Kino

Der Mann für jede Nebenrolle Christopher Walken wird 70

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Den Oscar bekam Walken 1979 für seine Rolle in "The Deer Hunter".

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Christopher Walken ist Hollywoods großer Mann für Nebenrollen. Als gebrochener Vietnam-Veteran oder als Bösewicht mit Pokerface wirkt er beängstigend. Nun wird er 70 - aber natürlich dreht der Oscarpreisträger weiter Filme.

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2004 verewigt Walken seine Handabdrücke in Hollywood.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Typisch Christopher Walken: Wieder sind eine Mengen Leichen und Blut im Spiel, als er im vorigen Dezember in der schwarzen Komödie "7 Psychos" als Ex-Mörder Hans in die Kinos kam. Wieder lief der bleiche Star mit der tiefen, kratzigen Stimme und den komisch zurückgekämmten Haaren in einer skurrilen Nebenrolle zur Höchstform auf. An der Seite von Colin Farrell spielt er einen ergrauten Gangster, der Schoßhunde entführt und dann als netter Finder von den ahnungslosen Besitzern eine Belohnung kassiert. Walken, der nun 70 Jahre alt wird, hat eine Spezialität: Bösewichte, durchgeknallte Typen und gestrauchelte Charaktere.

Es war eine Nebenrolle als seelisch ruinierter Vietnam-Soldat in Michael Ciminos Kriegsepos "The Deer Hunter" ("Die durch die Hölle gehen"), die ihm 1979 den Oscar als bester Nebendarsteller einbrachte. 2003 gab es eine weitere Nominierung. In Steven Spielbergs nostalgischer Gaunerkomödie "Catch Me If You Can" spielt er hinreißend den gebeutelten Vater des Hochstaplers Frank Abagnale (Leonardo DiCaprio).

Hundert Filme, hundert Mal Theater

Als Nebendarsteller ist Walken unermüdlich. Über hundert Filme hat er abgedreht, in etwa gleich vielen Theaterstücken stand er auf der Bühne. Die Liebe zur Schauspielerei hatte der Sohn eines aus Deutschland eingewanderten Bäckers in New York früh entdeckt. Die Mutter schickte ihre drei Jungen, Ronald (wie Christopher damals noch hieß), Ken und Glenn, früh in die Tanzschule und suchte ihnen Kinder-Jobs bei TV und Theater. Nach einem Auftritt in dem 50er-Jahre-Knüller "The Colgate Comedy Hour" mit Dean Martin und Jerry Lewis stand der Beruf für Walken fest.

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Auch in "Pulp Fiction" von Quentin Tarantino (l.) hat Walken einen kiruzen Auftritt.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Fast zehn Jahre arbeitete er erfolgreich am Theater. 1971 gab er sein Filmdebüt mit einer kleinen Rolle an der Seite von Sean Connery in Sidney Lumets Thriller "Der Anderson-Clan". Aufmerksamkeit fand dann bereits seine Darstellung des selbstmordgefährdeten Bruders von Diane Keaton in Woody Allens "Stadtneurotiker", bis der Oscar für "The Deer Hunter" den Welterfolg brachte.

Er war der Bösewicht in "James Bond 007 - Im Angesicht des Todes" (1985), ein Drogen-Mafioso in "King of New York" (1990), ein korrupter Millionär in "Batman Returns" (1992), ein Vietnam-Veteran in "Pulp Fiction" (1994). Aber Walken kann auch anders. In der Filmkomödie "America's Sweethearts" (2001) spielte er an der Seite von Julia Roberts einen exzentrischen Hollywoodregisseur, in "Die Hochzeits-Crasher" (2005) einen gestressten Brautvater, in dem Filmmusical "Hairspray" glänzte er zwei Jahre später als Ehemann von John Travolta in Frauenkleidern.

Zeuge einer Tragödie

Im Mai kommt er wieder in einer ernsten Rolle in die deutschen Kinos. In dem Independent-Drama "Saiten des Lebens" um Freundschaft und Rivalität in einem Streichquartett spielt Walken einen an Parkinson erkrankten Cellisten.

Vom Hollywood-Trubel hält sich Walken fern. Der seit über 40 Jahren mit einer Casting-Direktorin verheiratete Star lebt auf dem Land im US-Staat Connecticut, nordöstlich von New York.

Allerdings war Walken auch in eine der großen Tragödien der Traumfabrik verwickelt. 1981 drehte er mit Natalie Wood den Film "Brainstorm". Kurz vor Ende der Dreharbeiten wurde er von Wood und deren Ehemann Robert Wagner zu einem Bootsausflug vor Los Angeles eingeladen. In der Nacht stürzte die 43-jährige Schauspielerin ins Wasser und ertrank. Die genauen Umstände wurden nie aufgeklärt.

Quelle: n-tv.de, Barbara Munker, dpa

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