Kino

"Red Sparrow" bedient Klischees Jennifer Lawrence - eine Klasse für sich

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Knallhart, manipulativ und sexy: Jennifer Lawrence.

dpa

Brutal, blutig, bildgewaltig - so ist "Red Sparrow", der neue Film mit Jennifer Lawrence. Lawrence selbst: eine Augenweide. Grandios in ihrer Rolle, durchtrieben, undurchschaubar und verletzlich. Und eine Meisterin in der Geheimnisentlockung durch Sex.

"Wenn du keine Brüste magst, solltest du 'Red Sparrow' nicht sehen." Das zumindest findet Jennifer Lawrence, die die Dominika Egorova in dem neuen Thriller von Francis Lawrence spielt. Und zugegeben, man sieht Brüste, man sieht aber auch sonst recht viel von Jennifer Lawrence. Und das ist gut, denn Lawrence spielt ihre Rolle mit großer Hingabe - und mit großer Perfektion, auch wenn es nicht leicht war.

"Ich stand unter Schock. Ich glaube, ich hatte noch nie in meinem Leben solch eine Angst davor, einen Film zu drehen. Das waren viele erste Male für mich", erzählt sie in der australischen "Today"-Show. Denn verbunden mit ihrer Spionage-Tätigkeit ist unter der Floskel "mit vollem körperlichen Einsatz" nicht nur gemeint, dass sie kämpfen muss wie eine Maschine; nein, sie soll ihre Opfer vor allem durch Sex-Appeal verwirren und bezirzen.

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Der böse Onkel - Matthias Schoenaerts diabolisch gut.

(Foto: AP)

Als Dominika Egorova ist sie in erster Linie eine Primaballerina, die ihren Körper und Geist mit eiserner Disziplin ans absolute Limit gebracht hat. Bis ein (manipulierter) Unfall ihre Karriere beendet und sie von ihrem Onkel (Matthias Schoenaerts) dazu gezwungen wird, als Geheimagentin zu arbeiten. Er hat sie in der Hand, weil Dominika Egorova neben ihrer Liebe zum Ballett vor allem eine große Liebe zu ihrer Mutter (Joely Richardson) hegt. Und die ist krank.

Da Dominikas Arbeitgeber, das Bolschoi-Theater, nach ihrem "Unfall" keine Kosten, weder für Wohnung noch Behandlung, übernehmen will, muss die junge Frau sehen, wo sie bleibt. Und da sie eine hingebungsvolle Tochter ist, entschlossen, ihre Mutter um jeden Preis zu beschützen, lässt sie sich auf das Angebot ihres zwielichtigen Onkels ein.

Männer als sabbernde Schoßhündchen

Was normale Familienbande sonst verhindern, wird in diesem höchstgradig brutalen Thriller extrem befeuert: die Taktik der Geheimnisentlockung durch Sex. "Man sagt, ihr hättet magische Muschis", weiß dann auch einer der Herren, die es kaum abwarten können, sich von selbiger fertigmachen zu lassen. Aber so sind Männer - zumindest im Kino, wenn es sich um einen in Russland angesiedelten Spionagethriller handelt: Bis zum Äußersten entschlossen, wenn aber eine "magic pussy" des Weges kommt, dann schwanzwedelnd am Boden.

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Kann sie dem Amerikaner (Joel Edgerton) vertrauen?

(Foto: dpa)

Um sich in Sachen "Männer um den Finger wickeln" fortzubilden, wird die Spionageanwärterin in ein Lager gesteckt, in der eine Frau ihr und den anderen Rekruten alle Tricks beibringt, die man von einer alten Sex-Veteranin nur so lernen kann. Verkörpert wird diese von Charlotte Rampling, die früher ja nur müde mit einem Augenlid zucken musste, um gestandene Mannsbilder ins Koma zu versetzen oder zu willenlosen Schoßhündchen zu machen. So ganz allerdings mag man das der ansonsten so fantastischen Rampling nicht mehr abnehmen, wenn sie mit knochentrockener Hand über Brüste oder Genitalien reibt um anschaulich zu machen, wie Verführung funktioniert. Und auch der gute alte Jeremy Irons wirkt in seiner Rolle etwas steif und klischeehaft.

Gute Amis, böse Russen?

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Märchenhaft schön: Jennifer Lawrence.

(Foto: AP)

Aber sei's drum: "Red Sparrow" ist ein spannender Film mit Anleihen an James Bond. Nur sexier. Nicht unbedingt besser, denn dieser Film baut auf gewisse Art und Weise wieder Grenzen auf, die wir abgerissen glaubten. "Russland" sieht aus wie im Mittelalter - naja, zumindest wie vor Glasnost, und ja, das ist Absicht, die USA kommen wirklich heller, freundlicher, besser weg.

In Zeiten wie diesen vielleicht nicht das beste und wahrlich auch kein wahrheitsgetreues Signal - aber hey, es ist ein Film. Und ein Mädchen tanzt Ballett. Vielleicht ist es also ein Märchen? Märchen sind auch recht brutal. Und auch die Brutalität ist - neben dem Sex und dem Misstrauen und den Psychospielchen - die Basis dieses Film. Daher: Nur für Erwachsene.

Märchenhaft schön ist Jennifer Lawrence auf jeden Fall, eine Meisterin des verführerischen und manipulativen Kampfes. In weiteren Hauptrollen: Joel Edgerton (der knuffig-sexy-tapfere US-Agent), Thekla Reuten (kühl und undurchsichtig) und Mary Louise Parker (der Knaller).

"Red Sparrow" startet am 1. März in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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