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Gegensätze ziehen sich an? Meistens schon ... Aber ob es hält?
Gegensätze ziehen sich an? Meistens schon ... Aber ob es hält?(Foto: dpa)
Freitag, 01. Dezember 2017

"Whatever Happens": Fahri Yardim mal ganz anders

Von Sabine Oelmann

Mann. Frau. Liebe. Alltag. Ende der Liebe. So schnell könnte man die Geschichte erzählen. "Whatever Happens" allerdings fängt da an, wo andere Liebesbeziehungen enden und beschreibt in zwei Zeitebenen die vermeintlich letzte Nacht eines Paares.

Es riecht nach frischer Farbe in der alten Wohnung. In dieser Nacht - zu allem Überfluss ist auch noch Silvester - erinnern sich Hannah und Julian an vergangene Entscheidungen, Erwartungen und Versprechen und begreifen, dass die wichtigsten Entscheidungen im Leben immer wieder neu getroffen werden müssen.

Sooooo verliebt: Julian und Hannah.
Sooooo verliebt: Julian und Hannah.(Foto: dpa)

Doch beginnen wir von vorne. Die Trennung ist beschlossen: Hannah und Julian treffen sich noch ein letztes Mal zur Wohnungsübergabe an den Vermieter, die kurz und schmerzlos über die Bühne gehen soll. Das ist zumindest der Plan. Doch nichts verläuft wie gedacht: Die Übergabe platzt und die beiden sitzen mit ihrer gemeinsamen Tochter in ihrer ehemaligen Wohnung fest, in der sie als "WG"-Partner einmal angefangen hatten. Dabei müssten sie schon längst auf der Party ihrer besten Freunde sein.

Vor sieben Jahren hatten sich Hannah und Julian bei einer Wohnungsbesichtigung kennengelernt und wurden zu Mitbewohnern wider Willen. Sie, die zielstrebige Jurastudentin, er, der in den Tag hineinlebende Fotograf. So etwas kann nur komplett in die Hose gehen oder nach dem Prinzip "Gegensätze ziehen sich an" funktionieren. In diesem Fall wird aus den Mitbewohnern zwar ein ungleiches, aber ein sich liebendes, wirklich schön anzuschauendes  Paar - Fahri Yardim und Sylvia Hoeks machen das prima. Während Julian beruflich zurücksteckt, als sie überraschend Eltern werden, startet Hannah durch. Alles könnte so schön, so modern, so emanzipiert sein. Die beiden entfernen sich aber immer mehr voneinander und teilen ihren Alltag zunehmend mit anderen.

Drehbuch und Regie liegen in der Hand von Niels Laupert und auch wenn der Film durch schöne Bilder, flotte Dialoge und nachvollziehbare Konflikte besticht, verirren wir uns doch manchmal beim wilden Gespringe zwischen den Erzählebenen. Wirklich altern tun solche Leute wie Julian und Hannah natürlich nicht in dieser Zeitspanne von sieben Jahren, also weiß man manchmal gar nicht so genau, wo man sich als Zuschauer nun gerade befindet. Im Hier, im Jetzt? Oder damals? Der Unterschied zwischen damals und jetzt besteht vor allem darin, dass im Jetzt überwiegend Julian vorkommt, denn Sylvia ist beruflich viel unterwegs. Und wie die Zeit vergeht, sehen wir vor allem daran, wie die Tochter wächst. Und daran, dass Julian jetzt mehr mit seiner Nachbarin unternimmt als mit seiner Frau. Hannahs Entwicklung beobachten wir - auch - an ihrer Laune: Die wird im Laufe der Zeit, obwohl Hannah immer erfolgreicher wird, immer schlechter. Denn parallel dazu verliert die Working Mom den Draht zu ihrer Tochter.

"Man ist zu weit gegangen"

Fahri Yardim - auch im echten Leben seit Kurzem Vater.
Fahri Yardim - auch im echten Leben seit Kurzem Vater.(Foto: imago/APP-Photo)

Der Regisseur sagt zu seinen Beweggründen, den Film zu machen: "Mich hat diese Situation interessiert, die wir alle kennen: Nachdem alle Kämpfe gefochten sind und die Zeit des Streitens einer gewissen Ernüchterung und Melancholie gewichen ist. Man steht sich zum ersten Mal seit der Trennung gegenüber und versucht, sich auf Augenhöhe zu begegnen - offen, aber nicht ohne die Deckung ganz sinken zu lassen. Man weiß, dass man Fehler gemacht hat und zu weit gegangen ist. Aber man spürt eben auch, wie sehr man den Partner geliebt hat und vielleicht immer noch liebt."

Laupert ist es tatsächlich gelungen, eine Geschichte zu erzählen. Nicht die übliche Großstadtkomödie der letzten Jahre - die ja auch ihre Berechtigung hat -, sondern eine Story, wie wir sie wirklich alle mehr oder weniger kennen. Nicht übertrieben schick, aber auch kein Millieu. Wir identifizieren uns mit diesem Liebespaar, auch wenn wir altersmäßig entfernt sind, denn dann haben wir die Chance, uns an unsere eigenen alten Geschichten zu erinnern. Ein Trip auf der Memory Lane also. 

Fahri als Vater

Nicht nur im Film ist Fahri Yardim ein hingebungsvoller Vater: Ihn sollte man sich unbedingt angucken, der 37-Jährige lässt für seine neue Rolle als "echter" Vater momentan nämlich das eine oder andere Filmangebot auch mal sausen. "Die Überforderung des Anfangs ist ‎überwunden, inzwischen bin ich heillos verschossen", erzählte er der Zeitschrift "Freundin" über seine in diesem Jahr geborene Tochter. Und deswegen nimmt er sich auch mehr Auszeiten als früher.

An Yardims Seite agiert die niederländische Schauspielerin und Shootingstar Sylvia Hoeks ("Blade Runner 2049", "The Best Offer") Die dritte Hauptrolle in diesem aktuellen Beziehungsfilm spielt eindeutig die Musik. Komponiert von Michael Kamm mit einem Großteil von Singer/Songwriter Robert Laupert aka L'aupaire beigesteuert. Dem verdanken wir so wundervolle Zeilen wie: "Hold hold on, lover, it's not time to go/ hold on for some longer, it's not the time to go/ and I won't leave until you sleep/ and I won't rest until you find your way back home again."

Hach ...

"Whatever Happens" läuft in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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