Kino

Rooney Mara als Jesus-Groupie Das hat Maria Magdalena nicht verdient

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Bis heute rätselhaft: Maria Magdalena (Rooney Mara).

(Foto: Universal Pictures)

Maria Magdalena - diesen Namen umweht ein mystischer Hauch. Die Geschichte der Frau im Umfeld von Jesus im Kino zu erzählen, ist deshalb eine gute Idee. Doch was der schlicht "Maria Magdalena" betitelte Streifen daraus macht, ist enttäuschend.

Auf Maria Magdalena lastet ein Fluch. Der Fluch von Sandra. Denn zumindest wenn man einer gewissen Alterskohorte angehört, schießt einem unweigerlich diese eine Song-Textzeile in den Kopf: "I'll never be ... Maria Magdalena ... you're a creature of the night."

Aber natürlich war Maria Magdalena per se keine Kreatur der Nacht, sondern eine historische Figur. Eine, deren Geschichte einfach endlich mal erzählt werden muss, wie auf dem Filmplakat in großen Lettern zu lesen ist.

Auch wenn man nicht sonderlich bibelfest ist, weiß man ein bisschen was über Maria Magdalena - in erster Linie, dass man über sie so gut wie nichts weiß. Dementsprechend schießen die Spekulationen über die wahre Bedeutung der Frau im Umfeld von Jesus seit jeher ins Kraut. War sie eine weibliche Jüngerin? Die Geliebte des Heilands? Oder gar seine Ehefrau? Oder war sie tatsächlich eine "Sünderin" und Prostituierte, wie es ihr die Kirche später andichten sollte? Dafür gibt es keinen einzigen Beweis.

Die perfekte Spielwiese

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Neben Mara in der Titelrolle ist Joaquin Phoenix als Jesus zu sehen.

(Foto: Universal Pictures)

So ist die Geschichte von Maria aus Magdala vor allem eine, die endlich mal gut und gerne erzählt werden kann. Für Filmemacher wie Garth Davis, unter dessen Regie der schlicht "Maria Magdalena" betitelte Streifen nun entstanden ist, ist das Thema eigentlich die perfekte Spielwiese. Verankert in einem historischen Kontext bietet es nahezu jede Möglichkeit zu einer eigenen Interpretation - ob nachdenklich, anregend, fulminant oder sogar skandalös. Dazu bräuchte es jedoch wenigstens ein Minimum an Mut. Schließlich birgt das religiöse Sujet jede Menge Potenzial, die Gemüter zu erhitzen. Das belegte 2004 nicht zuletzt Mel Gibsons "Die Passion Christi".

Davis und seinem Ensemble - allen voran Rooney Mara als Maria Magdalena und Joaquin Phoenix als Jesus - geht jedoch jedweder Mut ab. So mäandert der Film rund zwei Stunden quälend vor sich hin, im offensichtlichen Bemühen, sich bloß nicht festzulegen und ja nirgends anzuecken. Um eine wirkliche Charakterisierung Maria Magdalenas wird sich stoisch gedrückt. Stattdessen verliert sich der Streifen in vagen Andeutungen, in denen seine Hauptfigur über weite Strecken auf die Anmutung eines Jesus-Groupies reduziert wird.

Oder besser: seine angebliche Hauptfigur. Denn in seinem ausgiebigen Mittelteil schrumpft "Maria Magdalena" auf nur eine weitere Erzählung der Jesus-Geschichte mit einem latent kauzigen Messias zusammen. Eine Erzählung in zweifellos schönen Bildern, die allein den Zuschauer jedoch kaum vor der Komplettermüdung bewahren können. Rooney Maras Aufgabe beschränkt sich in dieser Zeit im Wesentlichen darauf, hübsch in die Kamera zu blicken und im Sitzen, Liegen oder Stehen bestmöglich zu verzweifeln, zu weinen und zu wehklagen.

Ein hohles Versprechen

Lediglich zu Beginn des Films und ganz am Ende trauen sich Regisseur Davis und seine Mitstreiter einen intensiveren Blick auf die Person Maria Magdalenas zu. Das ist natürlich kein Zufall. Zwar kommt sie in allen vier Evangelien des Neuen Testaments vor, doch in drei der vier Schriften fällt Maria Magdalenas Name erst bei den Ereignissen rund um die Kreuzigung.

So sind ihre Herkunft aus Magdala, ihre angebliche Heilung von sieben Dämonen durch Jesus und ihre Rolle während dessen Tod und Auferstehung die einzigen Informationen, die die Evangelien über Maria Magdalena bereithalten. Alles Weitere, was man über sie womöglich noch zu wissen glaubt, steht in anderen, nichtbiblischen Schriften geschrieben.

Auf diese rekurrieren oder vielleicht sogar eine eigene Fantasie entwickeln wollten die Macher des Films aber nicht. Stattdessen klammern sie sich ausschließlich an der Bibel fest und verfahren nach dem Motto: Wo wir nichts wissen, können wir auch nichts berichten. Dann ist die Ankündigung "Ihre Geschichte muss erzählt werden" aber nur ein hohles Versprechen. Und dann kann man so einen Film auch einfach sein lassen, sich den Kopfhörer aufsetzen und Sandra hören. "I'll never be ... Maria Magdalena ...". Eine größere Zeitverschwendung ist das auch nicht.

"Maria Magdalena" läuft ab dem 15. März in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de