Kino

"Mother's Day" von Garry Marshall Julia Roberts als Playmobil-Figur

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Niemand außer Julia Roberts hätte Jennifer Aniston nach dieser Präsentation engagiert. Niemand.

(Foto: dpa)

Die Frage im Film ist berechtigt: Sollte man den "Muttertag" nicht besser in "Gebärmuttertag" umbenennen? Denn in Garry Marshalls letzter und neuester Komödie geht es um nichts anderes: alles zu übertreiben. Dennoch bleibt die Komik oft auf der Strecke.

Es spielen so viele Stars mit, dass man kaum hinterherkommt: Julia Roberts, Jennifer Aniston, Jason Sudeikis, Kate Hudson, Sarah Chalke, Timothy Olyphant, Hector Eilzondo und Jennifer Garner. Dennoch bleiben die meisten Figuren seltsam farblos. Was verwunderlich ist, stammt dieser Muttertagsschwank doch aus der Ideenwelt des kürzlich verstorbenen, sonst so fabelhaften Garry Marshall, der uns unvergessliche Stunden mit "Pretty Woman", "Die Braut, die sich nicht traut" und "Plötzlich Prinzessin" beschert hat. Aber irgendwie will der "Muttertag", der leider sein letzter Film ist, nicht so recht in Gang kommen.

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Damals war die Welt noch in Ordnung ...

(Foto: imago/United Archives)

Dabei sind die Voraussetzungen perfekt: Viele verschiedene Episoden - so etwas lieben Fans von romantischen Komödien ja besonders - laden dazu ein, viele Menschen in ihrem Alltag zu beobachten, mit ihnen zu fühlen, zu lachen und zu leiden. An einigen Stellen verknüpfen sich die Episoden idealtypischerweise dann natürlich, was meist zu Chaos, Überraschung, Liebe oder der Aufdeckung lange schlummernder Zustände führt. In "Mother's Day - Liebe ist kein Kinderspiel", wie der Film im Deutschen vollständig heißt, gibt es derer fünf Episoden. Zu denen kommen wir auch gleich, denn wer bis jetzt immer noch Lust hat, sich den Film anzusehen, dem sei schnell geraten, das in der Originalversion zu versuchen. Die deutsche Fassung trägt sicher dazu bei, dass der Film ins Stocken gerät - was in einigen Fällen direkt an den Stimmen der Sprecher liegen mag, die nicht so gut passen, an anderen Stellen vielleicht eher an der holprigen Übersetzung.

Und dann fragt man sich obendrein sowieso, warum kommt der Film nicht in "Muttertags-Nähe" in die Kinos? Und seit wann macht man am Muttertag so ein Fass auf wie in dieser leicht missglückten Komödie, deren Schnitte einen immer genau dann aus dem Thema reißen und dem Mitfühlen mit den Figuren, wenn es so gar nicht passt!?

Ich verschpreche mich zu bässern ...

Und warum in Gottes Namen liest Jennifer Aniston nicht die handgeschriebenen Briefe ihrer beiden Jungs bis zum Ende? Das ist es doch, was den Muttertag ausmacht: Selbst gemachter Kitsch und Versprechungen mit Rechtschreibfehlern. Gern als Gutschein verpackt ("Liebste Mami, bringe dir ap jetzt immer sonttags das Frühstük ans Bett" oder" Es tuht mir echt leit, das ich nie den Müll rausbringe, ich verschpreche mich zu bässern").

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Julia Roberts in Mother's Day" ...

(Foto: picture alliance / dpa)

Und dabei muss man Jennifer Aniston zugestehen, dass sie die Rolle der Mutter (wie bereits in "Wir sind die Millers", zum fünften Mal mit Jason Sudeikis an der Seite) bestens drauf hat, obwohl sie ja gemeinerweise selbst über keine eigenen Kinder verfügt. Julia Roberts hingegen, die drei Kinder ihr eigen nennen darf, spielt eine Kinderlose, die sich zu doof anstellt, ein Baby zu halten und die mit einer Perücke gestraft ist, dass sich dem Betrachter die Haare höchstpersönlich im Nacken aufstellen wollen. Warum muss sie den Topfschnitt einer Playmobil-Figur tragen?

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Verzeihung, auf diesem Bild handelt es natürlich um Julia Roberts.

(Foto: dpa)

Egal, genug gemeckert. Wir wollen auch noch kurz erwähnen, was gut ist: Also, Jennifer Aniston wie gesagt, und Jason Sudeikis als mütterlicher Vater, der mit seinem Witwerdasein kämpft und resistent auf andere Frauen reagiert. Außer seine Töchter, die hübsch vor sich hin pubertieren und ihn zum Tampons-Kaufen schicken. Schöne Supermarkt-Szene: "Was kosten die Baumwoll-Bio-Tampons" ruft die Kassiererin ins Kassenmikro, so dass es auch der Letzte hinten an der Fleischtheke noch hören kann, und erinnert stark an Hella von Sinnen mit "Tina, wat kosten die Kondome"?

Auch Jason Sudeikis sei lobend erwähnt, denn vor allem die Szene, in der er sich ein Video seiner verstorbenen Frau (Jennifer Garner) anguckt, die Karaoke für ihn singt, treibt dem Betrachter die Tränen in die Augen und man ist ganz bei ihm.

Klischees - so süßlich und fettig wie Riesen-Donuts

Was jedoch Julia Roberts, die mit "Endlich ein Wiedersehen mit Julia Roberts" oder so ähnlich beworben wird, in diesem Film macht, verbirgt sich selbst dem geneigtesten Auge. Ihre Rolle ist so hölzern und dumm - und seit wann ist es eine Karriere, bei einem Home-Shopping-Sender Stimmungs-Steine zu verscherbeln? Außer man ist Jennifer Lawrence und spielt in "Joy" die Erfinderin des außergewöhnlichsten Wischmopps ...

Außerdem: Seit wann können Witwer-Väter megagut rappen? Und warum muss man nicht einmal über die rassistischen Witze lachen oder wenn der sich sonst so perfekt artikulierende indische Ehemann von Kate Hudson plötzlich mit indischem Slang spricht? Warum wachsen uns die Großeltern, vor denen die eine Schwester (Sarah Chalke) ihr Lesbisch-Sein und die andere (Kate Hudson) eben jenen indischen Ehemann verstecken muss, nicht ans Herz? So gehört das doch sonst in einer RomCom!!

Irgendwas ist da schiefgelaufen, die Klischees sind zu fett: Natürlich ist die Neue vom geschiedenen Papa ein extrem heißes Eisen in zu kurzen Hosen. Ein bisschen doof, aber total nett. Und eben so hot, dass selbst bei den präpubertären Jungs, die Vati mit in die neue Ehe bringt, sich der "Feuerwehrmann" (wie Paul Auster es nennen würde) regt, wenn sie vom Latino-Girl an die "mütterliche" Brust gepresst werden.

Und ja, bitte nicht falsch verstehen: Es gibt Stellen, an denen man lachen muss. Meist gehen diese Szenen auf Jennifer Anistons Konto, die immer noch die Süße spielen kann, mit dem guten Body, dem niedlichen Lächeln, den herrlichen Ausrastern, der perfekten Frisur und dem sympathischsten Lächeln.

Die Geschichte um Kristin und Zack jedoch, das junge Pärchen, bei dem er immer heiraten will und sie ihre Mutti sucht, hätte man sich echt sparen können. Obwohl - dann hätte Julia Roberts Rolle so gar keinen Sinn gehabt. Aber das wäre vielleicht gar nicht weiter aufgefallen. 

Quelle: n-tv.de

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