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Wird demnächst 40 - und ein bisschen weiser? Bushido.
Wird demnächst 40 - und ein bisschen weiser? Bushido.(Foto: imago/Future Image)
Freitag, 14. September 2018

Abrechnung mit "Mephisto": Bushido lässt die Hosen runter

Von Volker Probst

Mit Spannung war Bushidos neuer Song "Mephisto" erwartet worden. Schließlich hieß es, das Lied werde eine Abrechnung mit dem arabischen Clan-Chef Abou-Chaker. Jetzt ist es da - und gleicht einer Sensation. Vielleicht.

Eines vorneweg: Es fällt kein Name. "Von jetzt an keine Kompromisse mehr, Dissen ohne Namen nennen, glaub mir mal, sie wissen, wer die Seele dieses Jungen genommen hat aus Gier", rappt der "Junge" Bushido gegen Ende seines neuen Songs "Mephisto", den er nun samt zugehörigem Video bei Youtube veröffentlicht hat.

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Doch nach allem, was im Vorfeld kolportiert wurde, ist klar, wer mit dem Teufel gemeint sein soll: Arafat Abou-Chaker, arabischer Clan-Chef in Berlin und viele Jahre nicht nur Kumpel und Geschäftspartner von Bushido, sondern so etwas wie ein "Blutsbruda" des Rappers. Schließlich sollen die beiden einst sogar eine Generalvollmacht unterzeichnet haben, die Abou-Chaker die Verfügung über das Vermögen Bushidos noch über dessen Tod hinaus attestiert.

Binnen weniger Stunden wurde "Mephisto" bereits rund eine halbe Million Mal bei Youtube abgerufen. Kein Wunder, war der mehr als 10 Minuten lange Track doch schon weit im Vorfeld als spektakuläre Abrechnung des Musikers mit dem Clan-Chef angekündigt worden, von dem sich Bushido im März in einem öffentlichen Statement losgesagt hatte. Zudem ist das Lied der erste Vorbote auf das kommende Studioalbum des Rappers mit dem Titel "Mythos", das am 28. September und damit genau am 40. Geburtstag Bushidos erscheinen soll.

Schonungslose Abrechnung

Und in der Tat: Das, was der als Anis Ferchichi geborene Sänger in "Mephisto" vom Stapel lässt, hört sich an wie eine Sensation. Jedenfalls lassen sich die Zeilen, die Bushido rappt, nicht nur als schonungslose Abrechnung mit Abou-Chaker interpretieren, sondern auch mit seiner eigenen Karriere. Glaubt man den Worten des Sängers in dem Song und überträgt sie auf die Realität, dann war er über Jahre fremdbestimmt. "Der Junge überlegte, zu wenig sprach dagegen, heute weiß er, damals trat der Teufel in sein Leben", rappt Bushido offenbar im Rückblick auf seine musikalischen Anfänge.

Und er fährt fort: "Auf einmal musste er sich um die Zukunft nicht mehr sorgen, der neue Sound Electro, der Junge aus dem Ghetto. Er wurde zum Geschäftsmann, aus Brutto wurde Netto. In Deutschland herrschte Chaos, er machte sich zum Staatsfeind, die Rolle seines Leben - Joker, Dark Knight. Jeder wollt' ihm nah sein, die Wörter wurden Gold. Blut, Schweiß und Tränen, die Lawine kam ins Rollen. Die Seele war verkauft, der Junge stieg auf seinen Thron. Für viele ein Idol, doch seine Freiheit Illusion."

Als Knackpunkt für das Verhältnis zwischen "Mephisto" und dem "Jungen" erweist sich dem Songtext zufolge jedoch schließlich das Privatleben. "Und viele Jahre lief es, drehten sich die Rädchen, bis zum ersten Februar, der Junge traf ein Mädchen. Sie würde vieles ändern und irgendwie geschah es, dass sie an seiner Seite blieb, endlich etwas Wahres zwischen all den Lügen und finsteren Gestalten. Der Junge wurde Vater und nichts blieb mehr beim Alten. Mephisto säte Zwietracht und zog alle Register, auf einmal war er Anwalt, Kläger sowie Richter", deutet Bushido an, dass durch die Beziehung mit Anna-Maria Lagerblom, der Schwester von Popstar Sarah Connor, ab 2011 die Bande mit Abou-Chaker Risse bekam.

Parallelen zur Realität

Eine Textzeile wie "Die Ehe lag in Scherben" deckt sich mit Berichten, wonach es 2014 zwischen Bushido und seiner Frau so heftig kriselte, dass sie vorübergehend sogar aus dem gemeinsamen Zuhause flüchtete. Im Song wiederum setzt "Mephisto" alles daran, das Paar auseinanderzubringen - so lange, bis der "Junge" letztlich aufbegehrt und sich ein für alle Mal von ihm abwendet.

Bushidos Album "Mythos" erscheint am 28. September.
Bushidos Album "Mythos" erscheint am 28. September.(Foto: Bushido)

Doch nicht nur mit Blick auf sein Privatleben scheint Bushido einiges zu bereuen, sondern auch hinsichtlich seines Werdegangs als Musiker. "Es gab Zeiten, da folgte er Mephisto wie blind, hörte die Lügen immer wieder wie das Flüstern im Wind, wurde genauso wie er, gab den Widerstand auf. Jetzt muss er vieles geraderücken, weil ihm niemand mehr glaubt. So viele Menschen erniedrigt, sich unfair verhalten. Auf dem Weg ihres Erfolges liegen hunderte Leichen", heißt es in "Mephisto".

Auch ein Satz wie "Er würde sogar mit dem Tod bezahlen, denn er hat keine Angst", scheint Parallelen zur Realität aufzuweisen. Schließlich wandte sich Anna-Maria Ferchichi zuletzt mehrfach über Instagram in aller Öffentlichkeit an Abou-Chaker und deutete an, dass der Clan-Chef ihrer Familie sogar Gewalt antun könne.

Vom Saulus zum Paulus und zurück

Seit er sich vom Teufel abgewandt habe, sei das Leben "wieder voller Farben", rappt Bushido schlussendlich in "Mephisto". "Man wird von ihm erzählen: 'Er war ein guter Junge mit Wut in seiner Lunge und dem Herzen auf der Zunge. Die Fehler, die er machte, sind tief in ihm verankert. Für jeden Tag mit der Familie ist er dankbar.' Denn es geschehen Dinge, die meisten Leute zweifeln. Verständlich, dass viele von ihnen für die Wahrheit nicht bereit sind. Der größte Trick des Teufels, mal abseits seiner Pläne, war die Menschheit glauben lassen, dass es ihn nicht gäbe", endet der Song. Im Video tritt Bushido dabei aus dem Bild mit einer Jacke, auf der der Schriftzug "Saving Lives - Changing Lives" ("Leben retten - Leben verändern") prangt.

Lässt Bushido hier tatsächlich die Hosen runter? Ist es die Flucht nach vorn? Eine erneute Rolle rückwärts? Schließlich wandelte sich der Musiker schon einmal vom Saulus zum Paulus und wieder zurück. Auf seine Anfänge als "Rüpel-Rapper" folgte seine scheinbare Abkehr vom Böse-Buben-Image, Integrations-Bambi und Bundestagspraktikum inklusive, nur um wenig später erneut den unbelehrbaren Gangsta zu geben, der etwa der damaligen Grünen-Chefin Claudia Roth musikalisch "Löcher wie ein Golfplatz" verpasste.

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, heißt es bekanntlich. Und nachdem sich Bushido selbst in der Vergangenheit nur allzu gern als "Mephisto" gerierte, bleibt fraglich, wie ernst seine durchaus auch selbstkritischen Töne in dem Song zu nehmen sind. Eine Antwort könnte sein kommendes Album liefern. Die Werbetrommel dafür ist nun auf jeden Fall schon einmal kräftig gerührt.

Quelle: n-tv.de