Musik

Mit Vollgas zum ESC?Sarah Engels ist "Fire" und Flamme

03.02.2026, 15:29 Uhr
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Sie will - neben acht anderen Acts - zum ESC: Sarah Engels. (Foto: Marcell Brell)

Im deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest ist sie definitiv die Bekannteste: Sarah Engels. Mit ntv.de spricht sie vorab über ihren Song "Fire", den Traum vom ESC, Frauen-Power und das Feedback ihrer Familie, wenn sie es zu Hause mit dem Singen übertreibt.

ntv.de: Gerade erst hast du dein Gastspiel beim Musical "Moulin Rouge!" in Köln beendet, da hast du auch schon deine Teilnahme am deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (ESC) verkündet. Was ist für dich eigentlich die krassere Nummer?

Sarah Engels: Ich glaube, man kann es nicht so wirklich miteinander vergleichen. "Moulin Rouge!" war wirklich eine sehr geile Erfahrung. Aber mit Blick auf meine Karriere wäre der ESC natürlich die größte Chance, die ich bislang hatte.

Bleiben wir kurz bei "Moulin Rouge!". Gleichzeitig zu singen und zu schauspielern ist ja nicht ohne. Und in die Rolle einer Kurtisane zu schlüpfen, verlangt einem auch was ab. Wie leicht oder schwer ist dir das gefallen?

Gar nicht schwer! Natürlich war das alles im Großen und Ganzen neu für mich. Ich hatte ja tatsächlich keine Schauspielerfahrung. Das Training war deshalb schon wirklich sehr intensiv. Aber ich habe mich dieser Herausforderung gestellt und am Ende hat es mir so viel Spaß gemacht, dass ich es auch wirklich richtig genießen konnte, dort auf der Bühne zu stehen. Ich habe eine richtige Leidenschaft dafür entwickelt und war traurig, als es letztlich vorbei war.

Im Fernsehen und vor einer Jury einen Song zu performen, ist dir dagegen spätestens seit deiner Teilnahme bei "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) bestens vertraut. Bist du da vor dem ESC-Vorentscheid eigentlich noch aufgeregt?

Ich bin ja seit DSDS nun auch ein paar Jahre älter und reifer geworden. Aber wenn man die Chance hat, Deutschland zu repräsentieren, ist das natürlich schon eine große Nummer. Da werde ich sicherlich auch aufgeregt sein. Aber ich habe mir vorgenommen: "Ich bin einfach ich."

Es heißt, mit deiner ESC-Bewerbung würdest du dir einen lange gehegten Traum erfüllen. Seit wann hast du diesen Traum?

Ich verfolge den ESC eigentlich schon immer - auch schon als Kind. Und eigentlich habe ich mir da auch schon gedacht: "Wow, wie cool wäre es, mal selbst dabei zu sein." Das schien aber alles immer unglaublich weit weg. Jetzt so nah dran zu sein, dass es wirklich klappen könnte, fühlt sich verrückt und gar nicht richtig real an.

Wie lief so ein ESC-Abend vor dem Fernseher bei dir ab?

Wir haben es immer mit der ganzen Familie verfolgt. Ich habe eine recht große Familie, in der natürlich jeder so seine Meinung hat. Da wurde dann immer viel diskutiert, wer und welcher Song am besten war.

Wie ist es dazu gekommen, dass du jetzt wirklich versuchst, deinen ESC-Traum wahr werden zu lassen?

Dieses Jahr hatte ich einfach das Gefühl, den richtigen Song dafür zu haben. Also habe ich mich mit "Fire" beworben. Dass das tatsächlich geklappt hat und ich jetzt beim Vorentscheid dabei bin, hat mich echt überrascht, auch wenn ich den Song natürlich total mag - sonst würde ich ihn ja nicht zum ESC mitbringen wollen. Am Ende bringt es aber nichts, wenn nur ich von ihm überzeugt bin. Er muss auch beim Publikum ankommen.

Jetzt versuchst du dein Glück ausgerechnet in einem schwierigen ESC-Jahr. Weil auch Israel teilnimmt, boykottieren mehrere Länder die Veranstaltung diesmal. Hast du dich damit auseinandergesetzt?

Natürlich setze ich mich damit auseinander. Aber für mich sollte der ESC etwas sein, bei dem wir alle zusammenkommen. Es ist das größte Fest der Welt mit Künstlern aus allen möglichen Ländern mit ihren eigenen Geschichten. Die Musik soll dabei verbinden und die Menschen berühren. Ich finde, auf dieser Bühne sollte auch einmal von allen zusammen gefeiert werden dürfen - ohne Politik.

In den vergangenen Jahren ist es für Deutschland meist eher nicht so gut gelaufen beim ESC. Hast du eine Erklärung dafür?

Nein, keine Ahnung. Ich bin ja ein bisschen abergläubisch und denke, es gibt für alles immer irgendeinen Grund. Wenn man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, kann man ganz viel Glück haben - oder es ist eben genau umgekehrt. Deshalb glaube ich nicht, dass es immer am Song oder dem, der ihn präsentiert hat, lag. Viele Faktoren spielen eine Rolle.

Im Vorentscheid treten neben dir auch noch acht andere, ziemlich bunt gemischte Acts an, die ebenfalls gern zum ESC würden. Was sagst du zu ihnen?

Es ist tatsächlich alles dabei. Dass es sehr vielfältig ist, ist gerade das Schöne. Und alle sind ganz tolle Künstler, liebe Menschen und talentierte Musiker, die auch wirklich richtige Vollblutmusiker sind. Von ihnen freut sich wirklich jeder auf diesen Tag.

Du bist zweifelsohne die Kandidatin mit dem größten Bekanntheitsgrad. Würdest du das eher als Vor- oder Nachteil für dich sehen?

Das könnte so oder so sein. Ich finde, das Wichtige ist, dass wir alle die gleichen Chancen haben. Meines Wissens soll ja auch eine Jury zum Einsatz kommen, die wirklich unvoreingenommen ist. Am besten wäre es also, wenn es weder ein Vor- noch ein Nachteil wäre.

Du bist grundsätzlich jemand, der nicht nur durch seine Musik bekannt ist. Du findest regelmäßig auch im Boulevard statt - ob es um dein Liebesleben geht, dein neues Haus oder ein mögliches drittes Kind. Stört dich das eigentlich oder bist du fein damit?

Ich glaube, dass ich das selbst eigentlich ganz gut filtern kann. Ich teile ja sehr viel auf Social Media und bestimme selbst, was ich zeigen möchte und was nicht. Auf der einen Seite möchte ich nahbar sein und so den Menschen, die mich schon seit vielen Jahren supporten, auch meine Dankbarkeit zeigen. Auf der anderen Seite möchte ich aber auch mein Privatleben schützen. Die Zuschauer haben oft das Gefühl, schon ganz viel über mich zu wissen. Aber es gibt schon auch noch Dinge, die wirklich privat sind.

Deine Präsenz auf Social Media führt aber zum Beispiel auch dazu, dass du dich mit Hatern rumschlagen musst. Wie denen, die im ESC-Kontext deinen Körper thematisiert haben. Da ist dir - völlig zurecht - der Kragen geplatzt. Aber warum tust du dir das an?

In erster Linie geht es dabei gar nicht darum, dass ich wütend bin, weil mich irgendjemand angreift. Mir ist vielmehr wichtig, ein Statement zu setzen, weil mir wirklich viele folgen. In meinem Fall sind es schätzungsweise zu 98 Prozent Frauen - ob Frauen in meinem Alter, Mütter oder junge Mädchen. Es geht darum, ihnen zu zeigen, dass man für sie einsteht in dieser Welt, die nicht so perfekt und toll ist, wie oft getan wird. Damit die Frauen, die sich vielleicht auch gedemütigt fühlen, sehen: Das ist die Sarah, die hat auch zwei Kinder bekommen und gestillt und auch ihr Körper verändert sich. Und wer blöde Kommentare abgibt, darf sich dann auch ruhig mal schämen.

Du hast gesagt, du willst mit deinem Song "Fire" auch "für uns Frauen" beim ESC antreten …

Ja, das Thema "Starke Frauen" ist in den letzten Monaten bei mir immer mehr gewachsen. Vielleicht auch, weil ich selbst Mama einer kleinen Tochter bin, die zum Glück total selbstbewusst ist und jetzt schon weiß, was sie will. Ich bekomme auch viele Nachrichten von jungen Mädchen mit Problemen, die wir Frauen alle haben: uns lieben zu lernen, den Körper zu lieben und zu akzeptieren, dass wir unterschiedlich sind. Ich möchte meine Stimme nutzbar machen - für die, die mir folgen, aber auch für mich selbst. Ich trage auch noch viel aus meiner Kindheit mit mir rum und bin manchmal noch das verletzliche kleine Mädchen. Die Musik hilft mir extrem gut, das zu verarbeiten.

Du hast sogar eine Stiftung gegründet, in der es um Frauen- und Mädchenrechte gehen soll. Mit welchem Ziel?

Damit habe ich gerade erst angefangen. Ich bin noch dabei, mich selbst zurechtzufinden und zu schauen, wie so eine Stiftung überhaupt funktioniert. Aber ich habe schon konkrete Pläne und Wünsche. Im besten Fall würde ich speziell für Mädchen kleine Selbstverteidigungskurse an Kindergärten und Schulen anbieten. Denn ich glaube, dass es extrem wichtig ist, auch im frühen Alter schon zu lernen, wie man Nein sagt und Grenzen setzt. Wie wichtig es ist, schon in jungen Jahren das Selbstbewusstsein zu stärken, weiß ich aus eigener Erfahrung.

Inwiefern?

Als ich noch jung war, ist zum Beispiel bei all meinen Freundinnen schon die Brust gewachsen, während ich eine der Letzten war. Ich habe mich hässlich gefühlt und gedacht, ich würde wie ein Junge aussehen. Jetzt mit fast Mitte 30 ist der Drops schon gelutscht und man kann solche Dinge aus der Kindheit nur noch im Nachhinein aufarbeiten. Ich denke, es ist besser, früher anzusetzen.

Wurde "Fire" jetzt speziell für den ESC geschrieben oder hattest du das Lied schon länger in petto?

Das Lied ist schon vor ein paar Monaten entstanden. Für uns war aber direkt klar, dass es ein geiler ESC-Song sein könnte.

Im Refrain heißt es unter anderem: "Du bist ein Lügner, hör auf zu lügen, keine Lügen mehr." Klar, dass da die Frage aufkommt, ob du womöglich über eigene Erfahrungen singst. Wie autobiografisch ist "Fire"?

Der Song nimmt auf jeden Fall auch Bezug auf mein privates Leben. Vor allem geht es aber darum, sich aus einer toxischen Situation zu befreien und das innere Feuer wieder zu finden. In meiner Vergangenheit gab es schon Momente, in denen ich das Gefühl hatte, mich selbst zu verlieren und gefangen zu sein. Als würde man hinter einer großen Glasscheibe schreien und laut sein wollen, aber nicht gehört werden. Es geht um dieses Gefühl der Machtlosigkeit - und darum, rauszukommen und sich zu befreien.

Es fällt auf, dass der Song mal wieder auf Englisch ist. Du hast aber auch schon viel auf Deutsch gesungen ...

Ja, ich mag mich da nicht so richtig festlegen. Deutsch ist natürlich meine Muttersprache. Und ich finde deutsche Musik auch total schön und denke, dass sie extrem gut zu mir passt - gerade, wenn ich Balladen singe. Aber ich liebe auch das Moderne an englischen und amerikanischen Songs. Ich glaube, in der heutigen Zeit ist die Musik so vielfältig, dass man sich nicht festlegen und in bestimmte Schubladen stecken lassen muss.

Deine Tochter ist vor Kurzem vier geworden. Dein Sohn ist sogar schon zehn. Spielst du ihnen deine Musik vor und was sagen sie zu ihr?

Meine Kinder kriegen tatsächlich ganz viel Musik zu Hause mit. Sie sind meine größten Supporter, wenngleich es schon auch mal heißt: "Mama, kannst du jetzt vielleicht mal aufhören zu singen?" (lacht) Ich gebe schon sehr viel auf das Feedback meiner Familie. Auch mein Mann hat immer ein großes Mitspracherecht als jemand, der nochmal ein anderes Gehör hat als ein Musiker.

Sarah Engels auf RTL+ Musik

Auf der Suche nach Musik von Sarah Engels? Songs, Alben und Infos von ihr gibt es auf RTL+ Musik.

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(Foto: picture alliance / AAPimages/Wehnert)

Eine letzte Frage kann ich dir mit Blick auf den ESC natürlich nicht ersparen: Was würdest du dir vornehmen, sollte es wirklich klappen, dass du Deutschland dort vertrittst?

Ich tue mich total schwer damit, bereits jetzt dafür zu planen. Da ist ja schon noch eine Hürde dazwischen. Natürlich würde ich mich extrem freuen, wenn es klappen sollte. Dann müsste man es nach dem Motto "Dabei sein ist alles" auch genießen dürfen. Aber wer mich kennt, weiß auch, dass ich extrem ehrgeizig bin und es liebe, mich neuen Herausforderungen zu stellen. Deshalb würde ich natürlich schon Vollgas geben, um für Deutschland einen guten Platz zu erreichen.

Mit Sarah Engels sprach Volker Probst

Quelle: ntv.de

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