Kino

Mit "Photograph" auf Spurensuche Wiederhole niemals die Fehler deiner Mutter

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Auf Mae lastet ein Generationsfluch, der sich auf ihre Beziehung mit Michael auswirkt.

(Foto: Universal Pictures)

Nach dem Tod ihrer Mutter begibt sich Mae mit einem alten Foto auf Spurensuche und muss ihr eigenes Leben reflektieren. Die Fehler ihrer Mutter möchte sie nicht wiederholen. "The Photograph" beleuchtet zwei miteinander verflochtene Beziehungen und zelebriert schwarze Liebe.

Romanzen sind immer so eine Sache. Kennt man eine, kennt man alle, könnte man fast schon behaupten - verlaufen sie doch alle meist nach dem gleichen Schema: Man nehme eine Frau und einen Mann, deren Wege sich zufällig kreuzen und die sich Hals über Kopf ineinander verlieben. Kurz nach der Hälfte des Films vermasselt einer von beiden es allerdings. Zwar nicht genug, um seinen Ruf am Ende nicht wiederherstellen zu können. Aber genug, um sich vorübergehend zu trennen und beiden Hauptdarstellern die Möglichkeit zu geben, ein paar Szenen lang betrübt ins Weite zu gucken. Erst in den letzten zehn Minuten kommt der Mann zur Besinnung, als ihm auffällt, dass er einen Fehler gemacht hat und unmöglich ohne sie weiterleben kann. Er eilt zu der öffentlichen Veranstaltung, auf der sie sich befindet, und gesteht ihr vor allen Anwesenden seine Liebe. Sie weint, er küsst sie und wenn sie nicht gestorben sind …

Vielleicht ist es dieser immer gleichbleibende Plot klassischer Romanzen, der die kanadische Regisseurin Stella Meghie für "The Photograph" eine andere Herangehensweise wählen lässt. Ihr Drama basiert auf zwei Liebesbeziehungen, die miteinander verflochten sind, obwohl sie in einem zeitlichen Abstand von mehr als 30 Jahren geführt werden. Die eine Geschichte spielt in den 1980er-Jahren, die andere in der Gegenwart.

Als die berühmte Fotografin Christina Eames (Chanté Adams) an den Folgen ihrer Krebserkrankung stirbt, bleibt die ihr entfremdete Tochter Mae (Issa Rae) wütend und mit vielen unbeantworteten Fragen zurück. Erst als sie einen Brief erhält, den ihre Mutter kurz vor dem Tod verfasst hat, bekommt die Mittdreißigerin einige langersehnte Antworten und erfährt von der Geschichte ihrer Mutter, die sie noch nie gehört hatte. Mit einem beigelegten Foto begibt sie sich auf Spurensuche in ihrer eigene Vergangenheit.

Durch den Brief kann Mae ihre Mutter und deren Eigenheiten nicht nur immer besser verstehen - sie erkennt auch, dass sie viele ihrer Charakterzüge geerbt hat. Diese hindern sie nun selbst daran, sich auf andere Menschen einzulassen. Durch die vielen Rückblicke in Christinas Leben mit ihrem Ex-Freund Isaac, ihre Fehlkommunikation und dem Scheitern ihrer Beziehung geht es in "The Photograph" um den "Generationenfluch", der auf Mae lastet. Denn die ambitionierte Kuratorin ist drauf und dran, die mütterlichen Fehler mit dem aufstrebenden Journalisten Michael (Lakeith Stanfield) zu wiederholen - der ausgerechnet eine Story über ihre Mutter schreibt.

Wichtiger Beitrag für Diversität in Filmen

Stella Meghies Verzicht auf viele "Rom-Com"-Klischees ist zwar durchaus löblich. Leider ist es aber auch genau das, was "The Photograph" an einigen Stellen unerträglich langatmig macht. So fehlen der Story einfach der Spannungsbogen und Überraschungsmomente, die einen Film sehenswert machen. Nichts, absolut nichts lässt Mae und Michael in Wallung geraten. Jede noch so kleine Möglichkeit, ein bisschen Feuer zu entfachen, wird im Keim erstickt, bevor es auch nur ansatzweise zu einer Meinungsverschiedenheit kommen kann. Diese ach so reife und gesunde Beziehung scheint zu erzwungen. Vorhersehbar ist die Handlung auch, was den Streifen an vielen Stellen noch langweiliger macht. Und wer sich den Trailer angesehen hat, kann sich den Film gleich sparen - viel mehr passiert nicht.

Auch bei der doppelten Erzählung und den verstrickten Beziehungen handelt es sich um gute Ansätze, die aber leider nur mittelmäßig umgesetzt wurden. Denn die gewünschte Tiefe haben sie den oberflächlichen Charakteren nicht verliehen. Der Versuch, ganze Dialoge durch Blickkontakte zu ersetzen, macht es nicht besser. Schade, denn das führt dazu, dass die vielversprechenden Schauspieler Lakeith Stanfield ("Atlanta", "Knives Out") und Issa Rae ("Insecure", "The Lovebirds") in ihren Rollen verkrampft und unglaubwürdig erscheinen. Einzig Lil Rel Howery als Michaels älterer Bruder lockert einige Szenen mit seinem dringend benötigten Humor ein wenig auf.

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Eines muss man "The Photograph" allerdings zugutehalten: Er ist ein wichtiger Beitrag für Diversität in Filmen. Denn bei fast allen Schauspielern handelt es sich um Afroamerikaner. Ihre Geschichten werden auf der Kinoleinwand viel zu selten und wenn doch, dann viel zu einseitig porträtiert - vor allem in Produktionen, die in der heutigen Zeit spielen. Ganz nüchtern und unaufgeregt beleuchtet das Drama zwei Liebesbeziehungen zwischen Schwarzen, ohne dabei auf Rassismus und Stereotype wie Drogen, Gewalt oder sonstiges dysfunktionales Verhalten zurückzugreifen. Stattdessen zelebriert der Film schwarze Kultur, schwarze Kunst, schwarzen beruflichen Erfolg und schwarze Liebe. Es wäre durchaus wünschenswert, in Zukunft mehr Produktionen wie diese zu sehen - nur halt bitte ein bisschen spannender.

"The Photograph" läuft ab sofort in den Kinos.

Quelle: ntv.de