Energie, Leidenschaft, HeilungDie Foo Fighters streben ins Licht

Die Könige des Stadionrock lassen nicht locker. Auf ihrem neuen Studioalbum "Your Favorite Toy" präsentieren sich die Foo Fighters rauer und energischer denn je.
Die Frage, ob sich die Foo Fighters nach mehr als 30 Jahren an der Arenarock-Spitze noch einmal neu erfinden, bekam im Februar mit der Veröffentlichung des Titeltracks ihres neuen Studioalbums "Your Favorite Toy" tatsächlich nochmal etwas Futter. Nachdem bereits die erste veröffentlichte Single "Asking For A Friend" mit einer etwas härteren Gangart überrascht hatte, zogen Dave Grohl und Co. plötzlich den Garage-Rock-Trumpf aus dem Ärmel.
Foo Fighters goes The Black Keys? Ja, warum eigentlich nicht. "Nach über einem Jahr des Experimentierens mit verschiedenen Sounds sind wir darauf gestoßen. Es war die Zündschnur für das Pulverfass an Songs, die wir schließlich für dieses Album aufgenommen haben", erklärt der Bandchef.
"Caught In The Echo", die dritte Single des Albums, startet mit einem kreischenden Frontmann und scheppernden Drums, ehe der Song in Richtung Chorus immer zugänglicher wird. Auch der vierte Vorab-Streich schlägt soundtechnisch in die gleiche Kerbe. "Off All People" ist wild und roh. Und auch wenn Dave Grohl mit seiner markanten Strophe und zwischendurch immer wieder akzentuiert eingestreuten Hooks daran erinnert, was die Band in den vergangenen drei Jahrzehnten so groß werden ließ, bleibt nicht unbemerkt, dass die jüngere, für die Band sehr intensive Vergangenheit hörbar Spuren hinterlassen hat.
Allgegenwärtige Trademarks
Der Tod von Gründungsmitglied Taylor Hawkins und der erneute Wechsel hinter dem Schlagzeug (Taylors Nachfolger Josh Freese wurde im Mai 2025 durch Iian Rubin ersetzt) waren einschneidend. So präsentiert sich das neue Album auch als eine Art Wendepunktschaffen. Es ist Zeit für ein neues Band-Kapitel, was nicht zwangsläufig bedeutet, dass sich die Foo Fighters neu erfinden. Die Trademarks sind immer noch allgegenwärtig: Das perfekte Zusammenspiel der Band, das markante Organ von Dave Grohl und das Gespür für hymnenhafte Ausnahmemomente - all das vereint sich auch auf "Your Favorite Toy" zu einem rockigen Ganzen der Extraklasse.
Und doch röhrt auch Neues aus den Boxen. Die Songs klingen ungewohnt rau und schroff. Das kantige "If You Only Knew" könnte auch aus der Feder von Tony Iommi stammen. Die Riff-Arbeit ist intensiv und entschlossen. Die drei Gitarristen liefern ab, keine Frage.
Das finstere "Window" bahnt sich rumpelnd seinen Weg in die Gehörgänge. Es brodelt regelrecht. Beim tosenden "Spit Shine" toben sich die Verantwortlichen so richtig aus. Die Foo Fighters verarbeiten das Geschehene mit viel Intensität, Leidenschaft und noch mehr Überzeugung.
Licht der Hoffnung
Nach einer halben Stunde voller Ecken und Kanten biegt das Schaffen schließlich in die Zielgerade ein. Die Sonne geht auf, und mit ihr keimt die Hoffnung auf bessere Zeiten. "Searching for something to pray - words I can use - to lay your worry down", heißt es im finalen "Asking For A Friend".
Im Eiltempo orientiert sich die Maschinerie am gleißenden Licht in der Ferne, das Besserung und Heilung verspricht. Was sanft startet, drängt irgendwann mit Nachdruck auf die Überholspur. Schweißgebadet und mit wunden Fingern blicken die Foo Fighters voller Hoffnung in die Zukunft. Emotionaler geht es kaum. Das würdige Ende eines kantigen Sound-Abenteuers voller Intensität und Leidenschaft.
