Kino

Mit Dita und Damien zum Mars Jared Leto macht sich auf die Socken

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Jared Leto umgarnt Dita Von Teese im neuen Video "Up in the Air": "Jeder Song hat seinen visuellen Partner."

Die Nasa schießt die Single "Up in the Air" ins Weltall, das neue Video ist wegen schneller Schnitte und vielleicht auch Dita Von Teese eine Gefahr für Epileptiker. "30 Seconds to Mars" haben ein neues Album. Frontmann Jared Leto spricht mit n-tv.de über Liebe, Lust, Glaube, Träume, Fans und Fernsehserien.

Erst einmal zieht er einen Schuh aus. "Ich glaube, ich habe einen Dorn im Schuh", sagt Jared Leto. Wo er wandern war? Zu Hause, ein bisschen außerhalb von Los Angeles. Der etwas strapazierte Socken deutet darauf hin, dass das schon ein paar Tage her sein muss. Endlich ist der kleine Quälgeist gefunden und wird erleichtert hochgehalten. Wegen solcher Dornen seien früher Menschen an Blutvergiftung gestorben, auch für Hundepfoten seien die wirklich schlimm. Die blauen Augen weiten sich warnend. Da die Gefahr nun gebannt ist, lehnt sich der 41-Jährige entspannt in den Sessel zurück, lehnt einen Kaffee ab und nimmt sich stattdessen ein Stück braunen Zucker und kaut darauf rum.

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30 Seconds to Mars: Tomislav Milicevic, Jared und Shannon Leto (v.l.n.r) tourten sich mit 300 "This is War"-Konzerten ins Guinness-Buch der Rekorde.

Schaden wird es nicht, denn obwohl der Sänger und Schauspieler seit den Dreharbeiten zu "The Dallas Buyers Club", wo er an der Seite von Matthew McConaughey einen HIV-infizierten Transsexuellen spielt, offenbar wieder zugenommen hat, wirkt Leto in seinem weiten, schwarzen Kapuzenpulli schmal. Auch bei der Albumpräsentation am Vortag erinnert nicht viel an den unnahbaren "Punk-Dandy", den Jared Leto gerne auf den roten Teppichen dieser Welt gibt. Das "Mastermind von 30 Seconds to Mars" (Universal-Manager Dirk Baur) in bequemen Jersey freut sich einfach sichtlich über das gelungene neue Album "Love Lust Faith + Dreams", bei dessen Produktion bestimmt Magie im Spiel gewesen sei, findet die roten Plüschsessel im Kinosaal des Berliner "Soho-Houses" irgendwie burlesque und bietet gleich mal einen Lapdance an. Niemand? Na gut, dann halt Fotos für alle.

"Die Fans finden sich"

Einen Tag später ist Leto, einer der wenigen Hollywood-Stars ("Fight Club", "Mr Nobody", "American Psycho"), der auch erfolgreich mit einer eigenen Band ist, immer noch freundlich, aber sichtbar müde, mit tiefen Schatten unter den Augen. Sind es die Interviews, die der Sänger auf seiner Album-Promo-Tour derzeit am Fließband gibt, die immer gleichen Fragen? Das sei schon in Ordnung, winkt er ab und nimmt die aufgetragenen Grüße dreier Damen entgegen, die schon seit zwei Tagen vor dem Berliner Hotel ausharren, um einen Blick auf ihn zu werfen. "Grüß sie von mir, wenn du sie noch mal siehst." Treiben solche Fans die Band in Guinnessbuch-würdigen Touren um die Welt? "Es ist wunderbar, dass die Leute so enthusiastisch sind", meint Leto. Die ganze Aufmerksamkeit auf seine Person zu beziehen, ist aber nicht sein Ding. "Was ich wirklich mag, ist die Begeisterung über die Musik, über die 30-Seconds-to-Mars-Community." In Wahrheit fänden sich diese Menschen über die Musik und würden sich anfreunden, es gehe gar nicht so sehr darum, speziell auf ihn zu warten, sondern darum, Zeit miteinander zu verbringen.

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Bandeigene Ikonographie. "Es ist nicht für jeden - nur für die, die verstehen." (Jared Leto)

"Das hat er uns auch schon oft erklärt, dass es um die Freundschaft geht", bestätigt das Leto-Fan-Trio später nickend und wirft sich dennoch verschwörerische Blicke zu. Nur für die Freundschaft aber werden hier auf bloße Gerüchte hin keine Urlaubstage genommen und Zugtickets nach Berlin gekauft. Und wahr ist auch, dass die Band einiges dafür tut, ihre "Echelon" genannte Fangemeinde an sich zu binden: Der zusammengeschnittene Gesang von 100.000 Fans ist auf dem "This is war"-Album zu hören, auf Twitter, Facebook und anderen sozialen Netzwerken kommunizieren sie pausenlos miteinander und der Band. "Es kommt tatsächlich alles von Shannon, Tomo und mir", betont Leto. Aber wäre das kein Vollzeitjob, all diese Kanäle zu bedienen? "Wir haben ein großartiges Team, das uns hilft und sich zudem immer neue, witzige Sachen überlegt. Aber wir hören und lesen wirklich viel."

Wiederkehrende Symbole

Ein Buch im Regal lenkt ihn ab. "Oh, dieser Junge ist großartig", sagt er und zieht einen Bildband vom Fotokünstler Tim Walker hervor. "Ich habe mich mit seiner Arbeit beschäftigt, als ich 'Up in the Air' gedreht habe." Tatsächlich ähneln einige Bilder in der Farbintensität und Zusammenstellung Szenen aus dem von ihm produzierten neuen Video, bei dem er zudem unter seinem Pseudonym "Bartholomew Cubbins" wie schon bei anderen Musikvideos der Band Regie führte.

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Bunte, erotische Bilderwelten: "Ich denke, wir können das noch weiter vorantreiben."

Mit olympischen Turnerinnen, Trommlern in Pussy-Riot-Masken, der Burlesque-Tänzerin Dita Von Teese, die sich auf einem pinken elektrischen Stier räkelt und Bildern von Damien Hirst ist das Video zu "Up in the Air" womöglich noch bombastischer ausgefallen als seine Vorgänger wie "Kings & Queens" oder "Hurricane". "Nach oben sind keine Grenzen gesetzt", bestätigt Leto. Doch es könne beim nächsten Mal auch darum gehen, nicht größer zu werden, sondern etwa einen kleineren Raum zu erforschen.

Die wiederkehrende Symbole, die die Band gerne verwendet und die auch die drei Freundinnen vor dem Soho House als Ketten um den Hals tragen und sich damit als Fans ausweisen, dürfen natürlich auch im neuen Video nicht fehlen. Und wenn man schnell genug hingucke, sei auch der Fahrradfahrer aus dem "Kings & Queens"-Video zu entdecken, empfiehlt Leto den eingefleischten Fans.

Schnell hinschauen ist das richtige Wort, denn wegen der schnellen Schnitte wird im Vorspann des Videos vor epileptischen Anfällen gewarnt. Gab es schon Vorfälle? "Ich hoffe nicht", lacht Leto. "Ich wurde auch schon gefragt, ob es eine Anspielung auf die Herzattacken-Warnung war, die es früher vor Horrorfilmen gab, um die Leute zu erschrecken." Tatsächlich gebe es aber eine gesetzliche Vorgabe, Epileptiker zu schützen. "Es ist also überhaupt kein Witz."

Eckpfeiler des Lebens

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Im Video steht es für "Träume", im wahren Leben ist Zebra "Speedy" wirklich schnell.

Neu als Symbol sei das Zebra, das für Träume stehe, doch auch die anderen Tiere hätten wie immer ihre Bedeutung: "Der Löwe stehe für Liebe, die Schlange für Lust und der Wolf für den Glauben", so der Sänger. Der Titel des neuen Albums "Love, Lust, Faith + Dreams" stehe für ihn für vier Eckpfeiler des Lebens. "Ich glaube, keiner kann ohne diese vier Dinge ein erfülltes Leben haben."

Dass das neue Album mehr ist als eine Sammlung von Liedern, ist Leto besonders wichtig: "Wir haben uns große Mühe gegeben, ein Hörerlebnis zu schaffen. Ich habe über 70 Songs geschrieben und wir haben die 11 Lieder ausgesucht, die wirklich zusammenpassen." Tatsächlich geht bei der Albumpräsentation ein Lied nahtlos in das andere über, mal opulent-cineastisch, mal mit energiegeladenen Gitarren. "Ich glaube, dass das Album viele Leute überraschen wird, sie aber glücklich damit sein werden", hofft der Sänger. Welches Lied er persönlich am liebsten möge, könne er kaum sagen. "Ich mag 'Conquistador', weil es eine Art rückblickender großer Gitarrensong ist. Und ich mag 'End of all days', weil es ein atmosphärisches Lied über Lust und Glaube ist. Und 'Bright Lights – Big City' ist wirklich schön und nostalgisch."

Mit dem neuen Album könnten "30 Seconds to Mars" ihre Fangemeinde noch mal deutlich vergrößern. Ganz sicher wird "Love, Lust, Faith + Dreams" denjenigen gefallen, die sich seit den Alben "A beautiful life" und "This is War" zum Echolon zählen. Die Liebhaber des deutlich raueren Debütalbums der Band werden womöglich jedoch wieder enttäuscht werden.

In den Weltraum und zurück

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Cover von Damien Hirst. In Deutschland erscheint das Album am 17. Mai.

(Foto: CMS)

Anders als andere Bands veröffentlichte "30 Seconds to Mars" die erste Album-Single "Up in the Air" nicht einfach auf Youtube, sondern ließ sie von der NASA zur Internationalen Raumstation schießen, so dass die ISS-Crew sie als Erste hören konnte. "Wir wollten etwas Neues machen und es war wirklich eine magische Erfahrung", erzählt Leto, muss aber angesichts seines langen Tages trotz der coolen Erinnerungen doch noch einmal herzhaft gähnen.

Aber können Tage überhaupt lang genug sein für jemanden, der sich als Sänger, Schauspieler, Regisseur und Produzent betätigt? "Die Zeit für alles zu finden, für das ich mich begeistern kann, und es auch gut zu machen, ist wirklich eine Herausforderung", sagt der 41-Jährige, wieder hellwach. "Es gibt einfach so viele kreative Dinge, die ich gerne tun würde." Als nächstes stünde der Dreh zu einem weiteren Album-Video an.

Die Inspiration holt er sich auf den Band-Touren rund um die Welt. So stand etwa das indische Fest der Farben, Holi, Pate für einige Videoszenen in "Up in the Air". Auch in Deutschland seien Teile des Albums aufgenommen worden. "Diese Horn-Sequenz am Ende von 'Up in the Air' kam mir in den Kopf, als ich in Berlin spazieren ging", erzählte Leto bei der Albumpräsentation. "Das hört sich doch wirklich deutsch an, oder?", witzelte der Sänger und deutete unter dem doch eher peinlich-berührten Gelächter der Journalisten einige Marschschritte an.

Auch wenn Fragen zu seiner Filmkarriere im Allgemeinen und einer frühen Serienfigur namens Jordan Catalano im Besonderen für Leto eigentlich tabu sind, wenn er in Sachen Band unterwegs ist, muss er sich einen Tag später eine Frage nach "Homeland", der neuen Erfolgsserie seiner ehemaligen Filmpartnerin Claire Danes, gefallen lassen. Nein, er habe noch nichts davon gesehen, antwortet Leto so überraschend sanft und verständnisvoll, das sich die Frage von alleine zurückziehen möchte. "Ich gucke generell kein Fernsehen, aber habe jetzt mit ein paar Serien wie 'Breaking Bad' und 'The Walking Dead' angefangen", verrät er dann doch. Diese ganzen Serien seien nach vielen Jahren des Trashs endlich mal wieder Qualitätsfernsehen für ein ganz neues Publikum. "Außerdem ist das super, wenn man auf Reisen ist und keine Zeit hat, sich jeden Donnerstagabend um halb neun vor den Fernseher zu setzen. Einfach für 45 Minuten das Gehirn abschalten", findet Leto wie jeder andere Serienfan auch und legt für diese Zeit vermutlich auch mal die bestrumpften Füße hoch.

Doch vorher muss das Mastermind zum nächsten Interview. "Und nicht vergessen: Schau dir die Sachen von Tim Walker an!" Und was ist mit den neuen Fan-Freunden unten vor der Tür? Der Posten steht kurz davor, geräumt zu werden, eine andere Band wartet auf ihre Autogrammjäger in Hamburg. Man sieht sich beim Konzert. Im Juni. Das Echelon ist verabredet.

30 Seconds to Mars live in Deutschland: 6. Juni 2013 Zitadelle Spandau / 7. - 9. Juni Nürburgring, Rock am Ring - Zeppelinfeld Nürnberg, Rock im Park

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Quelle: n-tv.de

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