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Nach Zwangspause zurückK-Pop-Superstars BTS planen Comeback der Extraklasse

20.03.2026, 15:40 Uhr
imageVon Nina Jerzy
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Eine der größten K-Pop-Bands der Welt meldet sich nach jahrelanger Zwangspause zurück. Das neue Album von BTS verspricht die Rückkehr zu den koreanischen Wurzeln. Ein weltweit gestreamtes Live-Konzert ist dabei nur der Auftakt.

Aus einem Jahr Warten wurde für Fans von BTS eine gefühlte Ewigkeit. Als sich die K-Pop-Band im Oktober 2019 nach ihrer Welttournee verabschiedete, waren die Konzerte für das Folgejahr bereits geplant. Doch erst kam Corona und dann der in Korea verpflichtende Militärdienst. Dazwischen drohte der Gruppe, die als meistgestreamte Band auf Spotify gilt, noch der kreative Burn-out. Sechs Jahre nach ihrem letzten Studioalbum und sieben Jahre nach der letzten Welttournee sind BTS nun endlich zurück - und starten ein Monster-Comeback.

Die Veröffentlichung des Albums "Arirang" am Freitag (20. März) um 5 Uhr deutscher Zeit ist dabei bloß der Auftakt. In Korea ist die Rückkehr von BTS ein Ereignis von geradezu staatstragender Bedeutung. Die Band wird am Samstag ein Konzert im Herzen von Seoul geben und dabei auch die erste Single "Swim" präsentieren. Das Großereignis findet direkt am größten Königspalast am Gwanghwamun-Platz statt und wird live von Netflix in alle Welt übertragen. Regie führt Hamish Hamilton, der seit 2010 die Super-Bowl-Halftime-Show inszeniert, zuletzt den spektakulären Auftritt von Bad Bunny.

Wie die Könige

15.000 Zuschauer dürfen gratis vor Ort in Seoul dabei sein. Die Karten waren binnen Sekunden vergriffen. Die Polizei erwartet bis zu eine Viertelmillion Schaulustige rund um das Veranstaltungsgelände, das direkt an das Rathaus und die US-Botschaft angrenzt. Entsprechend extensiv sind die Sicherheitsmaßnahmen für dieses einmalige Ereignis, das einen Vorgeschmack auf die "Arirang"-Welttournee bietet.

Ab April stehen weltweit rund 80 Auftritte in 34 Städten an. Deutsche Fans, die den brutalen Vorverkauf überstanden haben, können am 11. und 12. Juli in der Münchner Allianz Arena feiern. 2027 folgen weitere Termine. Doch wozu dann dieses Gratiskonzert am Samstag? Hier geht es um Symbolkraft. Im Vorfeld wurde spekuliert, dass BTS auf dem Palastgelände entlang einer alten Prozessionsstraße zur Bühne schreiten werden - ein Weg, der einst Königen vorbehalten war. Das ist mehr als ein ultimativer Flex. BTS unterstreichen mit der Wahl des Veranstaltungsortes ihre koreanischen Wurzeln. Das war den sieben Musikern offenbar ein Bedürfnis.

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(Foto: picture alliance / YONHAPNEWS AGENCY)

K-Pop ist mit BTS endgültig im Mainstream angekommen. Lange Zeit galt das Genre aber als Nischenphänomen. Sexismus und Rassismus mischten sich zu einem Stereotyp, in dem K-Pop zu seelenloser Retortenware und Fans zu kreischenden Teenager-Mädchen degradiert wurden. Doch allein die Kaufkraft der leidenschaftlichen BTS-Fans, "Army" genannt, verschaffte RM, Jin, Suga, J-Hope, Jimin, V und Jungkook endlich auch im Westen Gehör - spätestens, als sie 2019 das legendäre Wembley-Stadion an gleich zwei Abenden ausverkaufen konnten.

Der endgültige Durchbruch kam ausgerechnet in der Corona-Pandemie. Durch sie wurden alle Pläne für die Tour und den Militärdienst zunächst obsolet. BTS überraschten Fans stattdessen mit ihrer ersten komplett auf Englisch gesungenen Single "Dynamite". Sie brachte der Band die erste Nummer-eins-Platzierung in den US-Charts und die erste Grammy-Nominierung.

Aufstieg eines Außenseiters

Es folgten zwei weitere englische Singles: "Butter" und "Permission to Dance". Manche Fans vermissten aber die inhaltliche Tiefe, die viele BTS-Hits zuvor ausgezeichnet hatte. Die Band mit dem rebellischen Außenseiter-Image hatte 2013 unter dem damals kleinen Platten-Label BigHit debütiert. Das Geld war knapp, die Mitglieder teilten sich ein winziges Schlafzimmer, mehr als einmal stand die Band vor dem Aus.

BTS kompensierten das Handicap, indem sie eine besonders innige Beziehung zur Fangemeinde aufbauten, etwa via Twitter. Dies sollte zum Schlüssel für den internationalen Erfolg werden. Fans der ersten Stunde übersetzten Liedtexte oder Live-Auftritte und holten so neue Anhänger an Bord. Fans sorgten auch selbst für Schlagzeilen. Als BTS - eine zutiefst von HipHop beeinflusste Band - im Juni 2020 eine Million US-Dollar für die "Black Lives Matter"-Bewegung spendete, brachte "Army" dieselbe Summe in etwa einem Tag auf.

BTS kamen während der Pandemie im westlichen Radio-Mainstream an. Einige Fans stellten jedoch die bange Frage: Werden BTS diesen Weg zur "Verwestlichung" weitergehen? Sie atmeten auf, als der Titel des fünften Studioalbums verkündet wurde. "Arirang" ist der vielleicht symbolträchtigste Name, den BTS für das wichtigste Comeback ihrer Karriere hätten wählen können.

BTS 2 - Quelle ist Weverse
Hallo, da sind wir wieder: BTS melden sich bei ihrer "Army" zurück. (Foto: Weverse)

"Arirang" ist ein jahrhundertealtes Volkslied, das unter der brutalen japanischen Kolonialherrschaft und im Koreakrieg zur inoffiziellen Nationalhymne aufstieg. Das Lied, von dem Hunderte regionale Variationen bestehen, ist Ausdruck von Leid, Sehnsucht und Hoffnung. Mit nur einem Wort scheinen BTS ihr neues Album fest in der koreanischen Seele verankert zu haben.

Wie koreanisch wird "Arirang"?

Wie sehr sich das konkret in der Musik niederschlägt, ob BTS zur alten Mischung aus koreanischen und englischen Liedtexten zurückkehren, muss sich zeigen. Das Album war vorab nicht für die Presse freigegeben. Dass die 14 Tracks allesamt englischsprachige Titel tragen, muss nichts heißen. Das war auch der Fall bei den Vorgängern "Map of the Soul: 7" und "Love Yourself: Tear". Ein starker westlicher Einfluss wird aber durch die Liste der Produzenten deutlich, allen voran Star-DJ Diplo, der bei fünf der 13 Lieder (ein Track ist ein Intermezzo) als Produzent aufgeführt ist.

"Arirang" ist zuallererst aber ein BTS-Album. Anführer RM hat Songwriter-Credits bei jedem Lied und alle Mitglieder bis auf Jin haben zumindest an einem Song mitgearbeitet. Jin kam während der Zwangspause eine besondere Rolle zu. Der Älteste nahm es auf sich, als Erster zur Armee zu gehen und als Erster zurückzukehren. Er streute wie Rapper Suga eine Welttournee in die Zwangspause ein, die die Musiker seit 2022 auch für diverse Soloprojekte nutzten, um ihre musikalische Identität jenseits der Gruppe zu erforschen.

"Wir wollen herausfinden, was uns als BTS ausmacht", kündigte RM im Trailer zur Comeback-Dokumentation "BTS: The Return" an. Auch sie wird exklusiv auf Netflix zu sehen sein, Start ist der 27. März. Am Ende des Trailers ist einen Moment lang eine traditionelle Fassung von "Arirang" zu hören.

Das Lied wurde 1896 von sieben jungen Koreanern auf dem Campus der afroamerikanischen Howard University gesungen und von einer Ethnologin aufgezeichnet. Es war die erste Aufnahme koreanischer Stimmen in den USA. 130 Jahre nehmen BTS den Faden auf. Ihr "Arirang" entstand ebenfalls in den USA. "Wenn wir uns verändern wollen, ist jetzt die Zeit dafür", sagt Jimin im Doku-Trailer. "Wir sind endlich zurück, wo wir hingehören."

Quelle: ntv.de

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