Kino

Leidenschaftliche Strahlkraft "Marie Curie" kämpft für ihre Elemente

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Marie Curie (Rosamunde Pike) hat die volle Unterstützung ihres Ehemannes Pierre (Sam Riley).

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Marie Curie bekommt Anfang des 20. Jahrhunderts Nobelpreise in Chemie und Physik verliehen. Jetzt kommt ihre Geschichte mit Rosamunde Pike in der Hauptrolle ins Kino. Ein ungewöhnliches Drama über eine besondere Frau und ihre hart erkämpften Errungenschaften.

Marie Curie war auf vielen Ebenen einzigartig. Die in Polen als Marie Sklodowska geborene Wissenschaftlerin entdeckte gemeinsam mit ihrem Ehemann Pierre und dem Franzosen Antoine Henri Becquerel nicht nur die Radioaktivität, sondern auch die Elemente Radium und Polonium. Dafür erhielt sie als einzige Frau einen Nobelpreis in Physik sowie einen weiteren in Chemie. Sie erkämpfte sich ab Ende des 19. Jahrhunderts mit ihren Mitteln einen Platz in einer von Männern dominierten Welt.

Es ist nicht die erste Verfilmung des Lebens von Marie Curie, aber wohl die ungewöhnlichste. Die iranisch-französische Comiczeichnerin Marjane Satrapi hat sich bei der Inszenierung auf eine Graphic Novel, also eine Art Comic, bezogen. "Radioactive: Marie & Pierre Curie: A Tale of Love and Fallout" von der Autorin Lauren Redniss ist eine experimentelle Symbiose aus Texten und Zeichnungen. In der Rolle der Marie Curie ist Rosamunde Pike zu sehen. Den neben ihr etwas blass wirkenden, dennoch für ihre Karriere und ihr Leben so wichtigen Ehemann Pierre spielt Sam Riley.

Eine Frau in einer Welt voller Männer

In der akademischen Männerwelt der Pariser Universität Sorbonne hat es Marie Sklodowska als Frau und aufgrund ihrer kompromisslosen Persönlichkeit nicht leicht. Sie gilt als sonderbar. Einzig ihr Kollege Pierre Curie ist fasziniert von ihrer Leidenschaft und erkennt ihr Potenzial. Und so bietet er ihr nicht nur sein Labor für ihre Forschung an, nachdem sie ihres wegen ihrer Sperrigkeit verloren hat. Pierre wird die Liebe ihres Lebens und ihr Ehemann, Vater ihrer beiden Kinder.

1903 erhalten die zwei gemeinsam den Nobelpreis für Physik und Curie muss kämpfen, damit nicht allein sein Name auf der Liste der Nobelpreiskandidaten erscheint. Wenig später verunglückt der aufgrund ihrer Forschungen gesundheitlich stark angeschlagene Pierre tödlich. Curie bleibt allein mit ihren Töchtern zurück. Trotz ihrer eigenen gesundheitlichen Probleme findet sie nach einer Phase tiefster Trauer wieder in die Spur. Sie kämpft weiter - für ein selbstbestimmtes Leben, Gleichberechtigung, Gerechtigkeit, Anerkennung und ihre Forschung, deren Ergebnis weitreichende Folgen haben wird.

Biedere Erzählweise, mutige Zeitsprünge

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Curie und ihre Tochter Iréne wollen Leben retten.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

In "Marie Curie - Elemente des Lebens" geht es vor allem um die Lebens-, Erfolgs- und Leidensgeschichte der Protagonistin, die chronologisch und recht bieder erzählt wird. Vieles kommt im Verlauf der nicht ganz zwei Stunden Erzählzeit zu kurz, die Emotionalität bleibt aufgrund der Straffung der Ereignisse auf der Strecke.

Mutiger gestaltet sich die Darstellung der Folgen, die Curies bahnbrechende Entdeckungen hatten. Sie werden in Zeitsprüngen thematisiert, die mit einer raschen Abfolge an Bildern einen Blick in die Zukunft werfen. Der Film wirft die Frage auf, inwieweit Curie eine Mitverantwortung für das trägt, was die Radioaktivität mit sich brachte: Gutes wie die Strahlentherapien gegen Krebs und die Radiologie, aber eben auch Hiroshima und Tschernobyl.

Rosamunde Pike spielt die vielen Facetten des Charakters von Marie Curie voll aus. Mal ist sie grob, unangepasst und einzig auf ihr Ziel fokussiert. Aber sie kann auch charmant sein, humorvoll und voller Liebe für ihren Ehemann. Die Beziehung zu ihrer erstgeborenen Tochter Iréne (Anna Taylor-Joy) ist nicht immer einfach, dennoch verfolgen am Ende beide dasselbe Ziel. Auch Iréne Curie wird später übrigens mit dem Chemie-Nobelpreis ausgezeichnet.

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"Marie Curie - Elemente des Lebens" ist eine in weiten Teilen gelungene Mischung aus Biopic und historischem Drama, das die faszinierende Entwicklung der Hauptfigur stark verkürzt erzählt, sich von anderen Curie-Biopics aber dennoch positiv abhebt. Dass Marie Curie trotz all ihrer Fähigkeiten und ihres Intellekts in der von Männern beherrschten Welt der Wissenschaft um Anerkennung kämpfen muss und sich in vielerlei Hinsicht in diesem Punkt für Frauen bis heute nur wenig verändert hat, lässt den Film in der Debatte um mehr Gleichberechtigung erschreckend aktuell wirken.

"Marie Curie - Elemente des Lebens" läuft ab dem 16. Juli im Kino.

Quelle: ntv.de