Kino

Schau mal, wer da hämmert "Thor" schlägt wieder zu

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Er ist Hamma, wie er sich bewegt in seinem Outfit: Chris Hemsworth als Thor.

(Foto: Jay Maidment / Disney / Marvel)

Jippie Ja Ja Jippie Jippie Jaay! Es gibt ja immer was zu tun. Aber wenn "Thor" seinen Hammer schwingt, geht es bekanntlich nicht darum, ein Regal aufzubauen. Mit "The Dark Kingdom" bekommt der Hüne aus Asgard sein zweites eigenes Kino-Abenteuer spendiert. Und auch Loki darf wieder die Leinwand verteufeln.

"Star Wars" trifft auf "Der Herr der Ringe". Ungefähr so könnte man "Thor: The Dark Kingdom" charakterisieren. Nach dem ersten Leinwand-Abenteuer des Helden aus der Marvel-Comic-Schmiede, das 2011 in die Kinos kam, tauchen wir diesmal tief in die Gefilde von Thors Heimatwelt Asgard ein. In einem infernalischen Kampf mit Dunkelelfen steht nichts Geringeres als das Schicksal aller neun mythischen Reiche auf dem Spiel. Und natürlich kommt es auch wieder zum Donnergrollen zwischen Thor und seinem mephistophelischen Stiefbruder Loki.

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Werden sie womöglich noch zu Freunden? Thor (r.) und Loki (Tom Hiddleston).

(Foto: Disney / Marvel)

Lang, lang ist es her, dass Malekith (Christopher Eccleston) und sein düsteres Elfen- Heer schon einmal versucht hatten, mit Hilfe des Aethers, eines mächtigen Artefakts, alle Welten in die Dunkelheit zu stürzen (Sauron, der Ring und Mordor lassen grüßen). Damals wurden er und seine Getreuen zurückgeschlagen und der Aether tief vergraben. Doch ausgerechnet Thors (Chris Hemsworth) irdische Angebetete, die Astrophysikerin Jane Foster (Natalie Portman), stößt bei Recherchen auf das Artefakt, das von ihr sogleich Besitz ergreift. Jetzt ist auch Malekith wieder erwacht und verfolgt abermals seinen teuflischen Plan.

Die Dunkelelfen greifen an - mit Raumschiffen, Lichtkanonen und wallendem schwarzen Cape (Exekutor, Laserschwerter und Darth Vader lassen grüßen). Nun ist es an Thor, nicht nur Jane zu beschützen, sondern zugleich das ganze Universum zu retten. Doch ohne die Hilfe Lokis (Tom Hiddleston) geht das nicht. Kann er seinem hinterlistigen Stiefbruder wirklich trauen und ihm gar den Rücken zukehren?

Hiddleston erneut brillant

Nicht nur Haudrauf Thor und Beelzebub Loki könnten unterschiedlicher kaum sein, sondern auch ihre beiden Darsteller. Der Australier Hemsworth mit leicht prolligem Muckibuden-Charme mimt erneut den großen Blonden mit dem schweren Hammer, während der stets latent distinguiert wirkende Shakespeare-Schauspieler Hiddleston abermals in die Rolle des ebenso wahnsinnigen wie genialen Bösewichts schlüpft. Auch sonst ist der Streifen natürlich topbesetzt, etwa mit dem Schweden-Star Stellan Skarsgård als Wissenschaftler Erik Selvig sowie den beiden Oscar-Preisträgern Portman und Anthony Hopkins, der wieder als Göttervater Odin zu sehen ist. Doch wie schon im ersten Teil und in "The Avengers" spielt Hiddleston mit seinem süffisanten Luzifer-Grinsen nahezu das gesamte Ensemble regelrecht an die Wand. Und das, obwohl seine tatsächliche Präsenz in dem Film vergleichsweise bescheiden ausfällt.

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Fantasy trifft Science-Fiction: die Dunkelelfen.

(Foto: Disney / Marvel)

Apropos "The Avengers": Der Streifen von 2012, in dem Loki zuvorderst auf der Erde sein Unwesen treibt, ist sozusagen der Bifröst zwischen dem ersten Hammerschwinger-Epos und "Thor: The Dark Kingdom". Mit anderen Worten: die inhaltliche Brücke. Wer "The Avengers" ausgelassen hat, wird deshalb Schwierigkeiten haben, den Anschluss der Geschichte zu verstehen.

Während die Hauptdarsteller gleich geblieben sind, wird auf dem Regiestuhl heftig rotiert. Hatte beim ersten "Thor"-Abenteuer noch der - passend zu Hiddleston - britische Shakespeare-Spezialist Kenneth Branagh die Zügel in der Hand, setzt Marvel nach Joss Whedon bei "The Avengers" mit Alan Taylor nun erneut auf einen US-amerikanischen Fernsehserien-Profi. So hat sich Taylor etwa als Regisseur verschiedener Folgen von Erfolgsformaten wie "Sex and the City", "Die Sopranos", "Mad Men" oder jüngst "Game of Thrones" einen Namen gemacht.

Mit Witz und Ironie

Der konsistenten Umsetzung tut dies erstaunlicherweise keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die in großen Teilen nicht auf der schnöden Erde spielende Handlung und die finsteren Elfen-Charaktere erlauben es Taylor, fantastische Computerwelten auf die Leinwand zu zaubern, die auch technisch in ihrer Detailfülle und Anmutung dem "Herrn der Ringe" in nichts groß nachstehen. Rund 150 Millionen Dollar hatte Thors Leinwanddebüt 2011 gekostet - über das Budget von "The Dark Kingdom" gibt es bislang keine näheren Angaben. Es dürfte jedoch nicht gerade geringer ausgefallen sein, zumal sich die Produktionskosten beim ersten Streifen mit dem Donnergott angesichts eines weltweiten Einspielergebnisses von rund 450 Millionen Dollar mal eben gleich dreifach amortisierten.

So glänzt "Thor: The Dark Kingdom" zwar nicht in erster Linie durch seine Story, die natürlich ziemlich krude und die x-fache Wiederholung althergebrachter Gut-gegen-Böse-Strickmuster ist. Aber er besticht durch seine Opulenz, das bestens aufgelegte Ensemble mit Hiddleston an der Spitze sowie durch Witz und Selbstironie. Würden sich Marvels Superhelden selbst zu ernst nehmen, würden sie sich schnell der Lächerlichkeit preisgeben. So aber zeigt Thor allen, wo nach getaner Arbeit aber mal wirklich der Hammer hängt: an der Garderobe.

"Thor: The Dark Kingdom" läuft ab sofort in den deutschen Kinos

Quelle: n-tv.de

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