Kino

"Brittany Runs a Marathon" Eine Frau läuft um ihr Leben

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In "Brittany Runs a Marathon" wird aus Lauftraining eine Lektion fürs Leben.

(Foto: DCM)

Brittany hört nur, sie sei zu fett. Als der Arzt sie zum gesunderen Lebenswandel ermahnt, fällt sie erst einmal in ein Loch. Dann aber beginnt sie zu laufen. Der Film "Brittany Runs a Marathon" erzählt irre komisch, ehrlich und mit viel Herz, wie eine junge Frau sich aufrafft.

Niemand muss mit fast 30 sein Leben im Griff haben. Ein fester Partner, ein Haus in der Vorstadt, ein Labrador und eine Beförderungsstelle in Aussicht - alles keine Pflicht. Wer nicht gerade in der Provinz Wurzeln geschlagen hat, wird bis ins hohe Alter Gleichgesinnte finden, wenn es darum geht, sich unter der Woche einen reinzustellen. Man kann mit fast 30 Rotwein frühstücken und als lustige Type durchs Nachtleben flattern. Bloß kann es sein, dass sich das von einem Tag auf den anderen gar nicht mehr so gut anfühlt.

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Genau so geht es Brittany, der Titelheldin des herzzerreißenden, humorvollen Kinodramas "Brittany Runs a Marathon". Sie will ihrem Hausarzt einfach ein bisschen Adderall abschwatzen, das US-amerikanische Äquivalent zum ADHS-Medikament Ritalin. Stattdessen hält ihr der Mediziner die Standpauke ihres Lebens. Er formuliert es galanter, aber was bei Brittany ankommt, ist harter Tobak. Du bist zu fett, lernt sie. Zu unfit. Zu faul. Was machst du eigentlich mit deinem Leben?

Sie läuft, sie keucht, sie schwitzt

20 bis 25 Kilo soll Brittany abnehmen. Das Gewicht eines Huskys, wie sie es ausdrückt - um klarzustellen, dass da ein Ding der Unmöglichkeit von ihr verlangt wird. Brittany raucht, Brittany trinkt, aber dann steht sie schließlich doch im Fitnessstudio. Sie will ihr Leben ändern. Bei der Arbeit soll man nicht länger ihre Unzuverlässigkeit rügen, ihre Freundinnen sollen sie ernst nehmen. Von einem Mann will sie für mehr gewollt werden als für einen Blowjob auf der Clubtoilette.

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Die "alte" Brittany konnte mit Sport nicht viel anfangen.

(Foto: DCM)

Wer regelmäßig in Laufschuhen das Haus verlässt, kennt das sogenannte "Runner's High". Brittany entscheidet sich vor allem aus Kostengründen, mit dem Joggen anzufangen. Berauschend ist da erst einmal gar nichts. Vorsichtig macht sie ein paar Dehnübungen. Auf der Straße wird sie fast umgerannt, als sie zum ersten Mal in Sportmontur vor die Tür tritt. Aber Brittany lässt sich nicht abschrecken. Sie läuft, sie keucht, sie schwitzt, aber sie erreicht ihr erstes Ziel: einmal um den Block.

"Brittany Runs a Marathon" ist kein Film über Fitnesswahn, kein Lehrstück zu gesundem Lebenswandel und es geht auch nicht ums Abnehmen. Brittany nimmt ihr Leben in die Hand. Stellvertretend für all diejenigen, die schon viel zu lange vor sich hindümpeln, übernimmt sie Verantwortung. Sie findet neuen Antrieb, neue Freunde, sie wird glücklich.

Fehlbarkeit mit voller Härte

Regisseur Paul Downs Colaizzo hat sich von seiner früheren Mitbewohnerin zu dem Drehbuch für "Brittany Runs a Marathon" inspirieren lassen. Die echte Brittany ist im Abspann zu sehen. Film-Brittany ist dank Hauptdarstellerin Jillian Bell geradezu schmerzhaft charismatisch. Droht eine Gesprächssituation zu kippen, wird sie schon mal von Brittany zu Babe. Mit Tesafilm klebt sie sich die Nasenspitze gen Stirn. Die Schweine-Optik soll das Gegenüber zum Lachen bringen. Dabei will sie vor allem eins: So geliebt werden, wie sie ist.

Der Film "Brittany Runs a Marathon" zeichnet mit voller Härte die Fehlbarkeit seiner Hauptfigur. Er lässt sie ausfallend werden, ungerecht und verschlossen. Gleichzeitig holt die Geschichte alles aus ihr raus. Brittany wird ihr volles Potenzial erreichen und sie wird Liebe auf eine Weise erfahren, die sie annehmen will. So hat es jeder Mensch verdient. Auf dem Weg dahin muss einem nicht der New York Marathon helfen, aber er kann. Oder dieser Film.

"Brittany Runs a Marathon" startet am 24. Oktober in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de