Kino

"Persönliches Sahnestück!" Jan und Max machen Udos Ding

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Zum Verwechseln ähnlich, aber keine Kopie: Jan Bülow am Schlagzeug und Max von der Groeben am Bass.

(Foto: dpa)

Mit Jan Bülow und Max von der Groeben zu sprechen ist sehr lustig. Besonders, wenn man gerade den Film "Mach dein Ding" gesehen und beide als Udo Lindenberg und Steffi Stephan abgespeichert hat. Im Film werden die ersten Jahre des Panikrockers und seiner Kumpels erzählt, seine Kindheit, seine Jugend, seine Erfolge als Drummer, seine Erfolge bei den Frauen, wir lernen das Mädchen aus Ostberlin kennen und seine Eltern. Alles nicht so einfach und dennoch mit einer Leichtigkeit erzählt, die es dem Udo-Lindenberg-Fan erlaubt, ihn, den Udo, noch mehr zu lieben und denen, die gar keinen Bezug zu ihm haben, einen zu verschaffen. Jetzt können vielleicht auch die etwas mit Udo anfangen, die es bisher nicht konnten, denn wir sehen die Geschichte eines exzellenten Musikers und eines Mannes, den es so nicht noch einmal gibt. Udo Lindenberg ist fantastisch, ein ganz besonderer Mensch, ein Juwel, und das ist dieser Film auch. ntv.de spricht mit den Hauptdarstellern Jan Bülow und Max von der Groeben über ihren wilden Ritt durch die fast extraterrestrische Story des Udo L.

ntv.de: Ihr seid gerade "der heiße Scheiß" - Udo feiert euch, die Leute feiern euch auf den Premieren, ihr quatscht euch den Mund fusselig, oder?

Jan Bülow: Och, ich rede ja ganz gerne und viel. Ich muss immer versuchen, mich kurz zu halten. Ich finde Interviews ganz gemütlich (lacht).

Ihr spielt ja reale Personen, Menschen, die es noch gibt. War das komisch, sich selbst in den Rollen zu sehen?

Max von der Groeben: Ich fand das eigentlich ganz okay, obwohl ich recht selbstkritisch bin, wenn ich mich sehe. Vielleicht, weil ich so anders aussehe (lacht), aber vor allem, weil mir die Rolle und der ganze Film so gut gefallen. 

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Hallihallohllöchen - ich nehm' nen Doppelten ...

(Foto: dpa)

JB: Für mich ist das schon komisch, mich in dem Umfang zu sehen, das ist ja das erste Mal, dass ich eine so große Rolle habe.

Perücke? Oder Haare angetackert?

JB: Perücke, jeden Morgen. Anderthalb Stunden.

MvdG: Ja, 'ne Stunde hat's bestimmt gedauert.

JB: Ich habe mal ausgerechnet, dass ich so ungefähr 80 Stunden in der Maske gesessen habe insgesamt.

Wie sehr musstet ihr euch mit Udo und Co. auseinandersetzen, um den Figuren dieser Zeit nahe zu kommen?

JB: Ich habe echt Material gesammelt, Notizen gemacht, mit mehreren Coaches gearbeitet, ich habe mich bis zu einem gewissen Grad über die Hintergründe informiert, aber irgendwo war dann auch Schluss, weil ich dachte, dass das vielleicht gar nicht so gut ist, wenn ich zu viele Infos ansammele. Ich habe auch versucht, mich treiben zu lassen. Gut vorbereitet ja, aber nicht übertrieben. Die Sache ist ja, dass es für den Film eigentlich unerheblich ist, was Udo in  den 80ern gemacht hat. Mir waren die Informationen und Anekdoten wichtig, die auf Udos Charakter, auf seine Persönlichkeit schließen lassen.

Es ist ja auch der ganz junge Udo und nicht der Udo von heute …

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Steffis unter sich.

(Foto: dpa)

JB: Ja, damals hat er noch anders gesprochen und sich auch noch gar nicht so bewegt, wie er das heute macht. Ich habe aber im Endeffekt vieles über Bord geworfen, was mir vorher essenziell und unverzichtbar vorkam, weil allein auch das Kostüm, die Maske und das Set-Design ihre Parts erledigen.

Und es sollte ja auch keine Kopie, kein Abklatsch werden, die Personen leben schließlich noch.

JB: Mein naiver Ehrgeiz hat mich am Anfang sehr jubilieren lassen - und dann im Laufe der Zeit dachte ich: Mann, worauf habe ich mich da eingelassen? Ich habe vor allem befürchtet, dass mir der gesamte Udo-Fanclub sagen wird: "Das hat nichts mit unserem Udo zu tun, was der Typ da macht" (lacht). Aber ich habe meine Drehbuchfassung mit meinen tausend Notizen irgendwann gegen eine Blanko-Fassung eingetauscht, weil ich daran glaube, dass die ganze Vorbereitung für so eine Arbeit sich automatisch irgendwo im Hinterkopf abspeichert. Man muss diese ganzen Sachen irgendwann vergessen und sich während der Arbeit treiben lassen.

Wer hat euch geholfen, diese Hindernisse zu überbrücken?

JB: Das waren sowohl Hermine, die Regisseurin, als auch Simone Bär, die Casterin. Die haben beide gesagt, wir sollen die Geschichte so frei und so neu wie möglich spielen. Ich habe mich an Joaquin Phoenix als Johnny Cash orientiert. Ich habe irgendwann verstanden, dass es nicht darum geht, Udo zu kopieren und immer zu denken: "Wie hätte Udo jetzt gehandelt?", sondern einfach die Welle zu nehmen und sie zu reiten!

Seid ihr je auf einem Konzert von Udo gewesen?

MvdG: Ja, aber das ist schon eine Weile her und hatte nichts mit dem Film zu tun. Aber ich habe "meinen Steffi" nicht getroffen, ich habe mir nur viel über ihn angeschaut. Ich wollte ihn auch nicht nachmachen, nur ein Gefühl für ihn bekommen. Ich bin Max, der Steffi spielt.

Jan, hast du Udo vor dem Film gekannt?

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Sind wohl Kumpels geworden: der Meister und sein junges Ich.

(Foto: imago images/Revierfoto)

JB: Ich wohne ja in Wien, da habe ich Udo schon mal getroffen, und jetzt, im Laufe der Zeit würde ich fast behaupten, dass wir Kumpels geworden sind (lächelt).

Ihr seid euch echt ähnlich - stelle ich mir für Udo, den Erfinder der lustigsten Wortschöpfungen, auch komisch vor, mit seinem jüngeren Ich abzuhängen …

JB: (lacht) Ja, bestimmt. Aber das nimmt er locker.

Das Schöne ist, dass man im Film viel erfährt, was man so genau nun auch noch nicht wusste als normaler Udo-Fan. Ihr habt zum Beispiel echt viel gestritten am Anfang.

MvdG: Ja, aber das lief vor allem immer auf konstruktive Hilfe hinaus. Die Band hat Udo immer wieder auf den Weg gebracht. Und umgekehrt. Da haben sich alle als Panik-Familie inspiriert, dranzubleiben.

JB: Mit Sicherheit gab es Auseinandersetzungen …

MvdG: Gibt es ja in jeder guten Freundschaft …

JB: … aber ob das nun genauso wie im Film war, sei mal dahingestellt. Es sind einfach gewisse Situationen und Udo hat auch immer mal während der Dreharbeiten was dazu gesagt.

MvdG: Er hat immer wieder mal draufgeguckt und war in regem Austausch mit Hermine Huntgeburth. Er kann ja keinen Quatsch erzählen, die anderen waren ja auch dabei (lacht)

Wie musikalisch wart ihr vor dem Film?

MvdG: Ich bin schon relativ musikalisch, ich habe Keyboard gespielt. Aber nicht Bass und auch nicht Gitarre, das musste ich jetzt lernen. In der Basic-Version ging das alles. Ich hatte mehrere Stunden Unterricht, ehrlich gesagt.

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Mit "Paula aus St. Pauli, die sich immer auszieht" - Ruby O. Fee.

(Foto: imago images/APress)

JB: Also, mir wurde ein Traum erfüllt. Ich liebe Rock-Konzerte, habe eine frühkindliche Begeisterung für Bruce Springsteen schon durch meinen Vater mitbekommen und ich liebe Musikfilme. "The Commitments" will ich da nur kurz erwähnen oder den Film mit Jamie Fox, wo er Ray Charles spielt. Also, ich bin begeisterungsfähig für Musik und Live-Auftritte, das war ein gefundenes Fressen für mich. Allein die Konzert-Szene am Schluss, da hab' ich schon beim Drehbuchlesen Gänsehaut bekommen, einfach nur geil! So was wollte ich schon immer mal, ein persönliches Sahnestück!

MvdG: Wir haben uns wirklich gefühlt wie eine Rockband! Das war großartig! Uns die Komparsen waren der Hammer - die haben uns dermaßen angekreischt.

Ihr kennt Applaus - ist das was anderes als Musiker?

MvdG: Naja, so ganz weiß ich natürlich nicht, wie das ist als Musiker, aber es war ein erhebendes Gefühl. Im Theater ist es sehr schön, aber es gibt nicht so viel Austausch, eine andere Energie. Der Zuschauer guckt erstmal nur zu. Bei Musik gehen die Leute ganz anders mit. Und im Idealfall interpretiert der Musiker seine eigenen Stücke, als Schauspieler spielst du eine Rolle. Also ja, das ist was anderes.

JB: Zu mir hat mein Schlagzeuglehrer gesagt, der auch Berufsmusiker ist, dass er es im Theater immer so komisch findet, dass die Schauspieler wieder auf die Bühne kommen, ohne eine Zugabe zu geben. Anders als bei Musikern. Aber ich denke, im Theater wird für eine Gesamtleistung applaudiert und im Konzert wird für eine Zugabe geklatscht. 

Was macht einen richtigen Star wie Udo Lindenberg denn aus?

JB: Da fällt mir eine Szene mit Mick Jagger ein. Der muss nur auf die Bühne kommen und einmal mit dem Arsch wackeln, dann rasten die Leute aus. Das ist ein Star, das ist auch pures Theater.

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Auf Kuschelkurs: Udo und Jan.

(Foto: imago images/Christian Grube)

MvdG: Jemand wie Udo, denke ich, ist sich treu geblieben. Der hat seine Idee verfolgt und das fasziniert die Leute.

JB: Ich glaube außerdem, dass es eine unfassbare Sturheit ist (lacht), die ich sehr bewundere. Gerade Udo, der ist ja öfter als einmal wie Phoenix aus der Asche gestiegen. Und da immer wiederzukommen und etwas auf Lager zu haben, das die Leute interessiert, da gehört eine Sturheit und ein wahnsinnig hohes Selbstvertrauen dazu. Und man muss sich immer wieder auf das besinnen, wo man herkommt.

Mit Jan Bülow und Max von der Groeben sprach Sabine Oelmann

"Mach dein Ding" startet am 16. Januar im Kino.

Quelle: ntv.de