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Miranda Priestly ist zurück Der Teufel trägt wieder Prada - und menschelt

30.04.2026, 13:06 Uhr
imageVon Claudia Spitzkowski
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Meryl Streep (l.) und Anne Hathaway schlüpfen für "Der Teufel trägt Prada 2" erneut in die Rollen von Miranda Priestly und Andy Sachs. (Foto: Imago)

Mit "Der Teufel trägt Prada 2" kehren Meryl Streep und Anne Hathaway nach 20 Jahren als Miranda Priestly und Andy Sachs zurück ins Kino. Und das Timing für die heiß ersehnte Fortsetzung könnte nicht besser gewählt sein.

20 Jahre mussten Fans von "Der Teufel trägt Prada" auf einen zweiten Teil des Kultfilms warten. Dass die Freude über die Fortsetzung nun weltweit so groß ist, dürfte sicher auch daran liegen, dass der Originalfilm aus dem Jahr 2006 konsequent im kollektiven Gedächtnis geblieben ist. Er wurde zu einem Quell ikonischer Zitate - und spätestens in Zeiten von Instagram und Tiktok zu einem unerschöpflichen Meme-Generator. Die - und da zeigt sich die virale Kraft von "Der Teufel trägt Prada" - generationsübergreifend verstanden werden. Selbst Menschen, die 2006 noch zu jung für einen Kinobesuch waren, können heute erklären, warum "Cerulean Blue", also Coelinblau, keinesfalls einfach "nur irgendein Blau" ist. Oder, dass florale Muster auf Frühlingsoutfits zwar plausibel erscheinen mögen, aber nun wirklich nicht "groundbreaking" sind.

Bahnbrechend simpel hätte es hingegen sein können, nach dem riesigen Erfolg des ersten Filmes ganz fix eine Fortsetzung zu drehen. Glücklicherweise ist das nicht passiert und so kommt "Der Teufel trägt Prada 2" nun erst 20 Jahre später ins Kino. Und besser könnte das Timing nicht sein. Denn Miranda Priestlys (Meryl Streep) fiktives Fashion-Magazin "Runway" droht, ganz dem realen Zeitgeist entsprechend, ein Opfer der Digitalisierung zu werden. Wer kauft heutzutage noch Print? Eben. Dieser bitteren Wahrheit muss die "Runway"-Chefredakteurin ins Auge blicken - möchte selbiges aber am liebsten davor verschließen.

Auch Andrea "Andy" Sachs (Anne Hathaway), einst eine von Priestlys geknechteten Assistentinnen und ihre "größte Enttäuschung", ist inzwischen zwar eine erfolgreiche und sogar preisgekrönte Journalistin, fällt aber dem allgemeinen Personalabbau der Medienbranche zu Opfer. Von ihrer Kündigung erfahren sie und ihre Kollegen herzlos per Textnachricht. Fazit: Du kannst so gut in deinem Job sein, wie du willst, die Künstliche Intelligenz (KI) ist im Zweifel preiswerter als du. Und gespart wird an jedem Ende.

Und so kreuzen sich die Wege der gleichermaßen ikonischen wie gefürchteten "Runway"-Chefin und ihrer früheren Praktikantin an einem kritischen Zeitpunkt ihrer beider Karrieren erneut. Während Sachs schon lange kein rehäugiges Naivchen mehr ist, das ahnungslos durch die (Mode-)Welt stolpert, umgibt Priestly auch 2026 noch dieselbe Aura der Eiskönigin, die "Runway" mit harter Hand leitet und sich um politische Korrektheit nicht schert. Einzig ihren Mantel, den sie in Teil eins beim Betreten der Redaktion noch einfach der nächstbesten Assistentin auf den Schreibtisch schmetterte, hängt sie inzwischen selbst auf - nach Beschwerden von Mitarbeitern bei der Personalabteilung. Willkommen im Jahr 2026, in dem sich auch eine Miranda Priestly an einen Code of Conduct halten muss.

Dass die Sitten und Gebräuche in der Medien- und Modebranche Anfang der 2000er-Jahre noch anders waren, thematisierte damals eine gewisse Lauren Weisburger in ihrem biografisch angehauchten Roman "Der Teufel trägt Prada". Pikant: Die Autorin soll darin ihre Zeit als zweite Assistentin von Anna Wintour, Chefredakteurin der US-amerikanischen Ausgabe der "Vogue", verarbeitet haben. Ein gefundenes Fressen - nicht nur für Fashion-Fans. Bestätigt hat Weisberger das allerdings offiziell nie. Wintour nahm die vermeintliche literarische Abrechnung mit so viel Humor, dass sie nicht nur zur Filmpremiere kam, sondern dabei auch Prada trug. Touché! Vor dem Start von "Der Teufel trägt Prada 2" posierte Wintour nun gar gemeinsam mit Meryl Streep für die "Vogue".

Miranda Priestly am Scheideweg

Vielleicht sieht sie sich selbst aber auch gar nicht so schlecht dargestellt? Denn wie bereits im ersten Teil angedeutet, verbirgt sich hinter der harten Schale der Miranda Priestly ein ansatzweise weicher Kern. 20 Jahre später sogar mehr denn je. Sie zweifelt. Sie erkennt, dass die Zeit gegen sie und die Werte, an die sie glaubt, arbeitet. Sie fragt sich, ob sie den richtigen Moment verpasst hat, ihre Karriere zu beenden. Ob sie zu alt für den Job ist. Sie trauert dem privaten Glück nach, das sie für den beruflichen Erfolg geopfert hat. Leise, ganz leise, lässt die brillante Streep uns in den emotionalen Momenten des Films hinter die Fassade einer Frau blicken, die es zwar ganz nach oben geschafft hat, dafür aber hart kämpfen musste - und sich trotz aller Erfolge immer und immer wieder beweisen muss. Ein Dilemma, das die meisten berufstätigen Frauen leider nur zu gut kennen.

Doch kaum ist man kurz versucht, Miranda Menschlichkeit zu unterstellen, reißt Streep das Steuer schnell wieder herum und verwandelt sich durch ein genervtes Augenrollen oder ein spöttisches Verziehen des Mundes zurück in die Frau, die in Redaktionskonferenzen von "Body Negativity" spricht, weil kurvige Models über den Laufsteg laufen.

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Im teuflischen Rot und Schwarz bei der "Der Teufel trägt Prada 2"-Premiere in London: Meryl Streep, Anne Hathaway, Stanley Tucci und Emily Blunt. (v.l.n.r.) (Foto: IMAGO/Capital Pictures)

Anne Hathaway hat es in "Der Teufel trägt Prada 2" nicht leicht, gegen die Urgewalt Streep anzuspielen. Sie schlüpft zwar mit sichtlichem Spaß erneut in die Rolle der nun gestandenen Andy Sachs, doch wirkliche Ecken und Kanten kann sie ihrer Figur nicht mitgeben. Muss sie aber auch nicht. Sachs ist der perfekte Gegenpol zu Priestly, und Hathaway spielt sie mit viel komischem Talent, Charme und gutem Timing erneut als echte Sympathieträgerin. Die - entgegen der "Du hast keinerlei Sinn für Mode"-Prognose von Priestly aus Teil eins - nun auch modisch punkten kann. Der coelinblauen Pullunder, den sie am Ende des Films trägt, dürfte bei allen "Der Teufel trägt Prada"-Fans für nostalgische Gefühle sorgen. Sie können sich noch auf viele weitere liebevolle Reminiszenzen aus dem ersten Teil freuen. So lohnt es sich beispielsweise beim Motto der fiktiven Met Gala, die das Magazin "Runway" ausrichtet, genauer hinzuschauen - es ist nämlich geradezu bahnbrechend.

Apropos: Hinschauen. Augen auf bei allen Party- und Fashionshow-Szenen. Wer zwinkert, hat schnell einen der unzähligen Promi-Cameos von Heidi Klum, Donatella Versace, den Models Ashley Graham, Anok Yai, Karolina Kurkova, Amelia Gray oder Designer Marc Jacobs verpasst. Lady Gaga tritt nicht nur musikalisch in Erscheinung, sie hat auch eine Sprechrolle - und zeichnet zudem laut Miranda Priestly verantwortlich für das schlechteste "Runway"-Cover aller Zeiten. Da entgleitet auch einer Gaga kurz mal das "Poker Face".

Lasst uns alle "iconic" sein!

Wo wir gerade bei solcherart Nettigkeiten sind: Neben Publikumsliebling Nigel (gewohnt schlagfertig gespielt von Stanley Tucci), ist auch Mirandas Ex-Assistentin Emily (Emily Blunt) wieder dabei, die in Teil eins verantwortlich für legendäre Zitate wie "Ich bin nur eine Magen-Darm-Grippe von meinem Idealgewicht entfernt" war. Auch sie hat in den letzten 20 Jahren Karriere jenseits von "Runway" gemacht - die Kunst des gepflegten Mobbings (in der Originalfassung mit messerscharfem britischen Akzent) aber zur Freude des Publikums kein Stück verlernt.

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Auch Mirandas Ex-Assistentin Emily (Emily Blunt, M.) holt die Vergangenheit ein. (Foto: Imago)

Genau wie Miranda und Andy steht auch Emily im Verlauf der Geschichte vor der großen Frage: Was bin ich ohne meinen Job wert? "Der Teufel trägt Prada 2" erinnert uns Frauen daran, dass uns weder das, noch ein Partner, definieren sollte. Weil wir gut sind, wie wir sind - und genug. Oder, um Andy Sachs zu zitieren: "Iconic!"

Und so verlässt man das Kino nicht nur mit neuen Filmzitaten im Kopf, die sicher bald in den sozialen Medien die Runde machen werden, sondern auch ziemlich empowert. So sehr, dass man zurück im Büro, an sich halten muss, seinen Mantel nicht auf den nächstbesten Tisch zu schmettern. Bevor die Personalabteilung einschreiten muss, sollte aber lieber Miranda Priestly das letzte - ikonische - Wort haben: "That's all!" Das wäre dann alles. Und jetzt aber husch raus aus dem Büro und rein ins Kino. Das Augenrollen müssen Sie sich jetzt bitte dazu denken.

"Der Teufel trägt Prada 2" läuft ab dem 30. April in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de

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