Hörbücher

"Geld als Waffe"Wie Krieg und Frieden von der Wirtschaft abhängen

21.03.2026, 12:08 Uhr Thomas-BadtkeVon Thomas Badtke
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Geld ist eine Waffe und Waffen kosten Geld. (Foto: picture alliance / SvenSimon)

Russland befindet sich im Krieg, die Wirtschaft des größten Landes der Welt im Kriegsmodus - und Europa rüstet auf. Aus gutem Grund? Kann Putin nicht anders, muss er das Baltikum, Polen, Deutschland, die Nato angreifen? Und wie ist es um Chinas Militär bestellt? Ein Hörbuch öffnet die Augen.

In der Ukraine tobt seit mehreren Jahren bereits ein Krieg. Der menschliche Blutzoll geht in die Hunderttausende, mindestens. Aber der russische Aggressor ist nach wie vor weit entfernt von einer Eroberung Kiews. Ganz im Gegenteil. Aber ein Einlenken, Waffenstillstandsgespräche oder gar Friedensverhandlungen? Nicht mit Moskau, nicht mit Wladimir Putin. Diese Art "Sieg" hat in seinem imperialen Gedankengut keinen Platz. Und so rüstet Europa auf, beschwört Deutschland die "Zeitenwende", denn ein Angriff von Putins Russland auf einen weiteren europäischen Nachbarn scheint unumgänglich, nur noch eine Frage der Zeit.

Aber ist das wirklich so? Kann Putin nicht mehr aus seiner Haut und die russische Wirtschaft nicht mehr aus dem Kriegsmodus zurück? Und wie steht es um China und die Machtgelüste Xi Jinpings Taiwan betreffend? Droht da der nächste Krieg? Arbeiten die beiden "Reiche" zusammen? Was bedeutet das für Deutschland, für Europa? Die angesehene deutsche Wirtschaftsredakteurin Ulrike Herrmann geht diesen Fragen in ihrem neuen Buch "Geld als Waffe", erschienen bei Kiepenheuer & Witsch sowie bei Hörbuch Hamburg, nach. Es ist eine augenöffnende Bestandsaufnahme aus der Sicht einer Wirtschaftsexpertin und eine Analyse, die für Gänsehaut sorgt.

Putins Irrweg

Dabei gilt laut Herrmann: "Geld ist die zentrale Waffe." Der Grund: Waffen kosten Geld. Das war früher so und hat sich bis heute nicht geändert. Panzer, Flugzeuge, Haubitzen, Raketen, Drohnen, Bomben: Der Preis ist heiß. Und auch wenn Russland kostengünstiger produziert als der Westen (Stichwort: Skaleneffekte), muss auch hierfür erst einmal das nötige Kleingeld her. Ein Rohölpreis um die 100 Dollar oder höher, wie etwa derzeit, dürfte Putins Kriegsherz höher schlagen lassen, denn das Gros der Einnahmen erzielt Russland mit Rohstoffen.

Das ist ein Vorteil Putins: Die russische Ökonomie ist auf Kriegswirtschaft umgestellt. Das heißt, dass alles, was Rüstung betrifft, Vorrang hat. Eine Umstellung, quasi eine Rückabwicklung in Richtung Normalität, ist äußerst langwierig und alles andere als problemfrei. Auch deshalb gehen einige Militärexperten davon aus, dass - sollte Putin sein Ziel der Eroberung der Ukraine erreicht haben - "andernorts" weitermachen wird, ja muss. Allein ein Rückbau der in der Rüstungsindustrie derzeit Beschäftigten auf ein normales Vorkriegsmaß dürfte die Arbeitslosigkeit in die Höhe schnellen lassen und birgt soziales Sprengstoffpotenzial.

Auch in China ist laut Herrmann längst nicht alles Gold, was glänzt. Das Wirtschaftswachstum hat sich in den vergangenen Jahren verlangsamt, die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen Land und Stadt ist groß und wächst weiter. Ein "Ablenkungsszenario" gefällig? Ein Angriff auf Taiwan. Die Folgen wären für die Weltwirtschaft - und damit auch für China selbst - katastrophal: In Taiwan hat der weltgrößte Chipauftragsfertiger TSMC seinen Sitz. Er beliefert etwa Nvidia, billionenschwerer KI-Spezialhalbleiterkonzern, und Apple, ebenfalls billionenschweres US-Technologieschwergewicht.

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Rohstoffe als Drohstoffe

Noch verfügen die USA über die größte Wirtschaft, das größte Militär, die meisten Atomwaffen. Aber China holt auf, schneller als US-Präsident Donald Trump lieb sein dürfte. Aktuell ist das Reich der Mitte bereits Weltmarktführer in den Bereichen Stahl, Aluminium, Schiffbau, Batterien, Solarpanels, E-Autos, Windräder, Unterhaltungselektronik, Hochgeschwindigkeitszüge - und: Drohnen. Diese werden auch nach Russland verkauft.

Bei seltenen Erden besitzt China quasi ein Monopol. Wer nicht macht, was Peking will, oder besser Xi, bekommt den langen Arm Chinas zu spüren. Japan weiß davon ein Lied zu singen: Das Land sucht nun nach eigenen Vorkommen und hat sich bei einem australischen Förderer eingekauft. Ein sehr teures Unterfangen zwar, aber ein bisschen mehr Unabhängigkeit von China kostet eben. Das wissen auch die Europäer.

Fakten und Geschichte, die Spuren hinterlassen

"Geld als Waffe" führt noch mehr Fakten an, die dabei helfen, die komplex erscheinende geopolitische Lage zu entwirren. Einfach: Licht ins Dunkel bringen. Herrmann führt die militärischen Kräfteverhältnisse Russlands, Chinas, Europas und der USA ins Feld. Sie geht aber auch auf geschichtliche Zusammenhänge ein, findet Gemeinsamkeiten zwischen den Führern Putin und Xi. Was sind ihre Machtstrategien? Was verbirgt sich dahinter? Herrmann deckt aber auch Unterschiede auf: "Putin agiert wie ein Mafia-Boss und setzt auf das Prinzip 'Teile und Herrsche'." Und Xi? "Xi hingegen nimmt Säuberungen vor, die an die Verfolgungswellen unter Mao erinnern."

Das Hörbuch, gesprochen von Sandra Voss, umfasst knapp acht Stunden und kann dadurch durchaus in einem Rutsch konsumiert werden. Im Kopf der Hörer bleibt es aber sehr viel länger. Dabei spielt auch der die Kernfragen begleitende Stoff eine Rolle. Ein Exkurs zum Thema Freihandel ist ebenfalls Teil des Buches, wie das Thema atomare Abschreckung und die Auswirkungen nuklearer Winter oder auch "Star Wars". Ein Aha-Effekt jagt den nächsten, hält die Spannung hoch, ebenso wie die Geschwindigkeit. "Geld als Waffe" ist sowohl als Buch wie auch als Hörbuch ein absolutes Muss, gerade in der heutigen Zeit - und für Wirtschaftsnerds: "Die Papiere des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall notierten vor dem Ukraine-Krieg bei etwa 80 Euro. Im Herbst 2025 standen sie bei 1880 Euro." Geld als Waffe …

Quelle: ntv.de

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