Hörbücher

"Ich bin viele, wir sind ich" Der Innenminister stirbt zuerst

Ghostbox 2.jpg

Die 2. Staffel von Ivar Leon Mengers "Ghostbox" ist ein Audible Original.

(Foto: Audible)

Der deutsche Innenminister wird vor laufenden Kameras von einem Journalisten erschossen. Reporterin Lena ist sofort heiß auf das Thema, in dem Russen, Chinesen und eine geheimnisvolle Technologie mitzumischen scheinen. Eine Technologie, die Lena schon einmal kennengelernt hat: "Ghostbox".

2022: Deutschlands Innenminister hält eine Pressekonferenz. Sie wird live im Fernsehen übertragen. Der deutsche Innenminister genießt hohes Ansehen in der Bevölkerung, auch wenn er nicht ganz unumstritten ist. Als Innenminister polarisiert man nun einmal: Für die einen ist man zu lasch in Sicherheitsfragen, für die anderen zu streng, wenn es um die Freiheitsrechte geht. Doch diese Pressekonferenz ist anders, sie wird in Erinnerung bleiben als Auftakt von etwas, das die Welt für immer verändern wird.

Der Innenminister spricht. Dann fallen wie aus dem Nichts Schüsse. Ein Mann steht mit der noch immer auf den Körper des Innenministers zielenden Waffe im Raum. Seine Worte hallen in dem Raum nach, prägen sich in den Gehirnen der erschrockenen Gäste und Journalisten ein - ohne dass sie einen wirklichen Sinn ergeben: "Ich bin viele, wir sind ich."

Einem Scoop auf der Spur

Auch die "Tagesspiegel"-Reporterin Lena Gruenwald ist geschockt, als sie von dem Attentat erfährt. Mitten in Berlin erschießt ein Unbekannter den deutschen Innenminister? Wieso? Sie wird vom Chef mit der Recherche dieses Falls betraut. Ein Jungredakteur soll ihr dabei helfen. Schnell führen die Spuren sie aus Berlin heraus, nach Frankfurt, denn der Attentäter war ein Kollege, ein Journalist der "Rundschau".

Aber es wird noch dubioser: Auch in Heidelberg, wo Lenas Bruder vor ein paar Jahren ums Leben kam, sucht ein ehemaliger Polizist, der sich jetzt als eine Art Teilzeit-Privatdetektiv versucht, den "Rundschau"-Journalisten. Dessen Frau war zu ihm gekommen und hatte ihn als vermisst gemeldet. Der Ex-Polizist fragt bei seinen ehemaligen Kollegen nach, recherchiert - und findet heraus, dass der Journalist auf einer griechischen Insel zuletzt gesehen wurde. Er lädt daraufhin kurzerhand seine Freundin zu einem Trip auf diese Insel ein, zu der Normalsterbliche eigentlich keinen Zugang zu haben scheinen: Darknet und Bitcoin lauten die Zauberworte.

All inclusive, auch die KI

SK7_1066(2).jpg

Bereits Ivar Leon Mengers Audible Original "Monster 1983" war ein Kult-Hörspiel. Die "Ghostbox"-Reihe steht dem in nichts nach.

(Foto: Ivar Leon Menger, Audible)

Die Insel gehört einem milliardenschweren Russen, die Gebäude haben Chinesen gebaut. Sie ist vollgepackt mit neuester, smarter Technik und hält einige Überraschungen parat: Die Smartphones der Gäste werden einkassiert. Stattdessen bekommen sie ein smartes Armband, das ihnen alle Wünsche sofort erfüllt - die Gäste aber auch komplett überwacht. Überhaupt ähnelt das Geschehen auf der Insel den Vorgängen in einer Sekte: Es scheint geheime Rituale zu geben, dazu eine Art Brainwashing und all das verbunden mit Hochtechnologie, mit Künstlicher Intelligenz (KI). Und immer wieder rufen die Inselbesucher: "Ich bin viele, wir sind ich."

Auf einmal steht der Heidelberger Ex-Polizist einem alten Bekannten aus seiner Heimatstadt gegenüber und die Vergangenheit holt ihn ebenso ein wie die Reporterin Lena, die mittlerweile auch Bekanntschaft mit dem Verfassungsschutz gemacht hat und von ihrem Chef kaltgestellt wurde, nachdem dieser Besuch "von ganz oben" bekommen hat. Ist da eine geheime Verschwörung im Gange? Mit welchem Ziel? Wer oder besser was will die Macht übernehmen? Spielt die "Ghostbox" dabei eine Rolle? Wurde sie etwa gar nicht zerstört?

Die "Ghostbox" ist zurück

Doch. Die in der Heidelberger Uniklinik schon. Ihr Schöpfer Thomas Koch ist aus Deutschland abgetaucht, abgehauen nach China, die "Ghostbox"-Technologie nahm er mit, in seinem Kopf. Die "Ghostbox" ist eine Art virtueller Friedhof, mit dessen Hilfe Hinterbliebenen ermöglicht wird, Verstorbene zu besuchen. Ein bahnbrechendes Projekt! Der Nobelpreis winkt!

Doch bei den Probanden auftretende Nebenwirkungen, die sich wie ein gefährliches Virus verbreiten, beendeten Kochs Studien in Heidelberg einst unerwartet schnell. Und diese Nebenwirkungen treten nun auch bei Testusern in China auf. Koch weiß davon lange nichts. Vielleicht zu lange: Das Virus verbreitet sich rasend schnell und nimmt über die technologielastige Ferieninsel vor der griechischen Küste Kurs auf Europa. Der Tod des Innenministers ist erst der Anfang. Die Welt von morgen wird eine andere sein. Denn war es im ersten "Ghostbox" nur das Virus, das sein Unwesen getrieben hat, kommt nun in der Fortsetzung noch KI dazu. Diese Mischung ist satanisch.

Aber sie ist es auch, die Ivar Leon Mengers zweiten "Ghostbox"-Streich gleichermaßen unterhalt- und bedeutsam macht. Als Zuhörer des Audible Originals braucht man zwar einige Minuten, um sich wieder an die bekannten Charaktere aus dem Erstling zu erinnern, aber danach fühlt er sich wie ein Weltreisender, der nach einem Jahr wieder in sein Zuhause zurückgekehrt ist: Er fühlt sich pudelwohl und es ist so, als wäre er nie weg gewesen. Das liegt nicht nur an den Charakteren, sondern auch an vielen bekannten Hörspiel- und Synchronstimmen wie Peter Lontzek, Detlef Bierstedt, David Nathan oder auch Yvonne Greitzke.

Und "Ghostbox 2" ist ein Hörspiel par excellence: Nicht nur die schiere Masse an sehr guten Stimmen zeigt, dass für das neue Werk Mengers Geld in die Hand genommen worden ist. Auch die zum Einsatz gekommenen sogenannten binauralen Effekte, die ein besonders räumliches Klanggefühl beim Zuhörer erzeugen und ihn so scheinbar mitten hinein ins Geschehen ziehen, unterstreichen das.

ANZEIGE
Ghostbox. Die Gedanken waren frei: Staffel 2
23,23 €
*Datenschutz

Menger hat nach der "Monster 1983"-Reihe mit der "Ghostbox"-Serie bereits seinen zweiten Mystery-Hörspiel-Meilenstein geschaffen. Er verbindet gekonnt tagesaktuelle Themen mit Zukunftsszenarien, die durchaus im Bereich des Möglichen erscheinen. Ein tödliches Virus, eine mordende KI, der Kampf der Staaten und Regionen um die technologische Vorherrschaft. Das alles greift Menger auf, vermischt es mit Gesellschaftskritik und gibt noch zum Teil beißende Dialoge dazu - und eine zweite Zeitebene. Sie ist etwa 40 Jahre nach dem Tod des deutschen Innenministers angesiedelt und zeichnet ein erschreckendes Zukunftsbild, aber auch eines, das man verändern kann. Frei nach Lena Gruenwald: "Es ist wichtig, Grenzen zu überschreiten. Es geht um unsere Freiheit."

Quelle: ntv.de