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Mord an ObdachlosemFinnisches Ermittlerteam offenbart dunkle Geheimnisse

18.01.2026, 12:03 Uhr Thomas-BadtkeVon Thomas Badtke
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Empathielosigkeit gegenüber Schwächeren steht im Mittelpunkt des neuen Thrillers von Arttu Tuominen. (Foto: picture alliance / Frank May)

Die Zeiten sind hart, Nächstenliebe ist Mangelware. Jeder scheint sich selbst der Nächste. Als ein Obdachloser misshandelt und angezündet wird, ist der öffentliche Aufschrei groß. Die Polizei hat eine Jugendbande in Verdacht. Aber in Arttu Tuominens neuem Thriller geht auch das Gerücht über einen "Erlöser" um.

Es gibt Buchreihen, die fesseln von Beginn an. Und auch wenn man mal ein Werk der Serie auslässt oder es verpasst, ist man danach sofort wieder Feuer und Flamme. Die "River Delta"-Reihe von Arttu Tuominen ist so ein grandioser Serien-Pageturner. Und auch die Audiobooks, beides erschienen bei Lübbe, will man in einem Rutsch durchbingen. Mit "Was wir nicht sehen wollen" ist das mittlerweile fünfte Werk der finnischen Erfolgsreihe erschienen. Und es ist brandaktuell.

Denn Tuominen macht die allgemeine Verrohung der Gesellschaft zum Thema: In der Innenstadt von Pori wird die Leiche eines Obdachlosen entdeckt. Er wurde angezündet. Im Verdacht hat die Polizei eine Gruppe Jugendlicher, die bereits mehrfach unangenehm aufgefallen sind: Auf Droge bepöbeln und misshandeln sie immer wieder Schwächere. Die Ermittlungen führt Susanna Manner an. Aus gutem Grund.

Manner wurde während ihrer Schulzeit schwanger, seitdem gibt es nur noch sie und ihren Sohn. Aber trotz all der ihm entgegengebrachten Liebe und Zuneigung ist er auf die schiefe Bahn geraten: Alkohol und Drogen zerstören ihn immer mehr. Als er mit zwei Freunden versucht, ins Dealen einzusteigen, statuiert Unterweltboss Dragan ein Exempel an den Freunden. Nur Manners Sohn wird verschont, auch weil Dragan hofft, Manner so in der Tasche zu haben. Die Ermittlerin muss nun doppelt auf der Hut sein: vor Dragan und ihrem Team.

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Vor allem Jari Paloviita stürzt sich in die Arbeit. Er sucht Ablenkung von der Trennung seiner Frau. Aber auch sein Kollege Henrik Oksman und seine Kollegin Linda Toivonen sind an Bord, um den Fall schnell zu lösen. Denn der tote Obdachlose ist nicht die einzige Leiche, die auftaucht und am Image der Polizei von Pori kratzt.

Blick in Abgründe

"Was wir nicht sehen wollen" ist harter Tobak. Aber Tuominen scheut sich nicht, brisante Themen anzugehen. Das hat bereits der Vorgänger "Was wir ihnen antun" eindrucksvoll gezeigt, in dem es um Pädophilie und soziale Netzwerke ging. Wie auch in den anderen Büchern der Reihe erfuhren Leser und Hörer dabei auch etwas über die Vergangenheit eines der Mitglieder des Ermittlerteams. Es war Linda: Als Jugendliche ein Model, in Mailand mit einem einschneidenden Erlebnis konfrontiert. Alkoholikerin, geschieden, Mutter einer Teenie-Tochter.

Diesmal steht Susanne im Mittelpunkt, besser: ihre Vergangenheit. Das Zerwürfnis mit ihren Eltern, mit dem jüngeren Vater ihres Sohnes. Ihr Umzug nach Pori, der an ihren Lebensumständen nicht wirklich etwas geändert hat: Sie schützt ihren Sohn wie eine Löwin. Komme, was wolle. Sie setzt dafür sogar ihren Job aufs Spiel. Am Ende des fünften Bandes der "River Delta"-Reihe hat auch sie ein dunkles Geheimnis offenbart, wie schon die anderen Ermittler vor ihr.

Und wieder hat man als Leser und Hörer der Reihe ein weiteres Puzzleteil für das Gesamtbild freigelegt. Ist tiefer in das Leben der finnischen Stadt Pori am Flussdelta vorgedrungen, hat Gerüche aufgesogen und in Abgründe geblickt. Pori ist der Kitt, der die bisherigen Elemente der Tuominen-Reihe zusammenhält. Paloviita liebt diese Stadt, ebenso der Rest des Ermittlerteams. Es ist ihre Heimat, ihr Zuhause, ihr Leben - und Poris Geschichte ist noch nicht auserzählt. Das dicke Ende kommt erst noch!

Quelle: ntv.de

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