Musik

Vanessa Mai lässt tief blicken "Ich stehe nur ungern im Rampenlicht"

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"Ich habe das Gefühl, dass alles gerade erst so richtig anfängt", sagt Vanessa Mai über ihre Karriere.

(Foto: Sandra Ludewig / Sony Music)

Musikalisch präsent ohne Ende, aber hinter dem goldenen Vorhang nur schwer zu fassen: Lange Zeit präsentiert sich Vanessa Mai als das vielleicht bestgehütete Schlagerolymp-Geheimnis der Republik. Spätestens seit der Veröffentlichung ihres zweiten Nummer-eins-Albums "Schlager" sprudelt die Hinter-der-Fassade-Küche aber in regelmäßigen Abständen über. Plötzlich sind alle im Bilde. Via Instagram und Co outet sich Vanessa Mai als Business-Opfer. Verfolgt vom Dämon namens Erfolgsdruck fühlte sich die Sängerin lange Zeit "leer und unendlich traurig".

Nach einer kurzen Auszeit scheint aber auch schnell wieder die Sonne. Freizügige Bilder, die belegen sollen, dass man sich auch trotz "Feuermal, Minus-A-Körbchen und total schiefem Unterkiefer" wohl in seinem Körper fühlen kann, ernten überall viel Anerkennung und Applaus.

Vanessa Mai ist glücklich, mit sich selbst im Reinen und auskunftsfreudig wie nie zuvor. Urlaubsvideos von den Malediven, Liebesgrüße an den Ehemann und das Offenlegen der Akten "Putzfimmel" und "Naschkatze": Kurz vor der Veröffentlichung ihres neuen Studioalbums "Für Immer" meint man, alle vermeintlich wichtigen Infos über die Sängerin UND die Privatperson Vanessa Mai zu kennen. Aber ist dem wirklich so? ntv.de traf sich mit dem Schlagerstar zum Interview und buddelte noch ein bisschen weiter.

ntv.de: Vanessa, am 24. Januar erscheint dein neues Studioalbum. Was macht "Für Immer" für dich persönlich zu einem besonderen Werk?

Vanessa Mai: Wir haben diesmal völlig befreit, ohne Regeln und Parameter gearbeitet. All das, was mich in der Vergangenheit von außen mit geleitet und beeinflusst hat, war komplett weg. Es ging nur um mich, meine Gedanken, meine Gefühle und meine musikalischen Visionen. So ist ein sehr ehrliches und authentisches Album entstanden, das mir sehr am Herzen liegt.

Mitgeholfen haben auch Xavier Naidoo und Axel Prahl. Welche Zusammenarbeit hat denn bei dir die meisten Spuren hinterlassen?

Beide Kollaborationen waren unheimlich spannend und lehrreich. Xavier gehört für mich zu den größten Sängern und Persönlichkeiten, die wir in Deutschland haben. Mit ihm zu arbeiten, war eine große Ehre für mich. Und mit Axel war es mindestens genauso spannend. Ich hätte mir für den Dreh (im ARD-Streifen "Nur mit Dir zusammen" gibt Vanessa Mai ihr Schauspieldebüt, Anm. d. Red.) keinen besseren Filmpartner wünschen können. Und musikalisch bin ich glücklich, dass ich dank seiner Hilfe auch mal eine neue Seite von mir zeigen kann.

Apropos neue Seiten: Du hast in der Vergangenheit viel Privates und viele Gedanken von dir öffentlich geteilt. Ich würde das gerne noch ein wenig vertiefen. Mein Plan: Ich werfe einfach ein paar Songtitel vom neuen Album in den Raum und stelle dazu ein paar spezifische Fragen. Bist du dabei?

Klar. Bin gespannt.

"Venedig (Love Is In The Air)": Du bist als Musikerin unheimlich viel unterwegs. Welches Reiseziel hat dich bisher am meisten beeindruckt?

Also Venedig war schon richtig toll. Das werde ich so schnell auch nicht vergessen. Amerika ist auch sehr faszinierend. Ich bin jetzt, ehrlich gesagt, weltweit aber auch noch nicht sooooo viel rumgekommen. Das ist echt schwierig. Aber ich kann dir sagen, wo ich in diesem Jahr unbedingt mal hin will. Ich muss mal nach New York. Da bin ich schon richtig gespannt.

Verständlich. Das wäre ich auch. Nächster Song: "Forever". Wenn du dir drei Dinge aussuchen könntest, die dich dein Leben lang begleiten sollen - für was oder wen würdest du dich entscheiden?

Da brauche ich nicht lange überlegen: mein Mann, Gesundheit und meine Musik.

"Blue": Blau ist ja eine schöne Farbe. Alle Menschen lieben den blauen Himmel. Wie sieht's wettertechnisch bei dir aus? Was für ein Jahreszeiten-Typ bist du?

Da bin ich nicht wirklich festgefahren. Ich steh' total auf Winter, Weihnachten und Schnee. Diese urgemütliche Atmosphäre find' ich super. Ich freue mich aber auch schon wieder auf den Frühling, das ganze Vogelgezwitscher und den Sommer.

"Highlight": Erinnerst du dich noch an den Moment, in dem dir klar wurde, dass du mit dem Musikmachen viel erreichen könntest?

Das war eher ein Prozess. Ich kann mich da an keinen bestimmten Moment erinnern. Es ging irgendwie immer einen Schritt weiter. Irgendwann jagte dann ein Highlight das nächste. Seitdem genieße ich das alles nur noch. Ich mache das auch ganz bewusst, denn ich weiß, dass Erfolg vergänglich ist.

"Hast du jemals": Du hast dich ja letztens als leidenschaftliche Hausfrau geoutet. Gibt es noch weitere Eigenschaften oder Faibles, die man nicht unbedingt von dir erwarten würde?

(lacht) Ach, ich weiß nicht. Ich finde das mit der Hausfrau gar nicht so ungewöhnlich. Aber gut, lass mal überlegen … Na ja, ich glaube nicht, dass viele Leute wissen, dass ich privat eigentlich extrem schüchtern und bisweilen auch ziemlich unsicher bin. Das ist aber so. Abseits der Bühne stehe ich nur ungern im Rampenlicht. Da habe ich lieber meine Ruhe.

"Ein letztes Mal": Wir wagen jetzt mal einen weiten Blick in die Zukunft. Könntest du dir vorstellen, auch im gesegneten Rolling-Stones-Alter noch auf der Bühne zu stehen?

Hier und heute ans Ende zu denken, schmerzt. Ich habe eher das Gefühl, dass alles gerade erst so richtig anfängt. Ich glaube, dass das Leben einem schon zeigt, wann und wie bestimmte Dinge zu Ende gehen sollen. Es kommt, wie es kommen muss. Darüber habe ich mir noch nie wirklich Gedanken gemacht.

"Spiegel, Spiegel": Du hast dich im vergangenen Jahr mit der Single "Beste Version" und einigen nachhaltigen Social-Media-Posts für mehr Selbstakzeptanz starkgemacht. Warst du selbst je Opfer von Mobbing und Ausgrenzung?

Natürlich. Ich kenne keinen Menschen, der in seinem Leben noch nie irgendwie ausgegrenzt oder gemobbt wurde. Ich selbst habe das auch oft erlebt. Als Musik-Nerd wird man permanent in eine Schublade gesteckt. Da zeigen Leute, die das nicht nachvollziehen können, ständig mit dem Finger auf einen. Und dann gibt's natürlich auch die oberflächlichen Dinge, wie körperliche Makel. Da gibt es immer Leute, die tuscheln oder mit den Augen rollen. Ich habe aber gelernt, dass man sich auch schützen kann. Je mehr man sich selbst so akzeptiert, wie man ist, desto uninteressanter wird die Meinung von anderen.

"Ja Nein Vielleicht": Gibt es eine Entscheidung, die du getroffen hast, die du im Nachhinein bereust? Und auf der anderen Seite: Gibt es eine Entscheidung, auf die du besonders stolz bist?

Ich bin ein Mensch, der nicht nach hinten blickt und dementsprechend auch nichts bereut. Ich bin glücklich mit mir und meinem Charakter. Meine Eltern haben mir sehr bodenständige Charakterzüge mit auf den Weg gegeben. Und diese Haltung ist mir immer noch sehr wichtig.

"Zusammen mit dir": Du bist seit drei Jahren glücklich verheiratet. Was macht denn deinen Ehemann Andreas Ferber zu einem besonderen Menschen?

Mein Mann ist nicht nur mein Lebenspartner und Manager, sondern auch mein Freund und Seelenverwandter. Er ist ein ehrlicher, authentischer und - genau wie ich - auch ein sehr bodenständiger Mensch. Ich bin unheimlich glücklich darüber, mit ihm zusammen durchs Leben zu gehen.

"Meisterwerk": Welches wäre dein ultimatives Album für die einsame Insel?

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"Ich bin glücklich mit mir und meinem Charakter" - das kann nicht jeder von sich behaupten!

(Foto: Sandra Ludewig / Sony Music)

Da würde ich gerne zwei Werke mitnehmen. Und zwar ein Album von Michael Jackson und eins von Taylor Swift. Mit der Musik von Michael Jackson bin ich aufgewachsen. Die war und ist auch heute noch eine große Inspiration für mich. Und Taylor Swift ist einfach eine Künstlerin, die auf dem Boden geblieben ist und mir trotz ihres Megastar-Status das Gefühl gibt, sie könnte auch eine Freundin von mir sein.

"Beste Version": Mit welchem deiner Songs würdest du dich musikalisch bei einem Menschen vorstellen, der noch nie ein Lied von dir gehört hat?  

Da würde ich ein Medley aus "Zusammen mit Dir", "Meisterwerk" und "Hast du jemals" zusammenstellen. Diese drei Songs gehen musikalisch alle in eine andere Richtung. Und genau diesen Facettenreichtum würde ich gerne präsentieren.

"Meine größte Schwäche": Hier dürfte die Frage klar sein, oder?

(lacht) Nun, ich kann ziemlich emotional und impulsiv sein. Wenn irgendwas nicht schnell oder gut genug harmoniert, dann reagiere ich schon sehr empfindlich darauf. Ja, ich würde sagen, ich bin impulsiv und brauche Harmonie um mich herum. Aber sind das wirklich Schwächen? Ich weiß nicht. Kommt irgendwie auch immer auf die Situation an.

Finale … "Mein Herz schlägt Schlager 2.0": Du liebst und lebst den Schlager in allen möglichen Varianten. Nehmen wir mal an, dir stünden alle Ressourcen zur Verfügung und du würdest ein Album abseits deines eigentlichen Genres angehen - über welche Musikrichtung reden wir dann?

Oh, da würde ich wahrscheinlich in Richtung Alicia Keys tendieren. Ich habe in meiner Kindheit unheimlich viel Soul und Soul-Pop gehört. Das hat mich damals total geprägt. Ja, ich glaube, ich würde mich für ein sehr akustisch gehaltenes Soul-Pop-Album entscheiden.

Cool, das war's. Mal was anderes. Hat Spaß gemacht.

Mir auch.

Mit Vanessa Mai sprach Kai Butterweck

Quelle: ntv.de