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Wollfühlkrimi "Glennkill"Mutige Schafe auf der Suche nach der Wahrheit

13.05.2026, 16:39 Uhr
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Mopple (l.) und Lily verlassen das erste Mal ihre Wiese und erkunden etwas ratlos die Welt drumherum. (Foto: Amazon MGM Studios)

Vor über 20 Jahren erobert der Roman "Glennkill: Ein Schafskrimi" von Deutschland aus die Welt. Nun kommt die Story über eine ermittelnde Schafherde in die Kinos. Entstanden ist ein Wohl- oder besser Wollfühlkrimi mit einigen wichtigen Botschaften.

Schon im Jahr 2005 veröffentlicht der Münchner Goldmann Verlag mit "Glennkill: Ein Schafskrimi" den Debütroman einer unter dem Pseudonym Leonie Swann agierenden deutschen Autorin. Allein bei uns verkauft sich der düster-humorvolle Krimi mit der tierischen Note 1,5 Millionen Mal. Er wird in 30 Sprachen übersetzt und findet so Fans auf der ganzen Welt.

Angesichts dieses Erfolgs überrascht es beinahe, dass erst 20 Jahre später aus der Geschichte um eine ermittelnde Schafherde ein Film gemacht wurde. Drehbuchautor Craig Mazin hat den Stoff für die Leinwand umgeschrieben, Regie führte Kyle Balda, der zuvor schon für Animationserfolge wie die Minions verantwortlich zeichnete. Nebenrollen in dem Hybrid aus Realfilm und Animation spielen Hugh Jackmann, Emma Thompson und Hong Chau. Die Schafe werden im Original von Stars wie Julia Louis-Dreyfus, Brian Cransdon, Chris O'Dowd, Regina Hall und Patrick Stewart gesprochen. Für den deutschen Markt konnte man für die beiden wichtigsten Woll-Charaktere das Dreamteam Anke Engelke und Bastian Pastewka gewinnen.

Wer hat den Schäfer getötet?

Schäfer George Hardy (Jackman) lebt zurückgezogen in der irischen Provinz. Sein Trailer steht am Rande der Weide, auf der seine Schafherde friedlich grast. Jeden Abend liest der leidenschaftliche Krimi-Fan den Tieren aus einem seiner Bücher vor. Und während er längst schlafen gegangen ist, rätseln diese noch immer über Hinweise, Motive und wer in der aktuellen Geschichte denn wohl die Tatperson sei.

Als George eines Morgens tot auf der Wiese liegt, stecken sie plötzlich mittendrin in einer echten Ermittlung, denn schnell ist klar, dass ihr Schäfer keines natürlichen Todes starb. Doch wer könnte diesem nennten Kerl nach dem Leben getrachtet haben? Und warum überhaupt? Leider ist der einzige Polizist im benachbarten Dorf der naive Tim Derry (Nicholas Braun), der nicht sonderlich erfahren ist in Sachen Mordermittlung. Also beschließen die Schafe nach längerer Debatte, die Ermittlungen selbst in die Hand zu nehmen.

Das gestaltet sich zunächst aus verschiedenen Gründen schwierig. Zum einen wollen nicht alle mitziehen, zum anderen haben die Schafe ihre Weide noch nie verlassen. Nun aber kommen sie nicht umhin, sich im Dorf nach Hinweisen umzuschauen. Die kluge Lily (Engelke), der gemütliche Mopple (Pastewka) und Außenseiter Sebastian (Douglas Welbat) trauen sich schließlich, den Schritt zu wagen. Und so gelingt es Derry mit ihrer Hilfe und der eines verstoßenen Winterlamms, den mysteriösen Fall aufzuklären.

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Plötzlich steht die Herde ohne ihren Schäfer da. (Foto: Amazon MGM Studios)

Anpassungen für einen veränderten Markt

Drehbuchautor Mazin hat am Inhalt der Vorlage ordentlich herumgeschraubt. Nicht nur wurde aus dem schwarzen Widder Othello absolut nachvollziehbarerweise ein ganz unverfänglicher Sebastian. Auch Lily hatte einst einen anderen Namen. Im Buch ist sie noch Miss Maple, angelehnt an Agatha Christies Miss Marple. Vor allem aber ist der Film weitaus weniger düster als der Roman und kommt wesentlich familienfreundlicher daher. Das geht allerdings schon etwas zu Lasten der Tiefe. Während das Buch auch schon mal Themen wie Depression und Suizid behandelt, geht es jetzt vor allem um den Fall an sich und dessen Lösung.

Doch neben dem durchaus unterhaltsamen, wenn auch nicht sonderlich kniffeligen Rätselspaß bringt "Glennkill: Ein Schafskrimi" immer noch die eine oder anderen Botschaft mit. So entscheiden sich die Schafe immer wieder dazu, wie auf Knopfdruck Erlebtes zu vergessen und Schmerz und Traumata damit aus dem Weg zu gehen. Dass das aber auch seine Tücken hat, erfahren sie durch Mopple, der als einziges Schaf nicht vergessen kann. Lily lernt, wie wichtig Erinnern für die persönliche Weiterentwicklung ist, aber auch für den Lauf der Welt. In Zeiten des wieder aufkeimenden Faschismus nicht die schlechteste Lehre. Der völlig unsinnige Ausschluss aus der Herde des für die Gemeinschaft wichtigen Winterlamms erzählt etwas über Vorurteile und Akzeptanz. Verlust und Trost spielen an anderer Stelle eine Rolle, ebenso wie der moralisch verwerfliche Fleischkonsum.

"Glennkill: Ein Schafskrimi" bietet also vor allem für Familien gute Unterhaltung. Es gibt lockere Sprüche, aber auch philosophische Gespräche unter den Schafen, die junge wie alte Herzen erreichen dürften. Selten rührselig, immer ehrlich, wenngleich es an der einen oder anderen Stelle ruhig noch etwas bissiger hätte sein können.

"Glennkill: Ein Schafskrimi" läuft ab dem 14. Mai in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de

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