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Firth und Tucci in "Supernova" Respekt, wem hier nicht die Tränen fließen

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Sam und Tusker begeben sich auf einen letzten gemeinsamen Roadtrip.

(Foto: imago images/Prod.DB)

Tusker (Stanley Tucci) hat eine früh einsetzende Demenz und Sam (Colin Firth) muss sich damit abfinden, wie seine Liebe seinen Geliebten überdauern wird. "Supernova" handelt von einem drohenden Verlust, in den man sich nur allzu gut hineinversetzen kann.

Der US-amerikanische Romanautor Tusker (Stanley Tucci) und sein langjähriger Partner Sam (Colin Firth), Pianist und very british, begeben sich auf einen Roadtrip quer durchs ländliche England. Die Reise machen sie in ihrem alten Wohnwagen, in dem sie sich unterhalten, gemeinsam einschlafen und über Lahmarschigkeit am Steuer zanken, wie es nur Paare tun, die sich in- und auswendig kennen. Ab und zu holen sie ihr Teleskop heraus, beobachten die Sterne und erzählen sich von der Milchstraße. Es könnte alles so idyllisch sein, wenn Tusker seinen Freund in einer der ersten Szenen nicht fragen würde, wie es ihm geht. "Mir geht es gut", lautet dessen Antwort. Doch Tusker weiß es besser: "Lügner", sagt er schlicht.

Der Autor leidet an früh einsetzender Demenz. Das ist allerdings nicht offensichtlich, denn die Krankheit wird im gesamten Verlauf von "Supernova" nicht ein einziges Mal beim Namen genannt, nur einmal am Rande als "das verdammte Ding" erwähnt. Doch ist Tuskers Vergesslichkeit mal mehr oder weniger subtil zu erleben: Etwa, wenn er einfach mit dem gemeinsamen Hund in einen Wald stapft und die Orientierung verliert. Oder wenn er sich bemüht, sich an das Wort "Triangel" zu erinnern. Oder Hilfe braucht, sein Hemd anzuziehen.

Aber ansonsten scheint es ihm gut zu gehen; nicht nur in den Augen der Zuschauer, sondern auch denen von Sam. "Kannst du mir sagen, ob es schlimmer geworden ist?", fragt Tusker ihn einmal und stupst Sam sanft an, als wollte er ihn aus der Verleugnung zurück in die Realität holen. Er ist nicht mehr der Mensch, der er einmal war, und darauf besteht er auch: "Ich sehe einfach aus wie er."

Weder Alzheimer- noch Schwulenfilm

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Verstehen sich auch ohne viele Worte: Sam und Tusker.

(Foto: imago images/Prod.DB)

Als Supernova wird das kurze Aufleuchten eines Sterns bezeichnet, bevor er stirbt. Ähnlich lassen sich die letzten luziden Momente im Leben von Tusker beschreiben, in denen er sich während des Roadtrips von einigen Freunden verabschiedet. Nach einem Zwischenstopp bei Sams Schwester (Pippa Haywood), wo Tusker eine Überraschungsparty für seinen Freund organisiert hat, kommt es zu einem Streit zwischen dem Paar. Denn Tusker will so nicht mehr weiterleben, aber Sam ist noch nicht bereit, die Liebe seines Lebens gehen zu lassen. Die Wut, die Verzweiflung, der Schmerz und letztlich auch die Resignation, die sich daraufhin auftun, wirken teilweise zu real, um sie zu ertragen. Respekt, wem hier nicht die Tränen fließen.

"Supernova" ist kein Alzheimer- und auch kein Schwulenfilm. Weder die Krankheit noch die Sexualität des Paares stehen im Vordergrund. Vielmehr handelt es sich um die Dramatik eines drohenden Verlusts und eine Liebesgeschichte, in die sich jeder Mensch hineinversetzen kann, der schon einmal mit ansehen musste, wie sich der Zustand eines geliebten Menschen verschlechtert.

Das traurige und zugleich wunderschöne Drehbuch von Autor und Regisseur Harry Macqueen ist kurz und knapp, weder Tucci noch Firth verlieren auch nur eine Silbe mehr als nötig. Doch sind es vor allem diese stillen Momente, die "Supernova" so viel Kraft verleihen. Die beiden Schauspieler sind seit vielen Jahren befreundet und das wird immer wieder deutlich. Die tiefen Gefühle ihrer Rollen und ihre vielen unausgesprochenen Worte werden bereits mit der kleinsten Berührung oder dem flüchtigsten Blick übermittelt und sind dadurch trotzdem lautstark zu hören.

"Supernova" läuft ab sofort in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de

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