Kino

Viel Strom, keine Spannung Genie "Edison" - dunkle Seite kraftlos verfilmt

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Benedict Cumberbatch spielt "Edison".

(Foto: imago images / Prod.DB)

Mit knapp drei Jahren Verspätung schafft es "Edison - Ein Leben voller Licht" auf die Leinwände. Das historische Drama beleuchtet den elektrisierenden Wettstreit zwischen Thomas Edison und George Westinghouse - aber Spannung möchte nicht wirklich aufkommen.

1880, durch den Phonographen - das erste Instrument, das Stimmen aufzeichnen und wiedergeben kann - ist Thomas Alva Edison (Benedict Cumberbatch) vor drei Jahren berühmt geworden. Seine bahnbrechendste Erfindung liegt jedoch noch weiter zurück: Die erste Glühlampe, die länger als nur ein paar Minuten leuchtet. 13 Jahre sind seitdem bereits vergangen und nach langem Tüfteln hat Edison nun endlich das elektrische Licht für den privaten Gebrauch entwickelt.

So gut seine Glühlampen aber auch sind - Edisons Gleichstrom ist nicht geeignet, um die USA zu versorgen, da helfen ihm auch seine mehr als 1000 Patente nicht weiter. Dem Geschäftsmann George Westinghouse (Michael Shannon) wird das schnell bewusst. Unter Anwendung von Edisons Methoden und mithilfe des serbischen Erfinders Nikolai Tesla (Nicholas Hoult) arbeitet er fortan an einer billigeren Wechselspannung. Ein Wettkampf um die Vorherrschaft bei der Elektrifizierung der neuen Industriegesellschaft beginnt - ein "Stromkrieg", so gesehen.

Diesen Krieg zu finanzieren, wird für Edison und seine Konkurrenten zu einem nervenaufreibenden Spiel. Sie sind auf Forschungsgelder und die Gunst der Politiker angewiesen. Vor allem bei Edison, der ein von Grund auf eigensinniger und ungeduldiger Typ ist, folgen auf wenige Triumphe eine Vielzahl cholerischer Ausbrüche; auch die aufmunternden Worte seiner Ehefrau können ihn nur schwer besänftigen.

Harvey Weinstein machte Strich durch die Rechnung

Und wie im Krieg üblich, kämpft Edison dabei mit unfairen Mitteln. Um zu beweisen, wie "tödlich" Westinghouses Wechselstrom ist, bedrängt er Politiker, lässt Tiere quälen und töten und plädiert sogar für Wechselstrom bei der ersten Hinrichtung mittels eines elektrischen Stuhls - mit Erfolg. Der gekränkte Westinghouse muss beweisen, dass er kein Hochstapler ist, und versucht wiederum, seinen Gegner über die Presse zu diskreditieren. Ein Krieg fordert jedoch auch immer Opfer, in diesem Fall das Genie Nikola Tesla, das sowohl von Edison als auch von Westinghouse mehrmals übers Ohr gehauen wird.

"Edison - Ein Leben voller Licht" sollte von der Weinstein Company vertrieben werden und zur Preisverleihungssaison im Winter 2017 erscheinen. Dass er nun mit drei Jahren Verspätung veröffentlicht wird, ist dem Vergewaltigungsskandal um den geschassten Harvey Weinstein geschuldet, von dessen Verleih sich Regisseur Alfonso Gómez-Rejón distanzieren wollte. Die lange Pause nutzte er, um einige Szenen nachzudrehen, die den Charakteren mehr Tiefe verleihen sollten - leider vergeblich.

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Bleibt bis zuletzt an der Seite ihres Mannes: Mary Edison (Tuppence Middleton).

(Foto: imago images / Prod.DB)

Die Geschichte springt von Jahr zu Jahr und von Person zu Person, was es nahezu unmöglich macht, den Protagonisten näherzukommen. Stattdessen wirkt die erste halbe Stunde eher wie eine Aneinanderreihung unpassend überdramatischer Szenen - wie ein langer Trailer, in dem versucht wird, 13 Jahre auf Biegen und Brechen unterzukriegen. Der Versuch, die Geistesblitze der Erfinder durch abrupte Schnitte und Effekte hervorzuheben und dem Verlauf somit einen Spannungsbogen zu liefern, passt einfach nicht. Dafür ist die Handlung des Films - so bedeutend der Wettkampf der Erfinder auch gewesen sein mag - schlicht zu langweilig.

Trotz Strom keine Spannung

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Eine der wenigen Male, die sich die Konkurrenten Westinghouse und Edison gegenüberstehen.

(Foto: imago images / Prod.DB)

Hübsch anzusehen ist "Edison" aber durchaus: Der oft verwendete Splitscreen, der es erlaubt, mehrere Szenen, die zeitgleich stattfinden, zu zeigen, liefert tolle Bilder. Auch die Kostüme und Kulissen des 19. Jahrhunderts und die Illuminationen der Weltausstellung von 1893 machen die eher öde Story an der einen oder anderen Stelle wieder wett. Der Umgang mit den historischen Charakteren ist jedoch problematisch. Benedict Cumberbatch spielt Edison nahezu identisch mit seiner 2014er-Rolle des genialen Mathematikers Alan Turing in "The Imitation Game". Als Innovator Edison ist er zwar brillant, ehrgeizig und scharfsinnig, aber schwer zu verstehen.

Auch die Nebenfiguren werden heruntergespielt. "Spiderman"-Star Tom Holland als Edisons Assistent bekommt nur wenige Szenen, in denen er zur Geltung kommt, und auch die Frauen an der Seite der Erfinder (Tuppence Middleton als Mary Edison und Katherine Waterston als Marguerite Westinghouse) werden in ihren Rollen als "unterstützende Ehefrauen" klein gehalten. Ganz versagt wurde jedoch bei Tesla, dessen Szenen wahrscheinlich zu denen gehörten, die nachgedreht wurden. Die wenigen Male, die er zu sehen ist, stellt sich immer wieder die Frage, ob es nicht besser gewesen wäre, ihn ganz wegzulassen.

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Anders als der deutsche Titel suggeriert, ist "Edison - Ein Leben voller Licht" kein Biopic des Erfinders. Vielmehr steht ein eher dunkles Kapitel seines Lebens im Vordergrund, in dem Edison wahrlich nicht von seiner besten Seite gezeigt wird. Der Original-Titel "The Current War" ("Der Stromkrieg"), trifft es da schon besser. Aha-Momente für den Zuschauer bleiben dabei aber aus. Wer vorher schon wenig über Elektrizität wusste, wird durch den Film nicht klüger. Und so viel Gleich- oder Wechselstrom auch eingesetzt wurden - wirklich Spannung kommt in "Edison" nicht auf.

"Edison - Ein Leben voller Licht" läuft ab sofort im Kino.

Quelle: ntv.de