Kino

Da kann auch Lena nicht helfen "Trolls World Tour" trollt sich ins Heimkino

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Alles Rock, oder was? Anführerin Barb von den Rock-Trollen.

(Foto: DreamWorks Animation LLC)

Produktionsstopps, Filmverschiebungen, Kinoschließungen - die Corona-Krise trifft nicht zuletzt Hollywood und Co hart. Im Falle des Animationsfilms "Trolls World Tour" fallen die Konsequenzen drastisch aus: Er kommt erst gar nicht auf die Leinwand, sondern direkt ins Heimkino. Schade eigentlich.

Nein, die "Trolls" sind nicht James Bond. Aber verstecken müssen sie sich auch nicht. Der erste Animationsstreifen mit der durchgeknallten Troll-Truppe um Prinzessin Poppy und ihren Buddy Branch spielte weltweit immerhin knapp das Dreifache seines Budgets von 125 Millionen Dollar ein. Allein in Deutschland sahen mehr als eine Million Menschen "Trolls" im Kino. Und auch die Kritiker, darunter ntv.de, erfreuten sich überwiegend an der "geballten Überdosis Antidepressiva", die ihnen der Streifen verabreichte.

"Trolls" entsprang zwar nicht dem heiligen Animations-Gral der Pixar-Schmiede. Als Produkt der unter anderem von Steven Spielberg gegründeten DreamWorks Studios, die auch für Filme wie "Madagascar", "Shrek" und "Kung Fu Panda" verantwortlich zeichnen, ist er jedoch ebenfalls alles andere als ein Low-Budget-Werk. Das zeigt sich auch an dem Starensemble, das den Trollen seine Stimmen verleiht. Im englischen Original sind das etwa Anna Kendrick und Justin Timberlake als Poppy und Branch. In der deutschen Version übernahmen wiederum Lena Meyer-Landrut und Mark Forster die Synchronisation der beiden Hauptfiguren.

Doch die Corona-Pandemie hat nicht zuletzt die Filmbranche gehöriger durcheinandergewirbelt, als es eine ganze Horde wild gewordener Trolle könnte. Die Arbeiten an vielen Produktionen ruhen, der Start von auch noch so großen Blockbustern wurde reihenweise verschoben, die Kinos bleiben weiterhin auf unabsehbare Zeit geschlossen. Dass die Konsequenzen nun ausgerechnet bei dem zweiten Poppy-Abenteuer unter dem Motto "Trolls World Tour" besonders drastisch ausfallen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Die Welttournee der Prinzessin und ihrer Freunde über die Leinwände ist nämlich nicht nur aufgeschoben, sondern aufgehoben.

In Zelluloid gegossener LSD-Trip

Der Verleih hat darauf verzichtet, den ursprünglich für dieses Frühjahr vorgesehenen Kino-Starttermin auf irgendeinen späteren Zeitpunkt im Jahr zu verschieben. Stattdessen trollen sich Poppy und Co direkt ins Fernsehen, Streaming und Heimkino. Ab Donnerstag kann "Trolls World Tour" bei diversen digitalen Anbietern - darunter Amazon, Apple TV und Google Play - kostenpflichtig ausgeliehen werden.

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Das Leben könnte doch so schön poppig sein: Prinzessin Poppy und Branch.

(Foto: DreamWorks Animation LLC)

Manch einer munkelt bereits, die Corona-Krise werde zum Totengräber der Kinolandschaft. Tatsächlich hat die Pandemie wohl das Potenzial, den Trend zum Streaming in den eigenen vier Wänden mit Portalen von Netflix bis Disney+ und längst erschwinglichen Geräten vom Beamer bis zum nahezu beliebig großen Flatscreen noch einmal zu beschleunigen. Dafür spricht auch, dass "Trolls World Tour" in den USA bereits Rekorde im Geschäft mit dem digitalen Verleih gebrochen hat.

Doch auch das entbehrt nicht einer gewissen Ironie und ist eigentlich schade. Wie schon im ersten Teil gehen einem auch in der trolligen Fortsetzung im Sekundentakt die Augen über, während eine wilde musikalische Melange das Trommelfell malträtiert und skurriler Humor auf noch absurdere Charaktere trifft. Welcher Film wäre schon besser für die Leinwand und das gemeinschaftliche Gelächter geeignet als dieser sinnbildlich in Zelluloid gegossene LSD-Trip?

Vorsicht vor den Rock-Trollen

Und der verläuft so: Kaum haben sich Poppy und ihre Mitstreiter von ihrem ersten Abenteuer mit dem schlechtgelaunten Völkchen der Bergen erholt, gerät die Welt der dauerkuschelnden, tanzenden und fröhlichen Pop-Trolle auch schon wieder aus den Fugen. Der Grund: Sie erfahren, dass sie eigentlich nur eine von insgesamt sechs Arten ihrer Zunft sind, die es vor langer Zeit auseinandergetrieben hat. So gibt es neben ihnen auch noch die Funk-, Country-, Techno-, Klassik-, und Rock-Trolle, von ein paar kleineren Ablegern wie den Jazz-, Reggaeton- oder Jodler-Trollen mal ganz abgesehen.

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Auch ein paar andere schon bekannte Trolle sind mit von der Partie.

(Foto: DreamWorks Animation LLC)

Doch nicht nur das sorgt für Aufruhr. Ungemach droht vor allem, weil sich die Rock-Trolle unter ihrer Anführerin Barb zum Ziel gesetzt haben, die musikalischen Barrieren wieder einzureißen - unter ihrer Vorherrschaft, versteht sich. Klar, dass sich Poppy das nicht gefallen lassen kann. Also bricht sie auf, um die Trolle in all ihrer Unterschiedlichkeit vor der rockenden Einheitsbrei-Diktatur zu bewahren. Ob ihr das gelingen wird?

Ausverkaufte Hallen

Die Story klingt nicht nur abgedreht, sie ist es auch, wenngleich sie in ihren Grundzügen natürlich denkbar einfach ist. Die Rolle der "Bösen" fällt dabei nicht zufällig der Hard-und-Heavy-Fraktion zu, während die Pop-Brigade für ihr Ohrwurm-Gedudel allerdings auch ihr Fett wegkriegt. Wie schon der erste Streifen verdient sich "Trolls World Tour" seine Sporen nicht unbedingt mit einem besonders ausgefeilten Drehbuch, sondern mit seiner Liebe fürs Detail, seinem mutigen Witz und seinen unzähligen klugen Reminiszenzen an die Popkultur.

So können sich sowohl kleine als auch große Kinder genügend Dinge für ihren persönlichen Spaß aus dem Film herauspicken. Ihre Welttournee mag die Trolle zwar nur durch die heimischen Wohnzimmer führen. Aber es fühlt sich trotzdem so an, als würden sie in ausverkauften Hallen spielen.

"Trolls World Tour" ist ab 23. April als digitales Leihvideo verfügbar.

Quelle: ntv.de