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"Operation: Overlord" - Nazi-Zombie-Horror im Hochglanzformat (im Bild: Jovan Adepo als US-Soldat Boyce).
"Operation: Overlord" - Nazi-Zombie-Horror im Hochglanzformat (im Bild: Jovan Adepo als US-Soldat Boyce).(Foto: Paramount Pictures)
Donnerstag, 08. November 2018

Nazis, Zombies, Horror: "Operation: Overlord" = "Operation: Unnötig"

Von Volker Probst

Neu ist die Idee nicht. Schon diverse Genrestreifen setzten auf den doppelten Horror: Nazis und Zombies. Doch noch nie mit einem Budget wie "Operation: Overlord" unter der Ägide von Starproduzent J.J. Abrams. Macht das den Film besser?

Man muss schon ziemlich schmerzfrei sein für diese Art von Filmen. Man muss tiefschwarzen Humor besitzen, ein Faible für sinnentleerten Trash haben und am besten ein hartgesottener Genre-Freak sein. Und man muss sämtliches Geschichtsbewusstsein geradewegs über Bord werfen und auf jegliche Form von Political Correctness einfach pfeifen.

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All das geht, keine Frage. Und es ist auch kein Problem, wenn man das Geschichtsbewusstsein vor und nach der Vorstellung wieder eingeschaltet hat. Dann kann man sich ruhig rund 110 Minuten beeumeln, über den Schwachsinn, der einem bei "Operation: Overlord" von der Leinwand entgegenspringt. Schwachsinn, der Nazis und Zombies zur quasi unheiligsten aller unheiligen Allianzen zusammenschmiedet. Nicht irgendwo, sondern vor dem Hintergrund realer historischer Ereignisse.

"Operation Overlord" war der Tarnname für die Landung der Westalliierten in der Normandie während des Zweiten Weltkriegs. Die Eröffnung der Front an der französischen Ärmelkanal-Küste läutete den Anfang vom Ende Hitler-Deutschlands ein - unter enormen Verlusten auf beiden Seiten. Im Film haben es die US-geführten Truppen jedoch nicht nur mit dem hartnäckigen Widerstand einfacher deutscher Soldaten zu tun. Stattdessen müssen sie erfahren, dass die Nazis dabei sind, eine Zombie-Armee zu züchten ...

Hinter den Kameras spielt die Musik

Viel mehr gibt es über die Handlung von "Operation: Overlord" eigentlich auch nicht zu sagen. Dass Zombies grundsätzlich nicht die allerfreundlichsten Zeitgenossen sind, dürfte bekannt sein. Und wie so ein Gemetzel mit den lästigen Untoten abläuft, kann sich auch jeder in etwa vorstellen.

Könnte ein potenzieller Zombie sein: Pilou Asbaek als Nazi Dr. Wafner.
Könnte ein potenzieller Zombie sein: Pilou Asbaek als Nazi Dr. Wafner.(Foto: Peter Mountain / Paramount Pictures)

Kaum eine Vorstellung dürften die meisten dagegen vom Cast von "Operation: Overlord" haben, der sich aus weitgehend unbekannten Schauspielern rekrutiert - egal, ob es um die "guten" Franzosen und ihre alliierten Befreier, die "bösen" Nazis oder das fiese Konglomerat geht, das alle zusammen irgendwann als blutrünstige Brut bilden. Wyatt Russell, Jovan Adepo und Mathilde Ollivier gehören zu den Hauptdarstellern. Schon mal gehört? Nein? Eben.

Interessanter ist es, bei "Operation: Overlord" hinter die Kameras zu blicken. Hier allerdings auch nicht unbedingt auf Regisseur Julius Avery, der ebenfalls noch ein ziemlicher No Name ist, sondern auf das Team der Drehbuchschreiber und Produzenten. Schließlich lieferten mit Billy Ray und Mark L. Smith zwei Autoren das Skript, die dafür auch schon bei Krachern wie "Die Tribute von Panem" beziehungsweise "The Revenant" verantwortlich zeichneten. Und im Sessel des Produzenten nahm kein Geringerer als J.J. Abrams Platz, quasi die derzeitige Allzweckwaffe für alles, was sich Blockbuster schimpft - von "Mission: Impossible" über "Star Trek" bis "Star Wars".

Was nicht passt ...

Vermutlich saßen sie alle mal gemütlich bei einem gemeinsamen Horror-Trash-Abend zusammen und dachten sich: "Cool, das können und machen wir auch. Nur aufwendiger, teurer und besser." Schließlich ist die Idee mit den Nazi-Zombies oder Zombie-Nazis - ganz wie man möchte - nicht gerade neu. Rund um die norwegischen Aushänge-B-Movies "Dead Snow" und "Dead Snow: Red vs. Dead" gruppiert sich schon seit Jahren ein kleines eigenes Splatter-Segment um das gemischte Nazi-Zombie-Doppel.

Rette sich, wer kann: Mathilde Ollivier als Französin Chloe.
Rette sich, wer kann: Mathilde Ollivier als Französin Chloe.(Foto: Peter Mountain / Paramount Pictures)

Aufwendiger und teurer als die üblichen Horror-Billigproduktionen kommt "Operation: Overlord" mit einem Budget von knapp 40 Millionen Dollar natürlich allemal daher. Vor allem die Eröffnungssequenz, als der alliierte Trupp über Frankreich abgeschossen wird und mit Fallschirmen notlandet, hat höchstes Hollywood-Niveau. Doch ist der Film tatsächlich auch besser geraten als der Ramsch, an dem er sich orientiert?

Nein, nicht wirklich. Denn auch Hochglanz-Aufnahmen können einen müden, abgedroschenen und einfach nur dämlichen Plot nun mal nicht retten. Zumal sich der Film nach dem fulminanten Intro nahezu eine Stunde vor sich hin schleppt, bis es endlich zombiemäßig zur Sache geht. Man mag dies als Crossover von Kriegs- und Horrorfilm feiern. Aber mal ehrlich: Nicht alles, was irgendwie passend gemacht werden soll, passt auch wirklich.

Eine Mission Impossible

In Zeiten, in denen eine Serie wie "The Walking Dead" Maßstäbe im Untoten-Genre gesetzt hat, wirkt ein Streifen wie "Operation: Overlord" wenigstens wie ein Anachronismus. Schon richtig weh tut es aber, wenn dann auch noch in Zombie-Manier versucht wird, die kongeniale "Inglourious Basterds"-Szene nachzuahmen, in der Christoph Walz als SS-Scherge einen französischen Bauern traktiert. Zu klären, was die eigentliche Spürnase J.J. Abrams dabei geritten hat, ist vermutlich eine Mission Impossible.

Als "Operation: Overlord" bei einem speziellen Vorab-Screening in Berlin gezeigt wurde, kam der Film trotz allem einigermaßen an. Zu befürchten ist jedoch, dass das Geschichtsbewusstsein bei dem überwiegend jungen Publikum weder vor noch nach der Vorführung sonderlich ausgeprägt war. Auf die Frage, was denn die "Operation Overlord" war, werden einige künftig vermutlich antworten: "Na, dieser Nazi-Zombie-Film." Aber halt! Wir wollten ja die Political Correctness beiseite lassen und sollten uns über so etwas nicht ärgern. Belassen wir es bei der Aussage: "Operation: Overlord" = "Operation: Unnötig". Gemeint ist der Film, versteht sich.

"Operation: Overlord" läuft ab sofort in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de