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"The Moment" mit Charli xcxSatire zwischen Stroboskop und Selbstzweifeln

19.02.2026, 15:19 Uhr
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Charli xcx (links) ist immer umgeben von irgendwem aus ihrem Team. (Foto: Universal Pictures Germany)

2024 feiert Charli xcx mit ihrem Album "brat" Erfolge. Nun wirft sie mit Filmemacher Aidan Zamiri einen selbstironischen Blick zurück in die Zeit der anschließenden Tourvorbereitungen. Alexander Skarsgård kann dabei mit seinem neu entdeckten Comedy-Talent punkten.

Menschen jenseits der 30, die gerade in Berlin weilen, ohne Berührungspunkte zur Berlinale zu haben, könnten sich gefragt haben, was hinter den neongrünen Plakaten mit der Aufschrift "brat" (auf Deutsch: Göre) steckt. Musikbegeisterte GenZler dagegen wissen natürlich, dass so das 2024 erschienene sechste Album von Charlotte Emma Aitchison aka Charli xcx heißt. Warum aber jetzt, zwei Jahre nach dessen Veröffentlichung, die erneute Plakatierung? Der Grund ist die Mockumentary "The Moment", die bei der Berlinale Deutschland-Premiere feierte und nun regulär in die Kinos kommt.

Vor der Veröffentlichung von "brat" erstrahlten einst diverse Social-Media-Feeds in jener Farbe, eine großangelegte Werbekampagne sorgte für einen Hype, von dem selbst Kamala Harris während ihres Wahlkamps zu partizipieren versuchte. Leider vergebens. Für Charli xcx aber wurde "brat" nicht nur dank vieler Memes zum Erfolg und unter anderem bei den Brit Awards als Album des Jahres ausgezeichnet. Die an Electro-Sounds der 2000er erinnernde Musik von "brat" war ebenso grell wie sein Cover, die Rave-Attitüde rotzig und ironisch, um sich vom allzu perfektionistischen Popallerlei abzuheben. Fans und Kritiker feierten es.

Popstar ist Goldesel für viele

Und Ironie steht nun auch im Zentrum der Mockumentary "The Moment", die kurz nach Veröffentlichung des Longplayers und kurz vor dem Start der "brat"-Tournee ansetzt. Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren, die zweiwöchigen Proben stehen an. Zu Höchstleistungen angetrieben wird die gerade trotz allen Erfolgs an Selbstzweifeln leidende Charli xcx von Labelmanagerin Tammy (Rosanna Arquette), der die Ideen und Visionen ihres Goldesels ziemlich egal sind, Hauptsache, die Kasse klingelt.

Und wie kann man aus einer Tour noch mehr Kohle ziehen? Richtig, durch einen Konzertfilm, der sich im Nachgang weiter vermarkten und verkaufen lässt. Finanziert wird der - natürlich - von Amazon. Dafür wird Regisseur Johannes Godwin (Alexander Skarsgård) engagiert, ein bekannter Name in der Branche, der allerdings seine ganz eigenen Vorstellungen für seinen Film und die dafür passenden Live-Visuals hat. Sehr zum Leidwesen von Celeste (Hailey Benton Gates), in deren Zuständigkeitsbereich diese fallen.

Das eigentlich geplante Konzept aus Strobo-Effekten für die clubbige Underground-Atmo des Albums ist ihm viel zu laut und viel zu aggressiv. Johannes schweben mehr Glamour und eine ausgefeilte (peinliche) Akrobatikshow mit viel Nähe zum Fan vor. Spielball zwischen den Fronten: Charli xcx, die sich immer mehr in sich zurückzieht und vieles nur noch über sich ergehen lässt. Längst hat sie die Kontrolle über ihre eigene Kunst verloren.

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Die Sonnenbrille in dunklen Räumen ist ein Muss für Popstars. (Foto: Universal Pictures Germany)

"The Moment" ist wie erwähnt eine Mockumentary, also keine ernst zunehmende Dokumentation. Eher ein satirisch überspitzter Rückblick auf jene Zeit voller Selbstironie und einer Menge skurriler Momente. Autor und Regisseur Aidan Zamiri startet knallhart rein mit Aufnahmen seiner Hauptdarstellerin, die sich knapp bekleidet im Stroboskoplicht zum Remix des Songs "365" augenscheinlich schwitzend auf dem Clubboden wälzt. Die angestrebte Klientel des Films ist klar, man sollte den "Brat Summer" im besten Falle miterlebt haben. Darüber hinaus unterhält vor allem Skarsgård, der als verantwortlicher Regisseur leider das Werk der Künstlerin nicht erfasst und mit allem, was er vorschlägt, meilenweit neben ihrer Vision liegt, was ans Absurde grenzt.

Mit Kylie Jenner auf Ibiza

Aitchinson spielt eine alternative Version ihrer Kunstfigur Charli xcx, die mit sich hadert und statt zu proben lieber in ein Luxus-Retreat nach Ibiza verschwindet, um ein paar Tage auszuspannen. Doch nicht einmal das gelingt ihr, denn spätestens als sie in einem desolaten Zustand auf die perfekt gestylte Kylie Jenner trifft, ist es mit ihrer Selbstliebe vollends dahin. Erfrischend dabei ist, wie uneitel Charli xcx ist, auch wenn sich der Film natürlich um sie kreist und davon erzählt, wie hart der Spagat zwischen dem eigenen künstlerischen Anspruch und den Erwartungen anderer ist, die alle viel Geld mit ihr verdienen.

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Aidan Zamiri und Charli xcx bei der Weltpremiere des Films in London. (Foto: IMAGO/Cover-Images)

Alles in allem ist "The Moment" ein kurzweiliger und unterhaltsamer Spaß, der allerdings aufgrund von Schnitt, Sound und Tempo oft an den Nerven zerrt und das Stresslevel bewusst hochhält. Fans von Charli xcx dürfte das aber wohl weniger abschrecken. Alle anderen, die sich in diesen Film trauen, könnten sich aber auf jeden Fall an Alexander Skarsgårds Comedytalent erfreuen.

"The Moment" läuft ab sofort in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de

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