amazone Hester Shaw (Hera Hilmar) mit ihrem Kumpel wider Willen Tom Natsworthy (Robert Sheehan) durch den Morast wandert. Mit viel Fantasie kann man sich dabei vielleicht an den Marsch Frodos und seiner Hobbit-Freunde durch Mittelerde erinnert fühlen.

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Ansonsten jedoch mutet "Mortal Engines: Krieg der Städte" eher wie eine Melange aus ganz viel "Mad Max", ein bisschen "Terminator" und ein klein wenig "Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten" an. Und das klingt nicht nur seltsam. Das ist es auch.

Genau genommen müsste allerdings von den "tollkühnen Frauen" die Rede sein. Denn der Streifen liegt mit seinen beiden weiblichen Hauptfiguren Hester Shaw und Anna Fang (Jihae), die den Laden im Wesentlichen zu Lande und in der Luft rocken, voll im Trend. Den Männern bleibt da nur die Rolle des Bösewichts wie Thaddeus Valentine (Hugo Weaving) oder des etwas trotteligen Antihelden wie Tom Natsworthy.

"Steampunk" von Philip Reeve

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Philip Reeve aus dem Jahr 2001. "Steampunk" nennt man das Genre, in dem historische Anmutung auf moderne Technik trifft. Wie das auf der Leinwand aussehen kann, hat zum Beispiel "Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen" vor 15 Jahren schon einmal vorgemacht.

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Zwei Heldinnen und ein Antiheld: Hester Shaw (Hera Hilmar), Anna Fang (Jihae) und Tom Natsworthy (Robert Sheehan, v.r.).

(Foto: Universal Pictures and MRC)

In "Mortal Engines" raufen sich jedoch keine Literaturhelden zusammen - es bekriegen sich Städte. Oder eben das, was in einer fernen Zukunft von ihnen übrig geblieben ist. Würde die deutsche Ruhrmetropole im Mittelpunkt der Handlung stehen, bekäme - Achtung, Kalauer! - der Terminus "Essen auf Rädern" eine ganz neue Bedeutung. Doch in der Geschichte des Briten Reeve bildet selbstredend London die Vorhut im Krieg der Städte, die sich von ihrer territorialen Verankerung befreit haben und auf der ständigen Jagd nach Beute und Ressourcen mittlerweile durch die Gegend cruisen.

Kampf um "Medusa"

Das klingt nicht nur seltsam, das ist es auch. Zumal im Zentrum der Erzählung von "Mortal Engines" eigentlich weniger der große Konflikt der Mächte als der persönliche Kleinkrieg von Hester Shaw mit Thaddeus Valentine steht. Der hatte einst im Streit um den Fund einer Waffe ihre Mutter getötet. Nicht irgendeine Waffe, sondern die, die der Welt ihren postapokalyptischen Zustand Jahre zuvor erst eingebrockt hatte: "Medusa", quasi die Mutter aller Massenvernichtungswerkzeuge, mit der sich die Staaten in einem "60-Minuten-Krieg" zerlegten.

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Der Terminator? Nein, Shrike.

(Foto: Universal Pictures and MRC)

Im erneuten Kampf um die Macht auf dem Planeten will Valentine die Waffe nun reaktivieren. Doch nicht nur Shaw stellt sich ihm dabei in den Weg, auch Natsworthy und Fang werden alsbald lästig. Um sich seiner Widersacher zu entledigen, setzt Valentine die Mensch-Maschine Shrike (Stephen Lang) auf sie an. Wird das Böse siegen? Oder gelingt es Shaw und ihren Mitstreitern, Valentine zu stoppen?

Materialschlacht-Kino par excellence

Das Drehbuch zu "Mortal Engines" lieferte tatsächlich kein Geringerer als "Der Herr der Ringe"- und "Der Hobbit"-Regisseur Peter Jackson, zusammen mit Philippa Boyens und Fran Walsh, mit denen er auch bei den Tolkien-Verfilmungen schon zusammengearbeitet hatte. Auch als Produzent stieg Jackson in die Bütt. Mit Hugo Weaving, der in der "Der Herr der Ringe"-Trilogie den Halbelb Elrond verkörperte, ist auch eine Hauptrolle mit einem Ex-Bewohner der Mittelerde besetzt. Regie wiederum führte Christian Rivers, ein Uralt-Kumpel von Jackson und dessen bisheriger Spezialist für visuelle Effekte.

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Ach, du Schreck! Die Städte sind los!

(Foto: Universal Pictures and MRC)

Rivers lässt bei seinem Spielfilm-Regiedebüt dann auch keine Zweifel daran, was er besonders gut kann. "Mortal Engines" ist Materialschlacht-Kino par excellence. Man weiß manchmal gar nicht mehr, wo man hinschauen soll angesichts der computergenerierten Opulenz, die einem von der Leinwand entgegenschlägt.

Oscar statt Blumentopf?

Das war es dann aber auch, womit der Film punkten kann. Ansonsten ist "Mortal Engines" eine Aneinanderreihung von Schwächen. Die Charaktere bleiben völlig unterbelichtet, die Dialoge schrammeln ein ums andere Mal an der Peinlichkeit vorbei, die holprige Handlung sorgt mehr als nur einmal für Kopfschütteln. Mit einem Effektgewitter allein gewinnt man jedoch noch keinen Blumentopf - allenfalls einen Oscar. Denn just für seine Effekte schaffte es der Streifen tatsächlich bereits in die Vorauswahl der Academy Awards.

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Erkannt? Hugo Weaving spielte in "Der Herr der Ringe" den Halbelb Elrond.

(Foto: Universal Pictures and MRC)

"Ich werde bis zum Lebensende nie wieder mit einem Film so erfolgreich sein", sagte Peter Jackson vor Kurzem in einem Interview. Gemeint hat er damit "Der Herr der Ringe". Jackson mag damit recht haben. Dass er jedoch nun mit "Mortal Engines" für einen Film mit verantwortlich zeichnet, der wie eine Geburt aus Mordor anmutet, klingt nicht nur seltsam. Das ist es auch.

"Mortal Engines: Krieg der Städte" läuft ab sofort in den deutschen Kinos

Quelle: n-tv.de