Musik

Der dänische Justin Timberlake? Christopher rollt das Feld von Norden auf

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Den Blick hat er doch geübt!!

(Foto: Daniel_Hjorth)

Ist der nicht ein bisschen zu gut, um wahr zu sein? Christopher nimmt seine Rolle als Vorbild ernst und versucht, trotz großer Genialität nicht abzuheben. Das nötigt sogar den mit allen Wassern gewaschenen Musikjournalisten von n-tv.de den größten R-E-S-P-E-K-T ab.

Christopher Nissen aus Kopenhagen erobert gerade die Poplandschaf -, und zwar, indem er ein Land nach dem anderen mit seinen positiven, euphorisch-melodischen Songs aufrollt. In Skandinavien ist der 27-Jährige schon eine echte Hausnummer, in China und Südkorea kann er nicht mehr ohne Groupie-Kreischen vor die Tür gehen. Jetzt, da der Däne sein neues Album "Under The Surface" veröffentlicht und im Mai bei uns live spielen wird, sind wir an der Reihe, dem Christopher-Charme zu erliegen.

n-tv.de: Christopher, deine Plattenfirma sieht in dir den "skandinavischen Justin Timberlake".

Christopher:  (lacht) Damit kann ich leben. Ich liebe Justin Timberlake und finde es bewundernswert, wie er sich vom Teenager-Idol zu dieser Ikone der Popmusik entwickelt hat - mit einigen der besten Popsongs, die je gemacht wurden.

Hast du auch in einer Boygroup angefangen?

Nein, das war bei uns zu Hause auf dem Dachboden. Ich war 12, als ich anfing, Gitarre zu spielen und ein bisschen zu singen. Ich wollte die Mädchen beeindrucken. Dann gewann ich bei uns in der Schule einen Gesangswettbewerb und dachte: "Na, vielleicht wird das doch was." Also fing ich ernsthaft an zu üben und zu komponieren. Ich spielte Tag und Nacht bei uns unterm Dach, weil ich meine Eltern und meinen kleinen Bruder dort am wenigsten nervte. Mit 17 traf ich jemanden, der jemanden kannte, der bei einem Label arbeitete. Dort ging ich einfach hin und sang den Mitarbeitern in der Mittagspause ein paar Lieder vor. Zwei Wochen später hatte ich meinen Vertrag.

Hat das mit den Mädchen funktioniert?

Oh ja, total. Wirklich. Ein Lächeln, eine Stimme und eine Gitarre, das hat zusammen noch besser funktioniert, als ich gedacht hätte. (grinst)

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Auf diesem Album ist er sehr ehrlich und persönlich!

(Foto: Daniel_Hjorth)

Wie jung sind denn die Mädels, die zu deinen Shows kommen?

Am Anfang war ich 18 und die Mädels vielleicht so 14 oder 15. Du merkst, dass die echt loyal, aber auch sehr beeinflussbar sind. Wenn du rauchst, fangen sie auch an zu rauchen, weil sie meinen, das wäre cool. Anfangs dachte ich: "Komm, egal, ich bin so, wie ich bin, aber du kapierst recht schnell, dass mit großer Macht auch große Verantwortung einhergeht. Ich nehme das ernst und will ein anständiges Vorbild sein, bescheiden bleiben und freundlich."

Der Spruch mit der Macht und der Verantwortung stammt von Spidermans Onkel.

Mein absolutes Lieblingsfilmzitat.

Kannst du dich mit Spiderman identifizieren?

Naja, auch ich bin eigentlich ein entspannter, normaler Typ, der in einem bestimmten Bereich überdurchschnittliche Fähigkeiten hat (lacht). Ich bin weit davon entfernt, ein Superstar zu sein, doch wenn die Leute alle sagen: "Mensch, du bist so toll, so genial, wie lieben dich", dann wird es schon knifflig, nicht abzuheben. Mir kommt zugute, dass ich aus einer sehr liebevollen Familie komme. Meine Eltern hätten mich immer unterstützt, egal was ich gemacht hätte. Sie sind glücklich, wenn sie wissen, dass ich tue, was ich am meisten liebe. Und jetzt fängt sogar schon mein Bruder an. Der ist 20 und produziert erste Songs.

Hast du überhaupt eine Ausbildung gemacht?

Nein, ich habe das Gymnasium mit dem Schwerpunkt "International Business" abgeschlossen. Mit 18 habe ich ja schon erste Shows gespielt und schnell so viel Geld verdient, dass ich davon leben kann.

"Under The Surface" ist bereits dein viertes Album. Du sagst, es bedeutet dir besonders viel. Weshalb?

Weil ich zum ersten Mal sehr ehrliche und wirklich persönliche Lieder geschrieben habe. Ich zeige den Leuten meine Selbstzweifel und meine Unsicherheiten. In "Irony" zum Beispiel geht es darum, dass wir im Netz immer nur die beste Version unserer selbst zur Schau stellen. Alle sind reich, schön und super gut drauf. Und alle sind handysüchtig - wir haben eben auch jede Menge Macken. Die sollte man nicht krampfhaft unter den Tisch kehren.

In "My Heart" fantasierst du darüber, dass dich deine Freundin verlässt?

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Seine Freundin - zusammen sind sie quasi unerträglich schön.

(Foto: Cecilie Haugaard/ Instagram)

Ja, das ist aktuell meine allergrößte Befürchtung. Ich bin seit fünf Jahren mit meiner Verlobten zusammen, in wenigen Wochen wollen wir heiraten, eigentlich ist alles gut. Trotzdem nagen da diese Sorgen. Ich bin viel auf Tour, und einmal war ich fast vier Monate ununterbrochen weg. Wenn du dich so lange nicht siehst, verlierst du ein bisschen die Verbindung zueinander. Ich bekam echt Zweifel, ob wir das alles wieder würden aufbauen können, was wir miteinander haben. Ich malte mir aus, ich komme wieder und sie packt gerade ihre Sachen. Ich hatte Angst, sie liebt mich nicht mehr. Tut sie aber doch.

In "Monogamy" singst du, dass du noch nie ein Mädchen betrogen hast. Glaubt deine Freundin, das dänische Model Cecilie Haugaard, dir denn diese Behauptung?

Das ist keine Behauptung, das ist wirklich die Wahrheit. Ich hatte schon mit vielen Mädchen was, aber wenn ich mit einem Mädchen zusammen war, dann bin ich auch immer treu gewesen. Ich habe wirklich versucht, ein guter Junge zu sein. "Monogamy" schrieb ich, während ich mit dem Gedanken herumlief, meiner Freundin einen Heiratsantrag zu machen. Das ist ja keine Kleinigkeit. Ich dachte, wenn ich Cecilie heirate, werde ich wahrscheinlich den Rest meines Lebens mit ihr verbringen. Und als nächstes kam mir in den Sinn, ob wir Menschen denn überhaupt für solche langen Beziehungen gebaut sind. Oder ob das Gras auf der anderen Seite nicht doch vielleicht grüner ist.

Ich hoffe, du hast ihr nichts von deinen Überlegungen erzählt. Sonst hätte sie wohl kaum Ja gesagt.

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Doch, ich habe mit ihr darüber gesprochen. Erwartungsgemäß hält sie nichts von meiner Theorie. Und ich bin auch nicht mehr davon überzeugt. Wenn du immer denkst "Was wäre wenn", dann passiert nie etwas in deinem Leben.

Während du in Deutschland gerade erst bekannt wirst, bist du in Dänemark und Schweden längst ein Star, aber in Asien eine echte Sensation. In China ist praktisch jede deiner Singles ganz vorne in den Charts. Wie kommt das denn?

Eine Mischung aus Zufall und Glück. Mein Song "CPH Girls" (CPH - Copenhagen) lief in einer chinesischen TV-Show namens "Märchenland", darin ging es um Dänemark und speziell um die Geschichten des Hans Christian Andersen, der unter anderem "Die kleine Meerjungfrau" geschrieben hat. Und seitdem sind die Chinesen verrückt nach mir.

Worum geht es in "CPH Girls"?

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Natürlich darum, dass in Kopenhagen die schönsten Mädchen der Welt leben. Was selbstverständlich stimmt (lacht). Die Chinesen hat das jedenfalls schwerstens beeindruckt.

Hast du die Touristenzahlen in die Höhe getrieben?

Das kann schon sein. Wobei es in Kopenhagen sowieso schon vor asiatischen Touristen wimmelt.

Bei uns ist asiatischer Pop, vor allem K-Pop aus Südkorea schwer angesagt, während die Menschen in Asien einem blonden Dänen verfallen sind.

Tja, das ist schon cool und verrückt, aber ich finde es super. In Europa sind ja vor allem Hip Hop und urbane Musik momentan gefragt, aber in Asien ist das kein großes Thema. Dort lieben sie nach wie vor Popmusik über alles, mit richtigen Melodien und richtigem Text. Auch deshalb habe ich mich auf "Under The Surface" entschlossen, voll und ganz mein Ding zu machen.

Ist Dänemark denn das "Märchenland"? Ist bei euch wirklich alles happy und alles hygge?

Nein, auch in Dänemark ist nicht alles rosarot. Ich glaube auch nicht an diese Glücksumfragen. Aber mal so allgemein gesprochen: Wir leben in einer gut funktionierenden Gesellschaft mit Menschen, die viel positive Energie haben und das Beste aus ihrem Leben rausholen wollen. Wir Dänen sind gut darin, es uns schön zu machen.

Mit Christopher sprach Steffen Rüth

Quelle: n-tv.de