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Alles, was das Herz begehrt Panik in "Downton Abbey", Genuss im Kino

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Über allen Familienereignissen thront Violet, das (heimliche) Familienoberhaupt, die Countess of Grantham. Ihre resolute, trockene Art und ihre Auseinandersetzungen mit Cousine Isobel gehören zu den Highlights.

(Foto: dpa)

Finally - der englische Landadel is back! Auf der Leinwand! Ein Fest für alle Freunde des feinsinnigen Humors. In "Downton Abbey" ist man nur mittel-amused, denn König und Königin erweisen dem edlen Haus die Ehre. Lasst die Spiele beginnen!

Wer sich fragt, was die Handlung ist - denn das Happy End fand ja bereits im TV statt - die ist schnell erzählt: Ein royaler Lunch, eine Parade und ein Dinner müssen organisiert werden. Die Gäste sind allerdings hochkarätig! Niemand Geringeres als der König und die Königin erweisen dem Hause Grantham die Ehre. Wir befinden uns im Jahr 1927 und der Earl of Grantham (Hugh Bonneville) fragt sich, ob man nach all den Veränderungen der letzten Jahre überhaupt noch einem königlichen Besuch gewachsen ist. Kurz gesagt - man ist. Allerdings nicht, ohne die eine oder andere Turbulenz privater und politischer Natur zu meistern, of course.

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Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss: Jim Carter als Charles Carson.

(Foto: dpa)

Über allem, was in "Downton Abbey" vor sich geht, schwebt das Paar Lord und Lady Grantham (Elizabeth McGovern): der eher konservative Robert und die glamouröse US-Amerikanerin Cora. Ihr Geld hat Downton Abbey schon einmal vor dem finanziellen Ruin gerettet. Im Ersten Weltkrieg zeigte Cora unerwartetes Engagement als Downton kurzfristig zum Lazarett umfunktioniert wurde. Robert und Cora führen eine gute Ehe, der auch Roberts "Beinahe-Affäre" mit einem Zimmermädchen und seine Eifersucht auf ihr zunehmendes politisches Engagement nicht gefährlich werden konnten. Nachdem Robert auch in der letzten Staffel ein schweres Magengeschwür überstanden hat, können sie sich nun ganz über das Glück ihrer Töchter freuen und zuversichtlich in die Zukunft von Downton Abbey blicken.

Well, let's face it - als wäre dies alles aber nicht schon genug, muss sich das Personal nun zu Ehren der Royals mit extra angereistem und durchaus furchteinflößendem royalen Küchen- und Hauspersonal herumärgern und schon bald keimt eine kleine Revolte im unteren Teil des Hauses auf. Doch zur großen Erleichterung (fast) aller Beteiligten mischen Mrs. Hughes, die Oberste Hausdame, und Mr. Carson, der Butler, wieder mit. Immer um das Wohl der Herrschaften bemüht, aber auch fair und menschlich gegenüber ihrer Belegschaft. Über die Jahre entwickelte sich aus dem großen Respekt der beiden füreinander Liebe und ihre Heirat gehörte zu den schönsten Momenten der Serie. Zu deren Ende hatte sich Carson aufgrund eines Tremors in seiner Hand in den Ruhestand zurückgezogen. Doch als Lady Mary, die schon immer sein Liebling war, ihn nun bittet, noch einmal zurückzukehren, kann er ihr dies natürlich nicht abschlagen.

Aufgerissene Wunden

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Der Tanz ins Glück: Michelle Dockery als Mary Crawley und Matthew Goode als Henry Talbot.

(Foto: dpa)

Lady Mary (Michelle Dockery) stellt sich unterdessen jedoch auch ganz andere Fragen: Zum Beispiel, ob der Erhalt von Downton überhaupt noch zeitgemäß ist. Soll das Familienanwesen vielleicht nicht besser einer bürgerlichen Institution weichen? Zusammen mit ihrem Schwager Tom Branson führte sie es in eine moderne Ära. Mit ihrem zweiten Ehemann, dem Rennfahrer Henry Talbot, hat sie mittlerweile nach vielen Schicksalsschlägen wieder ihr Glück gefunden.

Es würde zu weit führen, alle Charaktere der Serie hier aufzuführen - die meisten Fans dürften sich jedoch auf die unvergleichliche Countess of Grantham (Maggie Smith), Mutter von Lord Grantham, freuen. Auch sie sieht dem königlichen Besuch mit gemischten Gefühlen entgegen. Sie hat Sorgen höchstpersönlicher Natur, um ihre Gesundheit steht es nicht zum Besten und außerdem reist ihre Cousine Lady Bagshaw (Imelda Staunton) im royalen Gefolge an. Das Aufeinandertreffen der beiden Cousinen reißt etliche alte Wunden auf und nicht nur das: Mit Lady Bagshaw reist eine junge Frau mit, deren Herkunft Fragen aufwirft.

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Hugh Bonneville, Elizabeth McGovern, Michelle Dockery, Laura Carmichael und Allen Leech bei der Weltpremiere.

(Foto: REUTERS)

Für den getreuen irischen Rebell Tom Branson brechen mit diesem Besuch jedoch wieder bessere Zeiten an; nach Jahren der Trauer und des Alleinseins nach dem Tod seiner Frau Sybil sieht er endlich wieder Licht am Liebeshorizont. Und auch für Diener Thomas Barrow, der seit Beginn der Serie dabei ist, scheinen sich die Zeiten zu ändern. Stets ein Außenseiter, da er in einer Welt lebt, die Homosexualität tabuisiert und illegalisiert, ist Thomas' scheinbar überhebliche und abweisende Art immer ein Schutzmechanismus gewesen. Über die Jahre jedoch hat er sein Können als Unterbutler bewiesen und wurde schließlich zu Carsons Nachfolger ernannt, wodurch er endlich auch von den anderen Dienern akzeptiert und aufgenommen wird.

Friede, Freude, Eierkuchen? Nicht ganz, denn es ist nicht nur zwischenmenschlich höchstexplosiv. Es geht wirklich absolutely hoch her in Downton Abbey, das aber äußerst gepflegt, as usual. Die Sprache, die Bilder, die Musik, der Schnitt, die Kamera - alles wie in den guten alten Zeiten: Der Film zeigt das, was über sechs preisgekrönte Staffeln weltweit liebgewonnen wurde. Cheers!

"Downton Abbey", der Film, startet am 19. September im Kino.

Quelle: n-tv.de

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