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Imposanter "Peaky Blinders"-FilmDie dramatische Rückkehr des Thomas Shelby

19.03.2026, 16:27 Uhr img_2916_720Von Nicole Ankelmann
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Cillian Murphy streift sich für seine Rolle als Tommy Shelby noch einmal den "Peaky Blinders"-Anzug über. (Foto: Cr. Robert Viglasky/Netflix)

Vier Jahre nach dem Ende der sechsten "Peaky Blinders"-Staffel kehrt Cillian Murphy noch einmal als Tommy Shelby zurück. Im Film "The Immortal Man" stellt er sich seinen inneren Dämonen, den Nazis und seinem ältesten Sohn. Nicht nur für Fans der Serie ein Fest.

Als 2013 die sechsteilige BBC-Serie "Peaky Blinders" startet, markiert das einen Meilenstein in der Geschichte des damals noch jungen Streamings. Die Story um die Shelby-Familie, die in der britischen Industriestadt Birmingham der 1920er- und 1930er-Jahre ihr kriminelles Unwesen treibt, ist ein audiovisuelles Meisterwerk. Die Kombination aus Lässigkeit und Brutalität macht die Gangsterbande um Kopf Thomas Michael Shelby zu Stilikonen. Ohne genaue Zahlen zu kennen: Dem Absatz dreiteiliger Anzüge aus schweren Stoffen, langer Wollmäntel und Schiebermützen dürfte die Serie gutgetan haben.

2019 übernimmt dann Netflix das Format und setzt es glücklicherweise in selber Manier fort. Heute gibt es nicht nur ganze sechs Staffeln und damit 36 Folgen von "Peaky Blinders", sondern auch unzählige weitere Streamingdienste mit einem mannigfaltigen Angebot an Serien, die sich daran orientieren. Sei es durch die atmosphärische Bildsprache oder den Einsatz aktueller Musik zu historischen Geschichten. Doch mindestens in Sachen Stilsicherheit sind die Peaky Blinders bis heute ungeschlagen.

Rückkehr in bekanntes Territorium

Es ist also nur logisch, dass sich der nun startende Film "Peaky Blinders - The Immortal Man", der ein paar Jahre nach den Ereignissen aus Staffel sechs einsteigt, all die Ingredienzien der Serie bedient. Verantwortlich zeichnet Regisseur Tom Harper, der schon einige starke Episodenfolgen ablieferte. Das Drehbuch stammt wie üblich von Steven Knight, dem Erfinder des "Peaky Blinders"-Kosmos. Und gemeinsam mit ihrem umfangreichen Team lassen sie es noch mal so richtig krachen - nicht nur im übertragenen Sinn.

Staffel sechs endete damit, dass Tommy Shelby (Cillian Murphy) eine vermeintliche unheilbare Diagnose erhielt und seinem Leben deswegen ein Ende setzen wollte. Gerade noch rechtzeitig wurde ihm gewahr, dass ihm sein Nazi-Gegenspieler eine Falle gestellt hatte. Und so ritt er wie so oft und dieses Mal für vier Jahre ins Ungewisse. Doch bekanntermaßen ist diese Sache mit den Nazis auch im Jahr 1940, in dem wir uns jetzt befinden, noch nicht ausgestanden.

In Europa tobt der Zweite Weltkrieg. Tommy hat sich einst auf ein verlassenes Anwesen zurückgezogen, wo er allein mit seiner rechten Hand Johnny Dogs (Packy Lee) vor sich hin vegetiert. Die Vergangenheit hat ihn schwer gebeutelt. Die Geister jener, für deren Tod er verantwortlich zeichnet oder sich zumindest verantwortlich fühlt, verfolgen ihn. Das ist seine siebenjährige Tochter Ruby, die in Staffel sechs der Tuberkulose erlag. Und es ist sein Bruder Arthur, über dessen für den Zuschauer doch plötzliches Ableben im Laufe des Films mehr preisgegeben wird.

Schwierige Vater-Sohn-Beziehung

Um sich zu therapieren, schreibt Tommy in der selbst gewählten Einsamkeit gerade an seinen Memoiren, als die geheimnisvolle Kaulo (Rebecca Ferguson) bei ihm auftaucht. Die sieht nicht rein zufällig so aus wie eine Frau, mit der Tommy früher mal eine Affäre hatte und einen Jungen zeugte, der sich heute Duke (Barry Keoghan) nennt und die Peaky Blinders anführt. Kaulo ist deren Zwillingsschwester und so etwas wie ein Medium.

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Tim Roth übernimmt die Rolle des Gegenspielers Beckett. (Foto: Cr. Robert Viglasky/Netflix)

Duke und seine Männer sorgen derweil in Birmingham für Angst und Schrecken. Eben haben sie eine von der deutschen Luftwaffe ausgebombte Waffenfabrik (basierend auf einem wahren Ereignis im November 1940) geplündert. Da wünscht sich so manch einer, Tommy wäre hier, um ihrem Treiben Einhalt zu gebieten. Dem aber läge nichts ferner, als zurück in die Zivilisation zu kehren. Es braucht also einiges an Überzeugungskraft, Spukgeschichten und schließlich einen Mord, bis er sich in seinen angestaubten Anzug wirft und auf den Weg zu seiner alten Wirkungsstätte macht. Dort ist sein Sohn gerade einen Deal mit Nazi-Kollaborateur Beckett (Tim Roth) eingegangen: Großbritannien soll mit Falschgeld geflutet werden, um die Wirtschaft zu ruinieren und den Krieg so für Deutschland zu entscheiden.

Die Heldenreisen, die Tommy Shelby und sein ältester Sohn durchlaufen, sind klassisch angelegt und ohne Frage ziemlich vorhersehbar. Doch spielt das eigentlich keine Rolle. Für Fans von "Peaky Blinders" ist es ein bisschen wie nach Hause kommen, wenn Tommy zum ersten Mal wieder die Bar in Birmingham betritt und sich ohne viele Worte und nur durch seine bloße Anwesenheit Respekt verschafft.

Was ist mit Arthur passiert?

Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit all jenen, die die vergangenen Staffeln überlebt haben: Onkel Charlie (Ned Dennehy), Schwester Ada (Sophie Rundle) und Haydn Stagg (Stephen Graham). Dass Arthur nicht mehr dabei ist, sondern sein Tod zum Thema wird, könnte an Paul Andersons Drogeneskapaden der vergangenen Jahren liegen. Die sollen die Zusammenarbeit mit ihm zuletzt schwierig gemacht haben. Aber immerhin wird er noch erwähnt, anders als Bruder Finn und so einige weitere Figuren der Serie. Sei es drum.

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Barry Keoghan als Tommy Shelbys Sohn Duke, der inzwischen die Führung der Peaky Blinders übernommen hat. (Foto: Cr. Robert Viglasky/Netflix)

"Peaky Blinders - The Immortal Man" ist ein bildgewaltiges Werk, das den Zuschauer für 112 Minuten noch einmal in die Schlechtwetterlage Birminghams wirft, wo es kaum Sonne, aber viel Nebel gibt und es entweder regnet oder schneit. Natürlich wird hier jedes Gangsterklischee bedient: Es gibt coole Typen in noch cooleren Klamotten, ein paar wenige Frauen, wilde Schießereien, laute Explosionen und sehr viel Pathos. Über allem liegt dann auch noch in weiten Teilen ein einnehmender und fantastischer Soundtrack mit Musik von unter anderem Fontaines D.C. und Nick Cave, dessen "Red Right Hand" schon der Titelsong der Serie war.

Ein Finale für Tommy

Im Zentrum des Films steht natürlich Tommy Shelby, eine Figur, die Cillian Murphy wohl nie wieder so ganz loswerden wird. Einst skrupelloser Gangsterboss, heute ein gebrochener Mann, der sich seinen Dämonen stellen muss, um für das Gute zu kämpfen. Inwiefern der ebenfalls in seiner Rolle als Duke aufgehende Barry Keoghan ein würdiger Nachfolger werden könnte, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. Doch lässt das Ende des Films durchaus Spekulationen darüber zu, ob die Saga der "Peaky Blinders" oder zumindest die Geschichte von Duke und seiner Tante Kaulo nicht doch noch irgendwie weitergehen könnte.

Vermutlich werden vor allem "Peaky Blinders"-Fans den Film auf Netflix direkt ansteuern und sich gut aufgehoben fühlen. Doch auch, wer sich nur kurz in die Vorgeschichte einliest, könnte Gefallen daran finden und davon motiviert sein, die vorangegangenen 36 Episoden spätestens im Winter doch endlich mal nachzuholen. Glücklich, wer zu Hause über eine vernünftige Abspielmöglichkeit in Bild und Ton verfügt, denn "Peaky Blinders - The Immortal Man" auf dem Handybildschirm zu gucken, wäre eine absolute Frevelei.

"Peaky Blinders - The Immortal Man" ist ab dem 20. März auf Netflix abrufbar.

Quelle: ntv.de

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