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Demenz-Drama mit "Tatort"-StarsEine Ménage-à-trois zum (nicht) Vergessen

07.05.2026, 17:10 Uhr Foto-Volker-ProbstVon Volker Probst
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Skurrile Konstellation: Hanne (Dagmar Manzel), ihr Mann Bernd (August Zirner, l.) und ihr Ex Kurt (Harald Krassnitzer). (Foto: Maverick Film, Merki und Reinhart Film, BR und Filmwelt)

Von "Honig im Kopf" bis "The Father" - ein Kino-Tabu ist das Thema Demenz längst nicht mehr. Mit "Der verlorene Mann" widmet sich nun abermals ein einfühlsamer Film dem Drama des Vergessens. Mit dabei: die "Tatort"-Stars Harald Krassnitzer und Dagmar Manzel.

Sie hat ihre "Tatort"-Karriere bereits hinter sich: 2024 quittierte Dagmar Manzel nach knapp zehn Jahren ihren Job als Kriminalhauptkommissarin Paula Ringelhahn im Frankenland. Für Harald Krassnitzer steht der Showdown beim ARD-Krimi-Flaggschiff dagegen noch bevor. Sein letzter Einsatz als Wiener Ermittler Moritz Eisner an der Seite von Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) soll Ende des Jahres unter dem Titel "Dann sind wir Helden" über die Bildschirme flimmern. 27 Jahre beim "Tatort" liegen dann hinter Krassnitzer.

Natürlich haben der in Salzburg geborene Star aus Österreich und seine in Ost-Berlin aufgewachsene Kollegin in der Vergangenheit nicht nur den "Tatort" bespielt. Doch der Abschied vom regelmäßig wiederkehrenden TV-Lagerfeuer dürfte einige zusätzliche Kapazitäten freisetzen, auch für das eine oder andere Herzensprojekt. Der kleine, dafür aber umso feinere Film "Der verlorene Mann" dürfte so ein Projekt sein.

Inszeniert hat ihn der 31-jährige Welf Reinhart. Der Absolvent der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film liefert damit sein Spielfilmdebüt ab, in dem er sich einem Thema widmet, das in seinem Alter eigentlich noch ganz weit weg erscheinen sollte: Demenz. Für den 65-jährigen Krassnitzer, die 67-jährige Manzel und den 70 Jahre alten August Zirner, der die dritte Schauspielgröße in "Der verlorene Mann" markiert, ist die Gefahr einer entsprechenden Erkrankung aber mehr als nur abstrakt.

Kurt, Hanne, Bernd

So schlüpft Krassnitzer in dem Streifen in die Rolle der Titelfigur namens Kurt. Manzel verkörpert mit der Künstlerin Hanne seine seit 20 Jahren von ihm getrennte Ex-Ehefrau. Und Zirner ist ihr aktueller Lebensgefährte, ein pensionierter Pfarrer namens Bernd. Eines Tages taucht Kurt plötzlich bei seiner Verflossenen und ihrem Partner auf, als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt. Schließlich ist er in seiner von Alzheimer zerrütteten Vorstellung nach wie vor mit Hanne zusammen.

Kein Wunder, dass Hanne und Bernd zunächst mit der Situation völlig überfordert sind. Aber nachdem Kurt außer seiner Tochter Samira (Lene Dax), die sich nicht zu kümmern scheint, niemanden sonst hat, nimmt sich das Paar immer stärker seiner an. Tatsächlich bringt Kurts Anwesenheit vorübergehend sogar frischen Wind und einen neuen Hauch von Leichtigkeit in ihr eingefahrenes Leben. Doch als die skurrile Dreierkonstellation mehr und mehr zu einer Ménage-à-trois zu werden droht, kippt die Stimmung …

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Kann das gut gehen? (Foto: Maverick Film, Merki und Reinhart Film, BR und Filmwelt)

Es ist nicht das erste und mutmaßlich auch nicht das letzte Mal, dass das Thema Demenz auf der Leinwand abgehandelt wird. Gerade in Deutschland gelang Regisseur Til Schweiger und Schauspieler Dieter Hallervorden 2014 mit "Honig im Kopf" ein regelrechter Blockbuster. Hollywood nahm sich etwa 2020 im Film "The Father" mit Anthony Hopkins in der Hauptrolle der Problematik an.

Emotionalität, Tragik, Komik

Ja, auch "Der verlorene Mann" ist ein Demenz-Drama, aber eben nicht nur. Auf der Folie der Krankheit entspinnt sich gleichfalls eine anrührende Liebes- und Beziehungsgeschichte, die grundsätzliche Fragen an das Leben, seine Vergänglichkeit und das, was unter dem Strich eigentlich bleibt, aufwirft. Krassnitzer, Manzel und Zirner sollen nicht nur vor, sondern auch abseits der Kamera zusammengewachsen sein. Und diese Energie ist im Kinosessel auch zu spüren.

Vordergründig ist "Der verlorene Mann" ein leises Werk, das mit seiner eher ruhigen Erzählweise das Potenzial zum Einlullen hätte. Doch unter der Oberfläche schreit einen der Film regelrecht an - mit all seiner Emotionalität, Tragik, aber auch Komik, die er in bestimmten Momenten bereithält.

Kein Popcorn-Kino, wie es durchaus auch so manche mit viel Knall, Bumm und Peng aufwendig realisierte "Tatort"-Folge sein könnte. Aber ein Streifen, aus dem man definitiv anders herauskommt, als man hineingegangen ist. Oder anders ausgedrückt: Ein Film, der zwar nicht zuletzt vom Vergessen handelt, aber alles andere als zum Vergessen ist.

"Der verlorene Mann" läuft ab sofort in den deutschen Kinos

Quelle: ntv.de

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