Musik

Bekenntnisse eines Faultiers Wie Tom Beck "The Masked Singer" erlebte

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Sicherte sich den Sieg bei "The Masked Singer": das Faultier.

(Foto: imago images/Future Image)

Niemand hat in der zweiten Staffel der Musikshow "The Masked Singer" für so viel Verwirrung gesorgt wie das Faultier. Einige vermuteten unter der Verkleidung Stefan Raab, aber auch Namen wie Jürgen von der Lippe, Bürger Lars Dietrich oder Sasha fielen. Mit seiner Vielseitigkeit gewann Fauli am Ende das Finale - und entpuppte sich als Schauspieler und Sänger Tom Beck.

Der 42-Jährige wurde bekannt durch die Action-Serie "Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei", ist seit 2011 aber auch als Musiker aktiv. Am 22. Mai erscheint sein viertes Album "4B". Im ntv.de Interview spricht Beck über seine Zeit als Fauli, die Geburt seines Sohnes und darüber, warum er sich als Sänger unterschätzt fühlt.

ntv.de: Herr Beck, mal ehrlich: Wie viele Liter haben Sie in dem Faultierkostüm bei "The Masked Singer" pro Abend geschwitzt?

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Auch Moderator Matthias Opdenhövel war von Fauli ganz angetan.

(Foto: imago images/Future Image)

Tom Beck: Genug, um danach völlig fertig und teilweise krank auszusehen! (lacht) Meine Schwiegermutter hat meine Frau nach dem Finale tatsächlich gefragt, ob alles okay mit mir ist. An dem Tag war ich am Ende wirklich richtig durch. Inklusive der Generalprobe am Nachmittag habe ich zehn Stunden in dem Kostüm gesteckt. Drei Liter habe ich bestimmt ausgeschwitzt. Ich habe den Fatsuit zwischendurch sogar in den Trockner gesteckt …

"The Masked Singer" wurde 2019 zum Überraschungserfolg. Schon da haben Sie einige unter dem Kudu und dem Grashüpfer vermutet. Haben Sie die Show letztes Jahr verfolgt?

Ja, mich hat es letztes Jahr total erwischt und ich kann verstehen, warum die Show so ein großer Erfolg wurde. Das trifft halt voll den Nerv der Deutschen. Zum einen ist es eine Show für die ganze Familie, was man lange gesucht hat - dieser berühmte "Wetten, dass..?"-Nachfolger, wo die Oma und die Enkelkinder zusammen zugucken. Zum anderen hat die Sendung dieses Quiz-Show-Gefühl, weil man die ganze Zeit am Raten ist. Quiz-Shows laufen in Deutschland ja nicht ohne Grund rauf und runter. Jeder möchte wissen, wer unter der Maske steckt. Also ich finde, es ist kein Wunder, dass die Show so gut ankam. Ich musste deswegen auch nicht lange überlegen, als die Anfrage kam.

Sonja Zietlow hat mallorquinische Geräusche aufgenommen, um sie später ihrer Freundin und Jury-Mitglied Ruth Moschner vorzuspielen, damit diese keinen Verdacht schöpft. Wie schwer war es für Sie, Ihre Teilnahme geheim zu halten?

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Am Ende stellte sich heraus - hinter der Maske steckte Tom Beck.

(Foto: picture alliance/dpa)

Es war natürlich schon schwer - vor allem seit Beginn des Lockdowns. Wie erklärt man da, dass man nicht zu Hause ist? Ich hatte zum Glück noch einen Film zu promoten und habe dann oft gesagt, dass ich zu einem Fotoshooting oder Pressetermin muss. Das ging ganz gut - außer man spricht mit Kollegen wie Axel Stein, der dann natürlich fragt, was das für ein Film ist. Ich hatte mir vorher extra was zurechtgelegt und eine Regisseurin rausgesucht, von der ich dachte, dass er sie nicht kennt. Aber Axel war von Anfang an überzeugt, dass ich das Faultier bin und hat drei Wochen lang krass gebohrt. Es gab noch ein paar andere Leute, die ständig gefragt haben, aber ich habe es wirklich niemandem gesagt.

Die Show musste zwischendurch für zwei Wochen unterbrochen werden, weil es Corona-Fälle im Team gab. Neben Gregor Meyle sind auch Sie erkrankt. Was war da los?

Es hieß auf einmal, es gäbe zwei Fälle im Team und die Show würde 14 Tage pausieren. Man sagte mir, ich sei eventueller Erstkontakt, aber so genau wisse das keiner. Das Gesundheitsamt würde sich dann melden, wenn es so ist. Das war mir alles zu unsicher, also habe ich selbst einen Test machen lassen und der war positiv. Ich hätte damit nie gerechnet. Wir waren so geschützt und hatten eigentlich mit niemandem Kontakt. Die Chance war sehr, sehr gering - aber es hat gereicht.

Wie ging es Ihnen während Ihrer Erkrankung?

Ganz okay. Ich hatte leichten Husten, den man aber fast gar nicht wahrgenommen hat. Eher wie ein Kratzen im Hals. Außerdem hatte ich Kopfweh und drei Nächte lang hohes Fieber. Ich war schlapp, aber nicht wie bei einer Grippe, wo man totale Gliederschmerzen hat. Ich habe etwas schwerer geatmet und hatte das Gefühl, dass mir 30 Prozent meines Lungenvolumens genommen wurden. Und ich konnte danach zwei Wochen nichts riechen und schmecken. Aber insgesamt war es zum Glück ein milder Verlauf.

Was glauben Sie, warum Sie am Ende gewonnen haben: Weil viele vermuteten, Sie seien Stefan Raab, weil Ihr Kostüm so wahnsinnig niedlich war oder aufgrund Ihrer gesanglichen Leistung?

Ich glaube, es ist eine Kombination aus vielem. Den Schuh, dass ich gewonnen habe, weil viele dachten, ich sei Stefan Raab, möchte ich mir nicht anziehen. Man wählt ja eine Figur nicht, weil man sich wünscht, dass es jemand bestimmtes ist, sondern weil sie einen berührt oder begeistert. Das Kostüm war sicher kein Nachteil. Ich finde es ja nach wie vor schade, dass Stefanie Heinzmann so früh rausgeflogen ist, aber ihr Dalmatiner-Kostüm war in Kombination mit der ganzen Diva-Geschichte vielleicht negativ besetzt. Wenn dann im Rateteam noch Namen wie Désirée Nick fallen, ist man ganz schnell raus. Na ja, und in Hinblick auf den Gesang habe ich meine Vielseitigkeit ein bisschen zum USP gemacht.

Tatsächlich klangen Sie in jeder Folge anders.

Ich habe mich gefragt: Was kann ich besser als die anderen? Kann ich besser singen als Gregor Meyle? Nein. Es wäre also fatal gewesen, nur auf den Gesang zu setzen und wie Max Mutzke letztes Jahr eine Ballade nach der anderen zu schmettern. Aber was ich kann, ist, in eine Rolle zu schlüpfen und meine Stimme so zu verstellen, dass ich das Rateteam und die Zuschauer maximal verwirre. Und ich kann unterhalten. Eine Performance abliefern, die irgendwie überraschend ist.

Für viele Menschen sind Sie nach wie vor der Autobahnpolizist aus "Cobra 11". Fühlen Sie sich als Sänger manchmal unterschätzt?

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Beck ist nicht nur Schauspieler, sondern seit vielen Jahren auch Musiker.

(Foto: imago images/Chris Emil Janßen)

Auf jeden Fall, definitiv. Deswegen tut es auch so gut, wenn aus dem Rateteam Kommentare kommen wie von Rea Garvey, der meinte, hinter der Faultiermaske stecke auf jeden Fall ein Sänger und ich hätte super gesungen. Ich bin halt nicht wie Stefanie Heinzmann oder Gregor Meyle, die eine Gesangsshow gewonnen haben. Das stellt keiner mehr in Frage. Aber bei mir guckt man immer noch doppelt. Ich bin immer noch der Schauspieler, der jetzt auch singt. Auch deswegen habe ich bei "The Masked Singer" mitgemacht. Damit man mich unabhängig von meiner Person, meinem Aussehen und meiner Cobra-11-Vergangenheit bewertet. Und auch für mich, damit ich diese Unsicherheit mal ablege.

Wann fing das bei Ihnen an mit der Musik?

Mit fünf Jahren. Ich hatte damals ein kleines Akkordeon, bei dem meine Mutter unterschiedliche Farben auf die Tasten geklebt hat. Sie hat mir die Noten dann als Farben aufgemalt und danach habe ich Kinderlieder wie "Alle meine Entchen" und "Fuchs du hast die Gans gestohlen" gespielt. Mit sechs bekam ich Orgelunterricht, später habe ich Klavier und Gitarre gelernt und in Coverbands und als Alleinunterhalter gespielt. Auf Dorf- und Schützenfesten, Hochzeiten, Geburtstagen, Firmenfesten und Kirchweihen. Bis ich 21 war, habe ich immer nur Musik gemacht, die ganze Zeit.

Und dann?

Irgendwann habe ich in einem Musical mitgespielt und erfahren, dass man Musical auch studieren kann. Als jemand, der sein Abi zweimal gemacht hat, überhaupt keinen Plan hatte, aber irgendwas mit Musik machen wollte, dachte ich: "Musical, warum nicht?" Also habe ich mich beworben und wurde auch angenommen. Über ein Musical-Film-Casting bin ich dann in eine Schauspielagentur gekommen - und seitdem stehe ich vor der Kamera.

Auf Ihrem neuen Album "4B" singen Sie in dem Stück "Nur für mich" von Ihrem Werdegang, von Unsicherheiten und dem Wunsch, den eigenen Weg zu gehen.

Das ist für mich so ein ständiges Thema. Wenn man ein Album schreibt, gibt es zehntausend Leute, die ihren Senf dazugeben, auch ungefragt, und die dir sagen wollen, wie du zu klingen hast. Manchmal ist es deswegen schon schwierig, sich nur auf sich selbst zu verlassen und einen Song so zu gestalten, dass man ihn selber geil findet. Der Song heißt "Nur für mich", weil ich mir dabei dachte, ich mache keine Kompromisse. Wenn ich da eine Steelgitarre drin haben möchte, dann mache ich das auch. Also habe ich Steffen Brückner von Mrs. Greenbird gefragt und er hat das für mich eingespielt.

"Nur für mich" - war das eine Art Motto für Ihr Album?

Total. Zuerst wollte ich das Album sogar "Nur für mich" nennen, aber das klang mir dann doch zu sehr nach einem Hobby-Schützenfest-Musiker-Titel (lacht). Mein Plan war, ein Album zu schreiben, mit dem ich zu 100 Prozent bei mir selbst ankomme.

In dem Song "Pinguine" beschreiben Sie die bedingungslose und grenzenlose Liebe zu Ihrem Sohn, der im November geboren wurde. Wie war es, Vater zu werden?

Unglaublich. Das ist ein Gefühl, dass ich vorher nicht kannte. Eine Urgewalt. So eine Geburt ist ja einfach ein Event. Als Mann stehst du daneben, ohne dass du wirklich eingreifen könntest, und hoffst einfach nur, dass alles gut geht. Und dann hast du plötzlich dieses kleine Lebewesen im Arm. Ein total hilfloses, kleines Menschlein, das kann gar nichts. Das macht auch nichts, außer dass es atmet, kackt und isst. Aber du bist total verzückt und würdest alles dafür tun. Der absolute Wahnsinn. Das hat mich echt übermannt.

Auch Ihrer Frau widmen Sie auf dem Album zwei Stücke: In "Konkret" singen Sie davon, dass Sie vorher nie der Typ waren, der sich binden wollte. Wie hat Ihre Frau es geschafft, das zu ändern?

Sie hat mich einfach eingefangen. Ohne, dass sie dafür etwas getan hat. Das hat vielleicht auch etwas mit der Erfahrung oder dem Alter zu tun. Irgendwann hatte ich nicht mehr das Gefühl, dass ich etwas verpasse oder nicht ausgelebt habe. Ich war auf einmal bereit dafür, Wege oder Schritte zu gehen, vor denen ich mich vorher gescheut habe. Ich hatte immer Angst vor einer festen Bindung und habe lieber ein Hintertürchen aufgelassen. Auch wenn ich immer mit offenen Karten gespielt habe, muss ich sagen, dass ich nicht wirklich stolz darauf bin, wenn ich zurückblicke. Und ich bin echt froh, dass ich endlich mal konkret wurde und meinen Mann gestanden habe.

Sind Sie beide wirklich so verschieden, wie Sie in "Wir gehen den Weg zusammen" singen?

Ich habe es in dem Song ein bisschen überspitzt, aber es gab am Anfang schon ein paar Leute, die das angezweifelt haben mit uns. Teilweise sind wir schon sehr verschieden, aber nicht was unsere Werte betrifft. Was die entscheidenden Dinge betrifft - Lebensphilosophien, familientechnisch oder auch in Bezug auf den Kleinen -, ticken wir total gleich. Sonst würde es auch nicht funktionieren.

Nun wären Sie mit dem Album demnächst eigentlich auf Tour gefahren. Wegen der Corona-Pandemie wird daraus nichts, aber am 1. Juni spielen Sie ein Autokinokonzert in Düsseldorf. Wie wird das denn wohl?

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Das weiß ich auch nicht! Ich habe ein paar Ausschnitte von Kollegen gesehen, die das schon gemacht haben. Bei Max Giesinger haben alle die Melodie von "80 Millionen" mitgehupt, von daher muss ich mal gucken, welche Hup-Passagen, Scheibenwischer- oder Lichthupen-Choreographien mir einfallen. Das wird spannend! Aber ich freue mich total, dass ich die Songs überhaupt spielen kann. Das wird wahrscheinlich erst mal die einzige Möglichkeit sein, den Leuten mein neues Album zu präsentieren.

Was glauben Sie, nehmen wir alle aus der Corona-Krise mit?

Was wir alle daraus mitnehmen, wage ich nicht zu beurteilen. Aber ich für meinen Teil merke schon, dass man das Leben viel mehr wertschätzt. Und die Freiheit, die wir hatten. Wir waren vorher in einer absoluten Luxusposition. Dass wir jeden Tag die Möglichkeit hatten, Essen zu gehen, Leute zu treffen, soziale Kontakte zu pflegen, ins Kino und auf Konzerte, in Geschäfte oder den Zoo zu gehen. Alltägliche Sachen, die einem so gar nicht bewusst sind, weil man immer die Möglichkeit hat. All das werde ich nach dieser extremen Quarantäne-Zeit wieder viel mehr wertschätzen. Und ich habe gemerkt, dass ich gar nicht viel brauche zum Leben. Das wusste ich vorher eigentlich auch schon, aber es ist mir noch deutlicher geworden. Ich brauche keinen materiellen Luxus. Viel wichtiger sind eine gut funktionierende Familie und Freunde, die für einen da sind. Ich freue ich jetzt schon darauf, wenn ich die endlich wieder in den Arm nehmen darf.

Mit Tom Beck sprach Nadine Wenzlick.

Quelle: ntv.de