Musik

Die Groove-Könige legen nachMacht's noch einmal, Red Hot Chili Peppers!

14.10.2022, 15:10 Uhr
imageVon Kai Butterweck
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Nein, erwachsen sind die Red Hot Chili Peppers nicht wirklich geworden. (Foto: Warner Music)

Nur sechs Monate nach ihrem letzten Album "Unlimited Love" kommen die Red Hot Chili Peppers mit ihrem nächsten Studiowerk um die Ecke ("Return Of The Dream Canteen"). Da reißt der Freund von arenatauglichem Funk-Rock begeistert die Arme in die Luft.

Die Klampfe im Anschlag, ganz viel Bubblegum zwischen den Backen und ab dafür! Mit viel Groove, kristallklarem Sound und einem zurückgekehrten Johns Frusciante in Topform meldeten sich die Red Hot Chili Peppers vor einem halben Jahr zurück. Nun legen die kalifornischen Hit-Garanten um Frontmann Anthony Kiedis und Ausnahme-Basser Flea mit einem weiteren Longplayer nach. Pünktlich zum Herbstbeginn schießen die Chili Peppers noch ein paar großartige Sommer-Vibes aus den alternden Hüften.

"Tippa My Tongue", die erste Single aus "Return Of The Dream Canteen", bringt alles auf den Tisch, was die Band seit nunmehr fast vierzig Jahren so einzigartig macht. Das tighte Drumming von Trommelwirbler Chad Smith, die richtungsweisenden Viersaiter-Zuckungen von Flea, die verzaubernde Lick-Arbeit von Band-Mariachi John Frusciante und das immer noch zwischen Kindergarten und Arenabühne pendelnde Organ von Anthony Kiedis: Wenn all das auf einer Welle reitet, müssen sich alle anderen ähnlich gestrickten Combos dieser Welt hinten anstellen.

Eine Prise Soul obendrauf

Nicht minder groovy wie der bereits bekannte Opener flattert auch die zweite Nummer durchs Wohnzimmer. "Peace & Love" kommt im Refrain mit einer feinen Prise Soul um die Ecke. Überall ploppen bunte Farben auf. Frieden, Liebe … ach, wie schön wäre es doch, wenn die Peppers für den Welt-Soundtrack im Hier und Jetzt verantwortlich wären. Sind sie aber nicht, und so gibt es im folgenden "Reach Out" auch mächtig auf die Ohren. Irgendwo zwischen den härteren Passagen von "Mother's Milk" und "Blood Sugar Sex Magik" lassen es die Kalifornier mal so richtig krachen.

Eddie Van Halen hätte hier sicherlich gerne ein Ohr riskiert. Der leider viel zu früh verstorbene Van Halen-Gitarrero wird einige Minuten später von allen, aber insbesondere von John Frusciante, noch einmal geadelt und musikalisch auf Händen getragen ("Eddie"). Spätestens nach diesem Track dürften Frusciantes Finger geblutet haben. Aber was tut man nicht alles für seine Helden. Im späteren "Roulette" grüßt noch eine weitere Ikone der Vergangenheit aus dem Reich der Toten. Hier scheint doch glatt der Geist von Jimi Hendrix mit einem breiten Grinsen im Gesicht mit der Tür ins Haus zu fallen.

"My-My-My-My-My-My-My-My Cigarette!"

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Die Chili Peppers suhlen sich geradezu in ihren Trademarks und bringen dabei das Experimentierfass in manchen Momenten beinahe zum Überlaufen. Wenn sich selbst der eingefleischte Fan bei kiedischen Kindereien à la "My-My-My-My-My-My-My-My Cigarette" fragend die Ohren kratzt und das eine oder andere Solo aus der Zauberkiste des Rückkehrers kaum noch zu bändigen ist, dann fragt man sich schon, ob ein kürzeres und komprimierteres Werk nicht besser gewesen wäre.

Besagte Momente sind aber die Ausnahme, und so zeigt man nach satten 75 Minuten Spielzeit eher mit beiden Daumen nach oben, als die Frage zu stellen: Hätte man aus zwei ziemlich guten nicht auch ein richtig tolles Album machen können? Noch ehe sich die Antwort formt, drückt der Zeigefinger bereits auf die "Repeat All"-Taste. Man will es einfach nochmal hören, das große Ganze, diesen nicht enden wollenden Fluss der Experimentierfreude und diese Grooves, die einen einfach nicht mehr loslassen wollen.

Quelle: ntv.de

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