Kino

Ziemlich bester Vater Plötzlich Papa, mon dieu!

dtc_j40-256.jpg

Im Film Vater und Tochter: Samuel (Omar Sy) und Gloria (Gloria Colston).

Tobis

Es ist die Horrorvorstellung jedes Mannes: Ein One-Night-Stand, an den man sich nicht mal erinnert, beschert einem ein Kind. Omar Sy passiert in "Plötzlich Papa" genau das. Knüpft der Franzose damit an den Megaerfolg von "Ziemlich beste Freunde" an?

Seit seinem Überraschungserfolg als Knuddel-Pfleger Driss in "Ziemlich beste Freunde" ist Omar Sy ein gefragter Mann. Er hat in Hollywood Fuß gefasst und zuletzt unter anderem in der "X-Men"-Reihe, "Jurrasic World" und der Dan-Brown-Verfilmung "Inferno" an der Seite von Tom Hanks fette Rollen abgegriffen. Doch auch wenn er inzwischen sogar in Los Angeles lebt, hat der Franzose mit afrikanischen Wurzeln seiner Heimat nicht vollständig den Rücken gekehrt. So nimmt er sich nach wie vor die Zeit, auch in französischen Produktionen sein Können unter Beweis zu stellen.

*Datenschutz

Neuestes Beispiel dafür: "Plötzlich Papa" unter der Regie von Hugo Gélin, seit seinem Spielfilmdebüt "Comme des frères" eine Art Shooting-Star in Frankreich. Ähnlich wie "Ziemlich beste Freunde" lässt sich der Streifen wohl am besten als Tragik-Komödie charakterisieren. Und es ist kaum zu übersehen, dass seine Macher insgeheim darauf hoffen, auch mit ihm einen Coup über die Landesgrenzen hinaus landen zu können. Der Verweis auf "Ziemlich beste Freunde" darf auf jeden Fall im Marketing-Rummel um den Film an keiner Stelle fehlen.

Vom Lebemann zum Vater

Die Voraussetzungen für ein neues französisches Kinokassen-Märchen sind dabei angesichts der rührseligen Story zunächst einmal nicht schlecht. Taugenichts Samuel (Sy) lebt an der Côte d'Azur in den Tag hinein. Er genießt die Sonne, den Strand, das Meer und sein Single-Dasein ohne Verpflichtungen in vollen Zügen. Aber als auf einmal Kristin (Clémence Poésy) aus London auftaucht, ist es mit der Lebemann-Idylle von einem Augenblick auf den anderen vorbei. Samuel mag sich weder an sie noch ihren Namen so recht erinnern, doch Kristin verdeutlicht ihm, dass sie schon einmal nähere Bekanntschaft geschlossen haben müssen - mit einem Baby auf dem Arm, dessen Vater er sein soll. Und nicht nur das: Die One-Night-Liebe lässt die Kleine namens Gloria (Gloria Colston) auch mir nichts dir nichts bei ihrem Erzeuger zurück und macht sich selbst aus dem Staub.

dtc_j10-135.jpg

Im Laufe der Handlung wächst zusammen, was zusammen gehört.

(Foto: Tobis)

Samuels Begeisterung darüber, plötzlich Papa zu sein, hält sich in Grenzen. Kurzerhand bricht er nach London auf, um die Mutter zu finden und ihr das Kind zurückzugeben. Doch die Suche bleibt erfolglos. Samuel wird mit Gloria in London sesshaft, ergattert mithilfe seines schwulen Kumpels Bernie (Antoine Bertrand) einen Job als Stuntman und wächst zusehends in seine Vaterrolle hinein - bis nach acht Jahren Kristin dann doch auf einmal wieder auftaucht. Jetzt nehmen die Dinge eine ungeahnte Wendung …

Die Chemie stimmt

"Plötzlich Papa" steht und fällt mit seinen Darstellern. Sy, im wahren Leben selbst Vater von vier Kindern, mag in einem Streifen wie "Inferno" einen noch so veritablen Bösewicht abgeben. Aber dem Schauspieler mit Komiker-Vergangenheit stehen dann doch vor allem liebenswert verpeilte Charaktere wie Driss und nun Samuel gut zu Gesicht. Doch auch die 2004 geborene Gloria Colston weiß bei ihrem Leinwanddebüt zu glänzen. So ist es vor allem die perfekt passende Chemie zwischen dem imaginären Vater-Tochter-Gespann, die die Zuschauer in ihren Bann zieht.

Hat "Plötzlich Papa" - übrigens ein Remake einer mexikanischen Vorlage namens "Plötzlich Vater" aus dem Jahr 2013 - also das Zeug, ein ähnlich großer Kino-Exportschlager wie "Ziemlich beste Freunde" für Frankreich zu werden? Nein, das nun auch wieder nicht. Dafür ist der Streifen dann leider doch mit zu vielen Klischees und einer etwas zu dicken Schicht Zuckerguss überzogen. Mit Aspekten wie Alleinerziehung, Patchwork-Familie oder am Rande auch Homosexualität greift er durchaus Themen auf, deren Aktualitätsbezug auf der Hand liegt. Drehbuch und Dramaturgie driften jedoch eher ins Märchenhafte ab, als sich wirklich ernsthaft damit auseinanderzusetzen.

Das heißt nicht, dass "Plötzlich Papa" ein schlechter Film wäre. Für einen knapp zweistündigen Herz-Schmerz-Ausflug ins Kino taugt der Streifen allemal. Und während manche Zuschauerin an der einen oder anderen Stelle vielleicht vor Rührung ein Tränchen verdrückt, wird mancher Typ sich am Ende womöglich den Schweiß von der Stirn wischen: Gut, dass mir Ähnliches (noch) nicht widerfahren ist.

"Plötzlich Papa" läuft ab sofort in den deutschen Kinos

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema