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Freitag, 13. Oktober 2017

"Ich hatte Albträume": Die sieben Leben der Noomi Rapace

Da staunen sogar die sieben Zwerge, die sieben Geißlein und die sieben Samurai: Im Science-Fiction-Thriller "What Happened To Monday" erledigt Noomi Rapace sieben Rollen auf einen Streich. Mit n-tv.de spricht sie über die wahrscheinlich bisher größte Herausforderung ihrer Karriere (das gesamte Interview sehen Sie auch in unserem Video).

n-tv.de: In "What Happened To Monday" spielen Sie sieben Rollen gleichzeitig. Das klingt wie der ultimative Traum für eine Schauspielerin ...

Eine Frau, sieben Identitäten: Noomi Rapace in "What Happened To Monday?".
Eine Frau, sieben Identitäten: Noomi Rapace in "What Happened To Monday?".(Foto: Splendid Film GmbH)

Noomi Rapace: Ja und Nein. Es war der ultimative Traum, aber manchmal auch der ultimative Albtraum. Es war wirklich hart und eine riesige Herausforderung, allein, das technisch umzusetzen. Wir mussten sehr präzise sein. Ich musste extrem auf dem Punkt sein. Es gab keinen Raum für Fehler. Wir mussten neue Drehtechniken erfinden und jeden Tag neue Lösungen finden, weil es so etwas in dieser Form noch nie gab. Und wenn es uns gelungen war, eine unter technischen Gesichtspunkten perfekte Szene zu drehen, musste ich zugleich dafür sorgen, dass es auch schauspielerisch passt. Wenn man den Film sieht, glaubt man den Charakteren. Es fühlt sich echt an, als ob sie wirklich miteinander interagieren würden. Es war also extrem schwierig, aber hat auch Spaß gemacht. Ich liebe Herausforderungen, aber das hat mich schon an Grenzen gebracht. Ich musste alle meine Kräfte und Konzentration aufwenden. Noomi war auf Eis gelegt. Ich existierte gar nicht. Ich war zu hundert Prozent bei diesen Schwestern.

War es für Sie von Anfang an klar, dass Sie sich auf das Wagnis einlassen?

Ja, sofort. Tommy Wirkola, der Regisseur, schickte mir das Drehbuch. Da ging es darin noch um sieben Brüder. Er sagte zu mir: "Ich kann mir nur dich darin vorstellen. Niemand anderes auf der Welt kann das machen. Lies es, stelle dir sieben Schwestern vor - und gib mir Bescheid." Ich habe es noch in der Nacht gelesen. Am nächsten Tag rief ich ihn an und sagte: "Heilige ... Ich bin dabei. Aber das wird verrückt."

Das ist Thursday - einer der Charaktere, mit denen sich Rapace besonders verbunden fühlt.
Das ist Thursday - einer der Charaktere, mit denen sich Rapace besonders verbunden fühlt.(Foto: Splendid Film GmbH)

Die sieben Schwestern haben ja sehr unterschiedliche Charaktere. Die eine Schwester ist tough, die andere eher der Mädchentyp, die Dritte schüchtern ... Mit welchem Charakter können Sie sich am meisten identifizieren?

Sie sind alle ein Teil von mir. Wir haben sie zusammen entwickelt. Ich arbeitete daran mit dem Autor und mit Tommy. Es sind also in gewisser Weise verschiedene Versionen von mir. Ich glaube, Wednesday, Thursday und Saturday sind vielleicht die drei, die mir am nächsten kommen.

Fällt es Ihnen leichter, einen Charakter darzustellen, wenn Sie sich mit ihm identifizieren können?

Ich identifiziere mich immer mit einem Charakter! Ich denke, als Schauspielerin ist es meine Pflicht, einen Weg zu finden, das möglich zu machen. Ich mag es nicht zu heucheln. Deshalb muss ich einen Weg finden, um es zu meiner Sache zu machen, in der ich aufgehen und mich frei fühlen kann, so dass es keine Distanz zwischen mir und dem Charakter gibt.

Sie sagten es: Technisch gesehen, hat man Vergleichbares noch nicht gesehen. Tatsächlich beweist der Film, dass das Kino einen immer noch erstaunen kann ...

Oh, Danke.

Können Sie mir einen kleinen Einblick geben, wie das bewerkstelligt wurde? Mit Greenscreens?

Ja, es gab Greenscreens. Und Tennisbälle, Markierungen, nur mich, die ich mit mir selbst redete, mit einem Ohrstöpsel, auf dem ich meinen eigenen, zuvor aufgenommenen Dialog hörte. Außerdem hatte ich sechs Doubles. Sechs Mädchen, die mit mir spielten und für mich in die Rollen einsprangen, die ich gerade nicht darstellte. Ich musste sie anleiten. Ich musste ihnen sagen, wie ich sitzen oder mich bewegen werde. Nehmen wir an, man würde mich über die Schulter eines Doubles filmen. Wenn wir die Situation dann umdrehen, bin ich auf die Position festgelegt, in der zuvor das Double war. Also musste ich sie anleiten. Ich musste mir im Vorfeld Gedanken machen, praktisch alles vorbereiten und aus einer Vogelperspektive auf die Szenen blicken. Ich war mit Tommy zusammen also auch viel damit beschäftigt, die Szenen zu gestalten. Manchmal war es das Schwierigste, sie nicht miteinander verschwimmen zu lassen. Es gibt eine Szene, in der eine Schwester stirbt. Und ich musste auf fünf verschiedene Arten auf meinen eigenen Tod reagieren. Da platzte mir manchmal der Kopf. Normalerweise wenn ich in einem Film mitspiele, reicht es, mir meiner Glaubhaftigkeit sicher zu sein. Das nutze ich. Diesmal musste ich deutlich mehr leisten. Meine Glaubhaftigkeit war nicht genug.

Wir wollen nicht zu viel verraten. Aber in einer Szene mussten Sie sich selbst erschießen. Wie hat sich das angefühlt?

Nun, ich hatte Alpträume. Ich war ziemlich durcheinander. Ich war sehr diszipliniert bei diesem Film. Ich bin jeden Tag um 4 Uhr morgens aufgestanden. Ich habe zweimal täglich trainiert - einmal morgens und einmal abends. So konnte ich den Kopf freibekommen und den nächsten Tag vorbereiten. Aber ich hatte diesen wiederkehrenden Albtraum, dass ich nicht wusste, wer ich bin. Ich bin in meinem Traum aufgewacht und habe reihenweise Schuhe gesehen. Hunderte Schuhe - und ich habe versucht, herauszufinden, welche ich anziehen soll. Ich dachte: Wer bin ich heute? Und ich begann, Leute anzurufen und zu fragen: Wer bin ich heute? Was werde ich sein? Dann habe ich erkannt, dass auf mich gewartet wurde - und ich bin ohne Schuhe losgezogen. Ich war also total durcheinander. Ich fand mich im Auto wieder und sagte: "Ich weiß nicht, wer ich heute bin. Bitte sagt es mir. Und mich selbst zu erschießen, war wirklich schräg. Diese ganze Szene hat mich echt ziemlich durcheinander gebracht.

Mit Noomi Rapace sprach Volker Probst

"What Happened To Monday?" läuft derzeit in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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