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Teenieschwarm mit Metalherz Wincent Weiss reist mit leichtem Gepäck

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Die Fans - und die Welt - liegen ihm zu Füßen.

(Foto: imago/Martin Müller)

"Irgendwie anders" ist der Nachfolger von Wincent Weiss' 2017 veröffentlichtem Debütalbum "Irgendwas gegen die Stille", das es bis auf Platz 3 der deutschen Charts geschafft hat und erst vor Kurzem mit Platin ausgezeichnet wurde. Auf "An Wunder" singt Weiss über Freundschaft, Trennung und die Dinge des Lebens. Die Teilnahme bei der neuen Staffel von "Sing meinen Song" ist ein weiterer großer Schritt in der Karriere des 26-Jährigen. Um dort das Tauschkonzert mit Gastgeber Michael Patrick Kelly sowie den anderen Teilnehmern Milow, Johannes Oerding, Alvaro Soler, Jennifer Haben und Jeanette Biedermann aufzunehmen, flog Weiss nach Südafrika. Mit n-tv.de sprach er über Familie, Erwartungshaltungen und die nächsten Schritte.

n-tv.de: Was ist die größte Veränderung in deinem Leben?

Wincent Weiss: Dass ich mich ständig verändere. Ich habe ja drei Jahre in München gewohnt und war halt immer da. Und jetzt bin ich ständig unterwegs, immer auf Tour. Nach dem ersten Erfolg war ich 350 Tage im Jahr unterwegs, jeden Tag in einer anderen Stadt. Ich habe inzwischen nicht mal mehr einen Koffer dabei, nur Handgepäck. Ich wasche zwischendurch, keine Angst. (lacht)

Wo wohnst du?

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Wincent Weiss lebt derzeit nur in Hotels.

(Foto: imago/Eibner)

Ich habe momentan keine Wohnung, ich bin nur in Hotels. Und natürlich ist auch die Zeit mit Freunden und Familie weniger geworden. Das ist der Preis, den man zahlen muss.

Und sonst?

Ich glaube, ich habe in den letzten Jahren so viel erlebt, wie man normalerweise in zehn Jahren nicht erlebt. So viele Eindrücke! Aber das ist ja auch toll und trotzdem kommt mir alles ganz gesund vor - ist gar nicht so sehr von einem Tag auf den anderen, sondern ganz vernünftig gewachsen.

Du wolltest schon immer Musik machen, oder?

Ja. Ich habe in einem Restaurant gearbeitet, ich hab' gemodelt. Und zwischendurch habe ich Songs geschrieben. Als der Plattenvertrag kam, habe ich alles gekündigt.

Wurdest du als Model irgendwo nebenbei entdeckt?

Ja, ich wurde tatsächlich auf der Straße angesprochen, in München. War cool, ich fand es da schon super, so viel zu reisen. Bei den Jungs ist das mit dem Modeln ja ziemlich entspannt.

Was meinst du damit?

Als Mann ist man nicht einem so strengen Diktat unterworfen, was die Figur angeht. Bei den Frauen ist das viel krasser.

Ein Sixpack ist jetzt aber nicht unbedingt von Nachteil, oder?

(lacht) Nee, das ist immer gut.

"An Wunder" heißt einer deiner Songs – glaubst du an Wunder?

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Ich habe zumindest eine wundervolle Karriere, daran glaube ich (lacht). Und ich glaube an die kleinen Wunder, nicht an Übermenschliches, sondern eher an so Dinge wie die Tatsache, dass ich meine kleine Schwester so verdammt lieb habe.

Warum solltest du deine kleine Schwester auch nicht liebhaben?

Weil ich bis zu ihrer Geburt wirklich unbedingt ein Einzelkind bleiben wollte. Aber dann habe ich gemerkt, was für ein Wunder so ein kleiner Mensch ist, und ab da war es für mich okay, dass ich eine Schwester habe.

Wie viel jünger ist sie denn als du?

11 Jahre. Und es ist toll, ein großer Bruder zu sein.

Sie ist dann jetzt ein Teenager, also genau im Alter vieler deiner Fans …

Ja, aber das macht ja nichts. Für eine 15-Jährige entwickelt sie sich wirklich großartig. Sie ist hilfsbereit und liebt es, zu kochen und zu tischlern. Wir sind echt sehr unterschiedlich (lacht).

Wer ist denn auf deinen Konzerten - die Achtjährigen bis zu den Achtzigjährigen, oder?

Ja, das kommt so hin.

Und mehr Mädchen und Frauen, richtig?

Richtig (lacht).

Ich finde es übrigens ganz schön mutig, was du singst. Du traust dich was, denn du bist sehr offen.

Ja, gerade mein zweites Album ist tatsächlich sehr offenherzig, aber das liegt auch daran, was gerade so passiert ist in meinem Leben. So persönlich und privat zu schreiben, ist für mich nicht schwer. Das ist im Stil von Storytelling, sehr direkt. Ich durfte in den letzten beiden Jahren so viel erleben, daher hatte ich unglaublich viele Ideen. Als meine langjährige Beziehung zerbrochen ist, konnte ich das durch das Schreiben verarbeiten. Und mit meinem Produzenten und meinen beiden Songwritern habe ich dann die Stücke vervollständigt.

Du bist auch auf Instagram sehr offen - wie kommst du mit Schwachsinn und Hass klar?

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Mit Hass-Nachrichten kann Wincent Weiss umgehen.

(Foto: imago images / APress)

Solange die positiven Nachrichten überwiegen, ist für mich alles in Ordnung. Mich wundert immer, wie viel Zeit die Leute haben, wenn sie Hasskommentare abgeben. Mich würde interessieren, ob sie mir das auch ins Gesicht sagen könnten, was sie da schreiben.

Wahrscheinlich nicht.

Die ersten Male habe ich mir das zu Herzen genommen, aber jetzt nicht mehr. Schade, dass es so ist, aber inzwischen prallt das an mir ab.

Fühlst du bei deinen Texten oder auch bei deinen Auftritten eigentlich eine gewisse Verantwortung für deine Fans, deine Zuhörer?

Ich denke beim Schreiben nicht darüber nach. Ich texte, nehme den Song auf, und dann, wenn ich den Song immer und immer wieder singe, frage ich mich schon mal: Mensch was hast du denn da wieder gemacht? (lacht) Zum Beispiel der Song "1993" über meinen Vater - ich hätte nie gedacht, dass der so eine große Welle schlägt. Ich wollte mir da was von der Seele schreiben und habe gar nicht darüber nachgedacht, was ist, wenn ich damit auf Tour gehe.

Oder wenn du einen Song über deine Ex-Freundin schreibst …

Ja, dann muss ich mich auf der Tour immer wieder in die Situation hineinversetzen, wie es damals war, stimmt. Aber es überwiegt für mich, dass ich mich quasi freisinge. Ich werde immer daran erinnert, aber es ist auch therapeutisch. Ein Jahr hat das an mir genagt, jetzt zum Glück nicht mehr.

Nochmal zurück zu "1993", deinem Song, deinem Geburtsjahr und deinem Vater, der schon vor der Geburt verschwunden ist. Habt ihr Kontakt?

Wir haben uns kennengelernt, aber das war es dann auch. Wir waren uns einfach fremd.

Deine männliche Bezugsperson ist dein Großvater, der übrigens sehr gut aussieht, habe ich deinem Instagram-Account entnommen.

*Datenschutz

Ja, das war mein Ziehpapa. Der ist jetzt 77, aber immer noch total jung im Kopf. Er hat mit mir Fußball gespielt und mir zugehört. Meine Oma ist auch noch sehr fit, fährt Fahrrad. Aber meine Mama ist meine absolut wichtigste Bezugsperson, wir verstehen uns sehr gut.

Du warst mal sehr schüchtern - jetzt bist du sehr bekannt, und bald wirst du noch bekannter sein, weil du bei "Sing meinen Song" zu sehen sein wirst.

Ja, ich kann es selbst kaum fassen. Ich habe erst zwei Alben! Mit solchen Hochkarätern Musik machen zu dürfen, ist wirklich krass. Milow zum Beispiel kenne ich seit ich 12, 13 war.

Das wirkt immer alles irre rührend da, sehr emotional – ist das wirklich so?

Ja, es ist der Wahnsinn, die Kulisse, die Leute, kein Moderator, die Kameras sieht man nicht. Ich selbst bin jetzt nicht so nah am Wasser gebaut, aber wenn man empfänglich ist für Stimmungen, dann können da schon Tränen fließen. Also, um mich herum wurde viel geweint (lacht). Und ich dachte immer nur: "Was mach' ich jetzt, was mach ich jetzt bloß?"

Was macht dieses Format so erfolgreich?

Dass man die Musiker so gut kennenlernen kann. Man wird ja gern in eine Schublade gesteckt - ich bin dann der kleine Schönling, der Teenieschwarm, der Deutsch-Pop-Typ. Ich kannte zum Beispiel Michael Patrick Kelly nur als Solo-Künstler und gar nicht mit der Kelly-Family.

Das ist doch auch schön …

(lacht) Ja, aber es ist schon toll, wenn man die Hintergründe erfährt, warum jemand ist, wie er ist. Ich bin sehr gespannt darauf, wie es sein wird, wenn die Sendung gelaufen ist, ob sich da nochmal was ändert …

Ganz bestimmt, du wirst nun jede Minute auf der Straße erkannt werden und nicht nur alle zwei …

Oh je, das kann ich noch nicht einschätzen.

Willst du auch mal andere Musik machen? Läuft ja super, aber schlummert noch ein Rocker in dir oder ein Rapper?

Vielleicht. Ich habe auf jeden Fall Lust auf Weiterentwicklung. Ist ja nicht verwerflich, dass ich jetzt vielleicht der Teenieschwarm bin (lacht), aber ich bin eigentlich aus der Metal-Ecke. Ich lasse das auf mich zukommen.

Mit Wincent Weiss sprach Sabine Oelmann

"Sing meinen Song" startet am 7. Mai bei Vox.

Quelle: n-tv.de

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