Kino

"Star Wars": Anfang und Ende? Der ewige Luke Skywalker

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Zurück im Rampenlicht: Mark Hamill.

(Foto: Jordan Strauss/Invision/AP)

"Du hast den ersten Schritt in eine größere Welt getan", sagt Obi-Wan zu seinem Schüler Luke. Für Mark Hamill, der den "Star Wars"-Helden mimt, soll dieser Schritt nicht ganz so groß werden. 30 Jahre lang bleiben Hollywood-Angebote aus - bis jetzt.

Junge Schauspielerinnen und Schauspieler haben es in der US-Filmmetropole Los Angeles nicht leicht. Das gilt heute genauso wie schon vor 30 Jahren. Die Busbahnhöfe und schmuddeligen Diner sind voll mit gescheiterten Existenzen, deren Träume in einem muffigen Büro eines gefühllosen Casting-Direktors zerplatzen. Die Konkurrenz ist immer jünger, besser, hübscher und hat im schlimmsten Fall Kontakte zu einem Star-Regisseur oder ging mit einem der Sprösslinge eines Studiobosses ins selbe Filmseminar. Talent ist wichtig, Beziehung ist extrem förderlich, Glück ist alles. Wie überall. Doch hat der angehende Weltstar in spe die heiß ersehnte Rolle im nächsten Kinohit sicher, sagt das noch nichts über den weiteren Verlauf seiner Karriere aus.

Sternenmörder und Himmelsläufer

1975 ergattert der damals 24-jährige Mark Hamill den Part des zu diesem Zeitpunkt noch Luke Starkiller heißenden Helden in einem trashigen Science-Fiction-Film mit dem simplen Titel "Star Wars". Nicht wenige seiner Zeitzeugen prophezeien dem unverständlichen Weltraum-Projekt ein grandioses Scheitern an der Kinokasse. Hamill kann zu diesem Zeitpunkt nicht wissen, was für einen nachhaltigen Effekt die von Drehbuchautor und Regisseur George Lucas erdachte "Sternenkriegs"-Saga auf sein Leben haben wird.

Das "Star Wars"-Epos um einen Farmerjungen, der sich zum Helden einer Rebellion gegen ein böses galaktisches Imperium aufschwingt, wird zu einem bahnbrechenden Erfolg. Mitte der 1970er etabliert sich der Begriff "Blockbuster" für extrem erfolgreiche Kinofilme, als ein junger Regisseur namens Steven Spielberg mit seinem Unterwasser-Thriller "Der weiße Hai" alle Einspielrekorde bricht. Sein Kumpel Lucas toppt diesen Triumph, als er seine "Sternenkrieger" auf die Welt loslässt. Dem Helden und Star des Films, Mark Hamill, scheint die große Karriere am Firmament von Hollywood zum Greifen nah. Doch es soll anders kommen.

Wie Freddy Krueger Luke Skywalker hilft

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So haben wir ihn alle in Erinnerung: Hamill zur Zeit von "Das Imperium schlägt zurück".

(Foto: imago stock&people)

Anfang der 1970er hält Hamill sich mit US-TV-Formaten wie "General Hospital" oder "The Partridge Family" über Wasser. Doch ein glücklicher Umstand verhilft ihm zur Rolle seines Lebens. Kult-Regisseur Francis Ford Coppola sucht in diesen Tagen Schauspieler für sein Vietnam-Drama "Apocalypse Now". "Star Wars"-Schöpfer George Lucas und Coppola, die nicht nur eng befreundet sind, sondern auch an einigen ihrer Projekte zusammenarbeiten, halten ihre Castings im selben Studiogebäude ab.

So kommt es, dass ein junger Schauspieler namens Robert Englund, der mit Mark Hamill befreundet ist und ein Jahrzehnt später in der "Nightmare"-Filmreihe als "Freddy Krueger" selbst Kultstatus erlangen soll, seinem Kumpel von einem Casting für einen Film mit dem Titel "Star Wars" erzählt. Englund, der bei Coppolas Anti-Kriegsfilm für die Rolle des Surfers als zu alt abgelehnt wird, tippelt rüber zum "Star Wars"-Casting. Dort sagt man ihm, er wäre für den Part des Han Solo zu jung. Doch "Freddy Krueger" und Hamills Agent sind irgendwie der Meinung, dass Mark bei den Typen, die da bei George Lucas vorsprechen, reinpasst. Was folgt, ist "Star Wars"-Geschichte.

Das Gesicht einer fiktiven Sternenwelt

Mark Hamill ist für fast ein Jahrzehnt das Gesicht der Weltraum-Saga in einer weit, weit entfernten, längst vergangenen Galaxis. Doch während sein Film-Buddy, Harrison Ford, schon zwischen den Dreharbeiten der "Star Wars"-Episoden "Das Imperium schlägt zurück" und "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" mit dem ersten Indy-Teil "Jäger des verlorenen Schatzes" (1981) und Ridley Scotts "Blade Runner" (1982) Achtungserfolge feiert und damit die Ketten des "Star Wars"-Universums ablegt, bleibt Hamill dieses Glück verwehrt.

Seine Rolle als Luke Skywalker ist zu stark ins kollektive Bewusstsein der Filmschaffenden eingebrannt. Sein Gesicht ist in der fiktiven Sternenwelt von George Lucas verankert. Mark Hamill ist erst 32 Jahre alt, als 1983 der letzte Teil der alten "Krieg der Sterne"-Trilogie Premiere feiert. Doch seine große Hollywood-Karriere ist bereits zu Ende.

Der ewige "Luke Skywalker" schlägt sich wieder mit kleinen Auftritten in B-Movies durch. Ein paar Mal noch steht er auf den "Brettern, die die Welt bedeuten", doch die Filmwelt hat ihn vergessen. Hamill teilt das Schicksal vieler seiner Schauspielkollegen, die vor ihm da waren und nach ihm kommen sollten. Festgelegt auf eine einzige Rolle, sind sie dazu verdammt, in der Geschichte des Kinos starr an die Franchise einer Filmreihe gebunden zu sein, die ihre Entwicklung als Schauspieler vernichtet.

"Das Erwachen der Macht"

Schließlich ist es dann doch noch eine andere Franchise, die den einstigen "Star Wars"-Helden zumindest etwas zurück ins Rampenlicht holt. Doch dieses Mal kann man ihn nur hören. Anfang der 1990er wird Hamill als Synchronsprecher des "Jokers" in der Zeichentrickserie "Batman" engagiert. Ein Job, der schnell zur Berufung wird. Seine Leidenschaft und Interpretation des Gegenspielers vom "Dunklen Ritter" wird überdurchschnittlich gelobt und sein dämonisches Lachen sogar zum Markenzeichen der ganzen Reihe.

Mark Hamill etabliert sich als gefeierter Sprecher für zahlreiche Animationsserien und Computerspiele. Darüber hinaus entwickelt er auch seine eigene Comicheft-Reihe. Der einstige "Luke Skywalker"-Darsteller scheint angekommen. Dass er jemals wieder in einem "Star Wars"-Film auftreten würde, hätte er sich sicher in seinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können.

2012 erwirbt der "Disney-Konzern" die Rechte der Weltraum-Saga von ihrem Schöpfer George Lucas. In der Gerüchteküche rumort es. Schnell wird klar: Es wird einen neuen "Star Wars"-Film geben. Auch wenn der Film dreißig Jahre nach dem Ende von "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" handelt und einen neuen, jüngeren Cast einführt, hat er doch nur einen wahren Helden: Luke Skywalker. Der Kreis schließt sich. Die Bedeutung seiner Rolle im neuen Film ist noch ein wohlgehütetes Geheimnis, eines aber ist klar: Mark Hamill ist zurück und sein Griff nach den Sternen noch lange nicht vorbei. Möge die Macht mit ihm sein.

"Star Wars: Das Erwachen der Macht" startet am 17. Dezember in den deutschen Kinos

Quelle: ntv.de

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