Kino

"Inception" made in Russia "Coma" passt nicht in diese Welt

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Wenn die Reaper angreifen, muss jeder Schuss sitzen.

(Foto: Capelight)

Die Welt, in der wir leben, ist real. Aber was passiert, wenn ein Mensch im Koma liegt? Geht sein Geist durch eine Geheimtür in eine andere Welt? Eine bessere, schönere, lohnenswertere Welt? Der russische Genremix "Coma" hat diese Geheimtür gefunden.

Stell dir vor, du wachst auf und all deine Probleme sind auf einen Schlag nicht mehr vorhanden. Sie sind weg. Zack. Du kannst noch einmal von vorn anfangen, ein neues Leben leben, ein anderes, ein besseres. Viktor (Rinal Muchametow) passiert genau das: Er wird wach - kann sich an nichts erinnern, nicht einmal an seinen Namen - und befindet sich in einer anderen Welt. Sie bewegt sich. Die Häuser, die Straßen - menschenleer. Er stolpert verwirrt umher, blickt in den Himmel, der auch nicht von dieser Welt zu sein scheint. Dann taucht es auf, schwarz, amorph, ständig in Bewegung - und greift ihn an.

Es peitschen Schüsse durch die Luft, ein paar Menschen in Kampfmontur feuern auf das "Ding". Dann eine Explosion. Die schwarze Kreatur ist verschwunden, zerstört. Ein Mann rennt an Viktor vorbei, gefolgt von einer Frau. Viktor soll mitkommen. Er stutzt - und gehorcht. Sie rennen, springen und betreten einen verlassenen und liegengebliebenen Bus. Danach ist wieder alles anders.

Plötzlich tauchen mehr Menschen auf. Sie nennen sich "Tank" oder "Phantom", "Spirit" oder "Fly" und scheinen auf Viktor gewartet zu haben. Ganz "Coma" scheint das zu tun, denn genau dort befindet er sich nun. In der Realität soll er einen schweren Autounfall gehabt haben und nun im Koma liegen. Deshalb befindet er sich nun in dieser anderen, dystopisch anmutenden Welt, die sich aus den Erinnerungen aller Koma-Patienten speist. Eine Parallelwelt zur Realität.

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Für den "Architekten" zeigt Coma völlig neue Perspektiven auf.

(Foto: Capelight)

"In Coma kannst du alles erreichen, was du möchtest. Das heißt aber nicht, dass du dafür nichts tun musst", sagt Yan (Aleksei Serebriakow), der der Anführer der Menschengruppe zu sein scheint, zu Viktor. Er erfährt, dass die sich materialisierenden schwarzen Wesen Reaper genannt werden. Sie existieren unter der Annahme, dass das Leben von Koma-Patienten künstlich verlängert wird. Aber es gibt einen Ort, wo die Reaper nicht existieren, eine geheimnisvolle Insel. Viktor, der sich im Schlaf an Bruchteile seines realen Lebens erinnert und bald wieder weiß, dass er dort Architekt ist, soll den Menschen in Coma diese Insel bauen. Er soll sie sich vorstellen und sie dann gottgleich erschaffen, ohne sich zu erinnern, denn dann finden die Reaper den Weg nicht.

Ergibt "Coma" einen Sinn?

Es klingt kompliziert, und "Coma" ist auch kein Film, den man im Vorbeigehen sehen kann, bei dem man sich in den Kinosessel fläzt und dann die Probleme des Tages wälzt, statt dem Plot zu folgen. Die Gedankensprünge im Film sind nicht ganz ohne, es ist Fantasie gefragt, eine Menge manchmal. Aber schaltet man als Zuschauer während der knapp 110 Minuten, die der Film dauert, sein Gehirn nicht auf Stand-by, liefert "Coma" eine Menge Fragen und damit prima Diskussionsstoff, für die Couch zu Hause genauso wie für den Stammtisch in der Eckkneipe.

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"Coma" startet am 6. Februar in deutschen Kinos.

(Foto: Capelight)

Was geschieht mit einem Menschen, wenn er ins Koma fällt? Kann er äußerliche Reize wahrnehmen? Das Streicheln der Hand, Musik, aufmunternde Worte? Die Antwort der heutigen medizinischen Forschung lautet: Ja. Das Warum und Wieso ist dagegen weiterhin unklar. Aber nur einmal angenommen, die Coma-Welt existiert und speist sich, ganz Schwarmintelligenz, aus den Erinnerungen aller Koma-Patienten weltweit - die Vorstellung wäre der helle Wahnsinn. Könnte man, wenn man sich in ein künstliches Koma versetzen lässt, Teil dieser Coma-Welt werden? Und dort dann jemand völlig anderer? Ein neues Leben beginnen, ohne vom alten je gewusst zu haben? Was, wenn es einen verrückten Wissenschaftler gibt, der selbst Gott spielen möchte? Oder einen Sektenführer mit diktatorischen Anwandlungen?

Diese Vorstellung ist schaurig und schön gleichermaßen. Doch all die Fragen reißt "Coma" nur an. Das reicht auch. Dieses Prinzip hat schon Christopher Nolans "Inception" zu einem Kultfilm gemacht und es wirkt auch bei "Coma". Der Film des Regisseurs Nikita Argunov erinnert aber nicht nur an den Hollywood-Kassenschlager mit Leonardo DiCaprio. Vielmehr ist "Coma" ein wilder und bildgewaltiger Genremix mit einer Menge Hitech-Action und sphärischen Soundteppichen. Argunov springt zwischen SciFi, Post-Apokalypse, Action, Psychothriller, Liebesschnulze und Drama hin und her. Den roten Faden liefert die Fantasie der Zuschauer. Ergibt das einen Sinn? Muss es nicht. Fang einfach an, es dir vorzustellen: Willkommen in "Coma"!

"Coma" startet am 6. Februar in deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de