Musik

Letzte Aufnahmen auf neuem Album Otis Redding, der junge "King of Soul"

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Otis Redding starb im Dezember 1967 - den großen Erfolg von "(Sittin' On) The Dock Of The Bay" hat er nicht mehr erlebt.

(Foto: Warner-Music)

Vor 50 Jahren starb Otis Redding bei einem Flugzeugabsturz; er war erst 26. In kurzer Zeit schuf er unglaublich viel Musik und wurde einer der einflussreichsten Soulsänger, der "King of Soul". Nun sind seine letzten Aufnahmen erstmals auf einem Album zu hören.

Wenn man sich das musikalische Werk so ansieht, das Otis Redding geschaffen hat, ist es kaum zu fassen, dass er bereits mit 26 Jahren starb: Er veröffentlichte in der kurzen Zeit acht Langspielplatten. Zudem gründete er sein eigenes Label Jotis und trat fast ununterbrochen live auf. Schon im Teenageralter war Redding musikalisch unermüdlich, warf die Highschool hin, ging mit einer Band auf Tour. Außerdem nahm er an einem lokalen Talentwettbewerb teil – bei dem er nicht mehr antreten durfte, nachdem er 15 Mal hintereinander gewonnen hatte.

James Brown, der "Godfather of Soul", trug auch den Beinamen "the hardest working man in show business", aber Otis Redding stand ihm darin wohl kaum nach. Neben der Musik fand er auch noch Zeit für Familie und Farm: Mit seiner Frau Zelma Atkins hatte er vier Kinder – drei eigene und ein adoptiertes – und beide bewirtschafteten eine Ranch, die "Big O Ranch" in Georgia.

Begeisterung auch beim weißen Publikum

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Otis Redding beim Monterey Pop Festival im Juni 1967.

(Foto: AP)

Seine harte musikalische Arbeit trug Anfang der 60er-Jahre Früchte: Er hatte erste Hits, trat im legendären Apollo Theatre in New York auf. Besonders live wusste Redding zu begeistern, seine Zuhörer geradezu in Ekstase zu versetzen. 1967 erlebte er bei einer Europa-Tournee seines Labels Stax zum ersten Mal, dass ihm auch weißes Publikum zujubelte.

Das wiederholte sich im Juni 1967 im kalifornischen Monterey. Bei dem ersten großen Flower-Power-Musikfestival, dem "Monterey Pop Festival", hatte Redding einen gefeierten Auftritt, der ihm einen enormen Popularitätsschub verpasste.

Früher Tod durch Flugzeugabsturz

Mit diesem Schub im Rücken begann er im Herbst 1967 in Memphis Studio-Sessions für sein nächstes Album. Diese Sessions erfuhren das denkbar drastischste Ende: Otis Redding und vier Mitglieder seiner Begleitband The Bar Keys kamen bei einem Flugzeugunglück am 10. Dezember 1967 ums Leben. Sie waren auf dem Weg von einem Fernsehauftritt zu einem Konzert, rastlos wie immer. Sein Tod schockte die Musikwelt, die Fans - zu Reddings Beerdigung kamen Tausende Menschen, um ihm, dem der Titel "King Of Soul" verliehen wurde, die letzte Ehre zu erweisen.

Seine am 7. Dezember, kurz vor seinem Tod, aufgenommene Single "(Sittin' On) The Dock Of The Bay" wurde posthum veröffentlicht und sein größter Hit, ein Welthit. Der Song kam im Januar 1968 heraus und eroberte am 16. März desselben Jahres Platz eins der Charts - und zwar gleichzeitig die R&B- und die Pop-Charts. Die Single verkaufte sich seither mehr als vier 4 Millionen Mal. Sie ist die erste posthume Nummer-eins-Single in der Geschichte der US-Musikcharts. Der Song gehört zudem zu denen mit den höchsten und meisten Auszeichnungen: Er bekam zwei Grammys und ist einer der "Songs That Shaped Rock and Roll" in der Rock and Roll Hall of Fame. Das Musikmagazin "Rolling Stone" wählte ihn auf Platz 28 der 500 besten Songs aller Zeiten und dergleichen mehr. (Und als kleine Anekdote am Rande: Eine "Weinmusik-Studie" der Heriot-Watt-Universität in Edinburgh im Jahr 2008 stellte fest, Merlot sei besonders süffig bei "Sitting On The Dock Of The Bay".)

Neue Songsammlung "Dock Of The Bay Sessions"

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Das Album erschien als CD, Schallplatte sowie zum digitalen Download und Streaming.

(Foto: Volt Records/Warner Music)

Anlässlich des 50. Jahrestages dieses Über-Songs ist nun die neue Songsammlung "Dock Of The Bay Sessions" erschienen. Damit sind die letzten Aufnahmen des "King of Soul" zum ersten Mal auf einem Album versammelt. Die einzelnen Titel wurden zwar bereits auf diversen posthum erschienenen Alben veröffentlicht; sie wurden aber nun zum ersten Mal so zusammengestellt, dass sie zeigen, wie das Album geklungen haben könnte.

Opener ist eben jenes "(Sittin' On) The Dock Of The Bay" mit der gepfiffenen Melodie am Ende - und wie bei allen Welthits ist es auch hier: Man hat ihn einfach schon sehr oft gehört und darum ein bisschen über. Nichtsdestotrotz: ein schöner, sanfter, entspannter Song. Reddings Stimme kommt sanft und samtig daher, der Song hat mehr Pop und weniger Soul als viele seiner anderen. Insgesamt hören sich diese Studioaufnahmen natürlich viel glatter und sauberer an als die auf seinen Live-Platten, die ungleich wilder, heißer, mehr nach Sex klingen. Nach soulful Sex.

Sanft und sexy

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Dock of the Bay Sessions
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Aber auch bei den "Dock Of The Bay Sessions" klingt seine rohe Energie durch, etwa bei "The Happy Song", einem bittersüßen Liebeslied. Arschwackler und Hüftschwinger wie "Hard to Handle" oder "Love Man" sind ebenso dabei. Herzzerreißend beginnt dann die B-Seite der LP mit der Ballade "I've Got Dreams to Remember" - sie hatte Redding selbst komponiert, der Text stammt von einem Gedicht seiner Frau Zelma. Redding konnte sanft und sexy, rau und schreiend, roh und wild singen. Kaum zu glauben, dass er zum Zeitpunkt der Aufnahmen erst Mitte 20 war - er klingt nach mehr Lebensalter, mehr Erfahrung, mehr ... Reife.

Der "Rolling Stone", der auch kürzlich seinen 50. Geburtstag feierte, führte Otis Redding auf Platz 21 der 100 größten Musiker sowie auf Platz 8 der 100 besten Sänger aller Zeiten. Auf dem neuen Album kann man dem nochmal nachhören - der "King of Soul" auf dem Höhepunkt seiner Karriere, dem ein Flugzeugunglück so ein plötzliches Ende setzte.

Das Album ist erschienen als CD, als Vinyl-Schallplatte sowie zum digitalen Download und Streaming.

Quelle: ntv.de