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Die "Trolls" sind los Wie eine geballte Überdosis Antidepressiva

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Alles so schön bunt hier: die Helden aus "Trolls".

(Foto: DreamWorks Animation / 20th Century Fox)

Ein Troll sei ein Ungeheuer der nordischen Mythologie, heißt es bei Wikipedia. Doch die Titelhelden aus "Trolls" sind ganz und gar nicht unheimlich. Sie sind nur ziemlich durchgeknallt in einem ziemlich abgedrehten Film.

Es war einmal im fernen Dänemark ein Fischersmann, der nannte sich Thomas Dam. Einmal, zur Weihnachtszeit, da setzte er sich nieder, um für seine Tochter eine gar drollige Figur zu schnitzen. Und als er mit dem Püppchen fertig war, da ward es ein Troll. Die Tochter liebte ihren Troll gar sehr. Und auch all ihre Freundinnen waren so erquickt, dass sie sich alsbald eigene Trolle wünschten. Der Fischer erhörte ihre Wünsche.

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Klingt wie ein Märchen? Ist aber keins. Tatsächlich trug es sich so Weihnachten 1959 und in den folgenden Jahren zu. Nachdem der Däne Thomas Dam erkannt hatte, wie gut seine skurrilen Figuren mit bunten Haaren, großem Kopf und Knopfaugen ankamen, produzierte er sie in Serie. Der Siegeszug von Dams Antipoden zu Barbie und Ken in den Kinderstuben war nicht mehr aufzuhalten. Doch in den vergangenen Jahren sind die Trolle etwas in Vergessenheit geraten. Das soll sich nun wieder ändern: Die Animationsschmiede DreamWorks hat sich viele Rechte an Dams Erfindung gesichert und schickt die Trolle im Kinofilm "Trolls" nun gleich mal über die Leinwand.

Dabei herausgekommen ist ein Animationsfilm der etwas anderen Art. "Trolls" kommt so skurril, bunt und abgefahren daher, als hätte man gerade eine Überdosis Antidepressiva eingeworfen. Gewisse Ähnlichkeiten zur Welt der Schlümpfe und deren ewiger Kabbelei mit Nervbacke Gargamel sind zwar nicht von der Hand zu weisen. Doch bei so viel knalliger Farbenfreude erleben auch Papa Schlumpf, Schlaubi und Co noch ihr blaues Wunder.

Herr Ober, bitte einen Troll

Während sich die Schlümpfe mit einem stets schlechtgelaunten Hexenmeister und seinem hinterfotzigen Kater Azrael herumschlagen müssen, sehen sich die Trolle mit dem nicht minder schlechtgelaunten Völkchen der Bergen konfrontiert. Und so wie Gargamel die Schlümpfe am liebsten zu Eintopf oder doch wenigstens Gold verwursten würde, stehen auch bei den Bergen die Trolle ganz oben auf der Speisekarte. Schließlich gilt es als überliefert, dass nur ein Troll im Magen wirklich glücklich machen kann.

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Klingt komisch, ist aber so: Auf ihrer Mission begegnen Poppy und Branch auch einer Wolke.

(Foto: DreamWorks Animation / 20th Century Fox)

Nachdem es ihnen erst einmal gelungen ist, sich aus der Gefangenschaft der Bergen zu befreien, verfallen die Trolle alsbald schon wieder in ihren farben-fröhlichen Alltag. Als wären sie von wirklich guten Drogen dauerbreit, besteht der praktisch ausschließlich aus Kuscheln, Cupcakes, Tanzen und Singen - egal, wo man gerade geht oder steht. Nur einer, der für seine Spezies ungewöhnlich missmutige Branch, sieht die Gefahr kommen.

Und tatsächlich: Nach einer allzu lauten und ausschweifenden Party stehen die Bergen wieder auf der Matte und kassieren eine nicht unerhebliche Zahl der Trolle ein. Allen voran Bergen-Oberhaupt Prinz Gristle frohlockt, sich endlich seinen allerersten Troll zwischen die Kauleisten zu stecken und damit endlich glücklich zu werden. Doch er hat nicht mit Troll-Anführerin Poppy gerechnet. Gemeinsam mit Branch bricht sie zu einer waghalsigen Rettungsmission auf …

"Trollige" Achterbahnfahrt

Ja, man ahnt es bereits: "Trolls" gehört zu den Filmen, in denen auch das eine oder andere Liedchen geträllert wird. Nicht ohne Grund synchronisierten in der Originalfassung Justin Timberlake und die singende Schauspielerin Anna Kendrick die beiden Hauptcharaktere des Streifens. In der deutschen Version wird Poppy indes von Lena Meyer-Landrut gesprochen und gesungen, während Mark Forster Branch seine Stimme verleiht.

Mit den schaurig-schönen Troll-Puppen, die Thomas Dam geschaffen hat, mögen Erwachsene kaum etwas anzufangen wissen. Doch der Film, den DreamWorks hier auf die Leinwand gezaubert hat, macht definitiv nicht nur den Kleinen Spaß, sondern erweist sich als eine "trollige" Achterbahnfahrt für die ganze Familie. Regisseur Mike Mitchell, Co-Regisseur Walt Dohrn und Produzentin Gina Shay hatten bereits 2010 bei "Für immer Shrek" das Sagen. Der vierte und bis dato letzte Teil der einst gefeierten Oger-Saga stieß bei den Kritikern allerdings nur noch auf ein verhaltenes Echo. Es scheint, als hätten die Filmemacher ihre Energie für "Trolls" aufgespart.

"Trolls" läuft ab 20. Oktober 2016 in den deutschen Kinos

Quelle: n-tv.de

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