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"Magst du mein enges Sweatshirt?" Róisín Murphy bleibt unberechenbar

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"Do you like my tight sweater?" - mit diesem Satz begann sie, die Karriere von Róisín Murphy. Auf einer Party baggerte die Irin so den Musiker Mark Brydon an, wenig später gründeten die beiden die Band Moloko. Zehn Jahre war das Duo weltweit erfolgreich, doch kurz nach der privaten Trennung folgte auch die berufliche. Róisín Murphy nahm zwei Soloalben auf, danach wurde es still um die 41-Jährige. Acht Jahre später ist sie nun mit ihrem neuen Album "Hairless Toys" zurück - ein spannender Stilmix aus House, Country und Jazz. Im Interview spricht sie über das Kinderkriegen, italienischen Pop und das Glück, Muse zu sein.

Frau Murphy, Ihr neues Album klingt mal wieder ganz anders als alles, was Sie zuvor gemacht haben. Sind Sie gerne unberechenbar?

Róisín Murphy: Absolut! Als ich anfing, diese Platte zu machen, sagten viele Leute zu mir: "Warum machst du nicht einfach eine Dance-Platte? Das ist gerade angesagt und du bist gut darin". Aber ich war schon immer auf der Suche nach Herausforderungen, das ist der Treibstoff meiner Kreativität. Außerhalb meiner Komfort-Zone bin ich am besten. Sie müssen bedenken, dass alles damit anfing, dass ich zu einem Typen auf einer Party den Satz "Gefällt dir mein enger Pullover? Schau mal, wie er sich meinem Körper anpasst" sagte.

Der "Typ" war Mark Brydon, mit dem Sie wenig später die Band Moloko gründeten.

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Sie macht es sich nicht leicht.

(Foto: imago stock&people)

Genau. Unseren Plattenvertrag habe ich unterschrieben, bevor ich überhaupt gesungen habe. Ich war schon immer experimentell veranlagt. Indem ich Dinge ausprobiert und Fehler gemacht habe, habe ich meine Stimme, im Grunde mein ganzes Leben gefunden. Ich habe ehrlich gesagt Angst davor, Dinge zu machen, die zu einfach sind.

Seit Ihrem letzten Album sind acht Jahre vergangen. Was haben Sie so lange gemacht?

Nun ja, ich bin zwei Mal Mutter geworden und es dauert ja schon neun Monate, bis so ein Kind fertig ist. Danach habe ich ein Jahr damit verbracht, herauszufinden, welches Ende von diesem Kind was macht. Leider haben der Vater und ich uns getrennt. Es dauerte eine Weile, bis ich meine Wunden geleckt und wieder zu mir gefunden hatte. Und dann habe ich mich Hals über Kopf neu verknallt und schwebte ein paar Jahre nur so durch Raum und Zeit. Ich war so glücklich, ich musste nicht kreativ sein. Das zweite Kind kam und auf einmal waren acht Jahre vergangen. Ich kann selbst kaum glauben, wie schnell das ging.

Letzten Monat sprachen alle über "Regretting Motherhood". Genießen Sie das Muttersein?

Es wird mit jedem Jahr besser. Mag sein, dass es bergab geht, wenn meine Tochter und mein Sohn ins Teenageralter kommen, doch bis jetzt ist es wirklich wunderschön. Ich will nicht zu viel darauf herumreiten, aber für mich ist Mutter zu sein etwas sehr Natürliches. Die Leute fragen immer, wie ich mich dadurch verändert habe. Das habe ich nicht. Ich glaube, ich hätte mich mehr verändert, wäre ich nicht Mutter geworden. Mir war immer klar, dass ich eines Tages mal Kinder haben würde.

Können Sie die Argumente der reumütigen Mütter nachvollziehen?

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Sie geben einem doch so viel zurück ....

Bevor ich Kinder hatte, dachte ich, es wäre für jeden eine gute Entscheidung, Kinder zu bekommen, aber heute bin ich etwas offener, was das betrifft. Ich liebe es, Mutter zu sein, ich kann es allerdings auch verstehen, wenn Leute keine Kinder wollen oder es bereuen. Denn ich merke, wie einem die Zeit durch die Hände rinnt, wenn man Mutter ist und dass man andere Dinge, die ebenfalls wertvoll sind, nicht mehr machen kann, weil man ständig mit Bemuttern beschäftigt ist.

Manchmal bleibt aber doch Zeit für solche Dinge: Mit Ihrem Lebensgefährten, dem italienischen Produzenten Sebastiano Properzi, haben Sie letztes Jahr ein Mini-Album mit fünf italienischen Pop-Songs aufgenommen. Haben Sie die zu Hause am Küchentisch gesungen?

(Lacht) Nein. Es fing damit an, dass Sebastiano mir eines Tages den Song "Non Credere" von der italienischen Sängerin Mina vorspielte. Sein Onkel hat das Stück geschrieben. Als Sebastiano das Haus verließ, begann ich mir den Text phonetisch aufzuschreiben und als er wieder zurückkam, sang ich es ihm vor. Er war ziemlich überrascht und wir haben beschlossen, es aufzunehmen. Am Ende entpuppte sich dieses Minialbum als eine ziemlich große Herausforderung, aber es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht.

Warum arbeiten Sie eigentlich ständig mit Ihren Lebensgefährten zusammen?

Ich bin eine Muse - fragen Sie mich nicht warum, ich kann das nicht erklären. Keine passive Muse, die einfach nur da sitzt, im Gegenteil. Aber warum soll man, während man eine Beziehung führt, nicht auch kreativ sein dürfen? Das ist doch etwas Schönes. Muse zu sein empfinde ich als ein großes Kompliment. Ich muss aber gestehen, ich würde nicht noch mal meine gesamte Karriere in die Hände meines Partners legen, denn beim letzten Mal ist es nicht sehr gut geendet. Wenngleich es Jahre dauerte, bis zwischen Mark und mir Unmut entstand, bin ich vorsichtig geworden. Ich habe zu hart für meine Solokarriere gekämpft.

Wie meinen Sie das?

Mit Moloko konnten wir damals tun, was wir wollten. Dieses Prinzip habe ich auch bei meinem ersten Soloalbum "Ruby Blue" angewendet. Als ich es dann bei meiner Plattenfirma abgab, lehnten sie es zunächst ab. Das war ein riesiger Schock für mich. Die Leute, mit denen ich gearbeitet hatte, seit ich ein junges Mädchen war, waren auf einmal so unloyal. Und dann wurde mir klar, woran es lag: Vorher hatte ich diesen schroffen Typen neben mir, vor dem alle Angst hatten! Ich musste hart dafür kämpfen, um als Róisín Murphy den Punkt zu erreichen, an dem ich sein will.

Sind Sie zufrieden damit, wo Sie heute stehen?

Das wird wahrscheinlich nie passieren! Ich bin spüre immer diesen Drang mehr zu machen, noch besser zu werden, mich selbst zu übertreffen. Aber ich fühle mich aktuell sehr erfüllt - wahrscheinlich mehr als je zuvor.

Mit Róisín Murphy sprach Nadine Lischick

Das Album "Hairless Toys" erscheint am 8. Mai 2015 - bei Amazon bestellen

Quelle: n-tv.de

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